Bachelorarbeit, 2011
31 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Rechtsextremismus
2.2 Neonazismus
2.3 Skinhead
2.4 Sozialismus
2.5 Antifaschismus
3. Das Selbstverständnis der DDR
3.1 Die antifaschistische Tradition und ihre Widersprüche
3.2 Jugenderziehung in der DDR
4. Einflüsse des persönlichen Umfeldes auf die politische Entwicklung Jugendlicher
4.1 Der familiäre Hintergrund
4.2 Die Skinhead-Subkultur in der DDR
4.3 Gesellschaftliche Randgruppen als Feindbilder
5. Ritualisierte Männlichkeit als Einstieg in die Neonazi- und Skinheadszene
5.1 Die Rolle der gesellschaftlichen Militarisierung in der DDR
5.2 Der Zusammenhang von Fußball und Gewalt für das politische Selbstverständnis
6. Die Maßnahmen der DDR-Staatsorgane gegen Neonazis und Skinheads
6.1 Die anfängliche Hilflosigkeit des Staates
6.2 Der Überfall auf das Punk-Konzert in der Zionskirche
6.3 Inhaftierung und Vernetzung im Gefängnis
7. Der Fall der Mauer und seine Wirkung auf die Neonazi-Szene in der DDR
7.1 Die Bedeutung westdeutscher Neonazis in der gewendeten DDR
7.2 Das Leben des Ingo Hasselbach
8. Fazit
Die Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung rechtsextremer Jugendkulturen in der DDR. Ziel ist es zu analysieren, welche sozialen und politischen Kontinuitäten trotz der antifaschistischen Staatsideologie den Boden für Neonazismus bereiteten, wie Jugendliche durch das familiäre Umfeld und Subkulturen politisiert wurden und wie der DDR-Staatsapparat auf diese Phänomene reagierte.
4.2 Die Skinhead-Subkultur in der DDR
Als sich die Skinheadszene in den sechziger Jahren als vornehmlich männliche Jugendsubkultur der englischen Arbeiterschicht herausbildete, war sie weder rechts noch links des politischen Spektrums anzusiedeln. Skinheads kleideten sich nach dem Bild englischer Werftarbeiter, wozu robustes Beinkleid mit Hosenträgern und stabiles Schuhwerk der Marke Doc Marten’s zählte. Die Musik der Szene, Ska und Reggae, kam aus der Karibik, sie gingen regelmäßig zum Fußballspiel des Lieblingsvereins und schlugen sich, wenn überhaupt, mit den Fans anderer englischer Fußballclubs. Skinheads verstanden sich als Angehörige eines Gegenentwurfs zur Hippiebewegung und zu den Jugendlichen der Mittelschicht. Sie trugen das eigene Klassen- und Szenebewusstsein mit der Arbeiterkleidung und den kahlgeschorenen Haaren nach außen. Rasse, Herkunft oder Hautfarbe war kein Kriterium, Skinhead zu sein. Jedoch setzte ab Mitte der siebziger Jahre, einhergehend mit steigender Arbeitslosigkeit, ein Wandel in der englischen Skinheadszene ein, der sich offen gegenüber nationalistischen und rassistischen Tendenzen zeigte.
In diesem Prozess der ideologischen Transformation erreichte die Szene zum Ende der siebziger Jahre und den beginnenden achtziger Jahren Westeuropa und über britische Soldaten insbesondere Westdeutschland. Über die Mauer hinweg bestand weder eine Sprach-, noch eine Kulturbarriere, was dazu führte, dass die Skinhead-Subkultur in der DDR schnell fruchtbaren Boden fand. Jugendliche, die zunächst Orientierung in den Reihen gewaltbereiter Fußballfans oder in der Punk-Szene suchten, wurden nun Skinheads. Die Skinheadszene der DDR wurde zudem durch die gesellschaftlichen Missstände geprägt und um den Nationalismus (ost-)deutscher Prägung angereichert. Skinheads wurden in der DDR ab Mitte der achtziger Jahre zu einem Synonym für Neonazis, da sich beides nicht mehr voneinander trennen ließ. Eine seltene Randerscheinung wurden jene Skinheads, die sich nicht rechtextrem oder fremdenfeindlich gaben.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Entstehung von Rechtsextremismus in der DDR und hinterfragt, ob soziale Kontinuitäten aus der Zeit des Nationalsozialismus diesen Prozess begünstigten.
2. Definitionen: Hier werden die zentralen Begrifflichkeiten Rechtsextremismus, Neonazismus, Skinhead, Sozialismus und Antifaschismus theoretisch voneinander abgegrenzt.
3. Das Selbstverständnis der DDR: Das Kapitel beleuchtet die antifaschistische Staatsräson und zeigt auf, wie diese durch die Integration ehemaligen Nazi-Personals und durch restriktive Jugenderziehung in Widersprüche geriet.
4. Einflüsse des persönlichen Umfeldes auf die politische Entwicklung Jugendlicher: Es wird untersucht, wie familiäre Prägungen, der Einfluss der Skinhead-Subkultur und gesellschaftliche Feindbilder die politische Entwicklung der Jugend beeinflussten.
5. Ritualisierte Männlichkeit als Einstieg in die Neonazi- und Skinheadszene: Dieses Kapitel analysiert die Rolle von gesellschaftlicher Militarisierung und die Gewaltbereitschaft im Fußballkontext als identitätsstiftende Faktoren.
6. Die Maßnahmen der DDR-Staatsorgane gegen Neonazis und Skinheads: Hierbei wird die staatliche Hilflosigkeit, die Reaktion auf den Zionskirchen-Überfall sowie die Vernetzung der Neonazis innerhalb der Haftanstalten thematisiert.
7. Der Fall der Mauer und seine Wirkung auf die Neonazi-Szene in der DDR: Es wird dargelegt, wie sich nach der Wende gesamtdeutsche Neonazi-Strukturen bildeten und welche Rolle Akteure wie Ingo Hasselbach dabei spielten.
8. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die DDR ihr Rechtsextremismusproblem durch systemische Ignoranz und eigene autoritäre Strukturen nicht bewältigen konnte, was nach der Wende zur Radikalisierung der Szene beitrug.
DDR, Rechtsextremismus, Neonazismus, Skinhead, Antifaschismus, SED, Ingo Hasselbach, Jugendkultur, Militarisierung, Fußball-Hooligans, DDR-Staat, Mauerfall, Politische Radikalisierung, Sozialismus, BStU.
Die Arbeit untersucht das Entstehen und die Ausbreitung rechtsextremer und neonazistischer Tendenzen unter Jugendlichen in der DDR.
Zentrale Themen sind das antifaschistische Staatsbild der DDR, die politische Radikalisierung Jugendlicher durch Subkulturen und die unzureichende staatliche Auseinandersetzung mit dem Thema.
Die Arbeit fragt, ob soziale und politische Kontinuitäten zum Nationalsozialismus den Rechtsextremismus in der DDR begünstigten oder ob äußere Einflüsse für das Phänomen ausschlaggebend waren.
Es werden Primärquellen wie Autobiografien von DDR-Neonazis sowie zeitgenössische Forschungsberichte der Soziologin Loni Niederländer analysiert.
Der Hauptteil befasst sich mit der Rolle des familiären Umfelds, der Militarisierung der Jugend, der Gewaltbereitschaft in der Fußballfanszene und den staatlichen Reaktionen der DDR-Behörden.
Wichtige Begriffe sind DDR, Neonazismus, Rechtsextremismus, Skinheads, Antifaschismus und die staatliche Repression.
Er gilt als Wendepunkt, da dieser Vorfall die Reputation der DDR im Ausland gefährdete und die Staatsmacht erstmals zum repressiven Handeln zwang.
Die Inhaftierung führte paradoxerweise zur weiteren Vernetzung der Neonazis, da diese zentral untergebracht wurden, was den Austausch unter den Häftlingen förderte.
Durch den Wegfall der DDR-Grenzen konnten sich ostdeutsche Neonazis mit westdeutschen Gruppen vernetzen und gemeinsame gesamtdeutsche Strukturen aufbauen.
Ingo Hasselbach dient als beispielhafte Fallstudie für den Weg in die Neonazi-Szene und deren politische Aktivitäten sowie den späteren Ausstieg aus diesem Milieu.
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