Masterarbeit, 2011
108 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG: FRAGESTELLUNG, QUELLENBASIS UND AUFBAU DER UNTERSUCHUNG
1.1 VON EINER „LEISEN UND EINSAMEN STIMME DES PROTESTS“ ZUR WELTWEITEN SOLIDARITÄTSBEWEGUNG?
1.2 ANTI-APARTHEID-PROTEST IN DER BUNDESREPUBLIK – SOZIALE BEWEGUNG ALS GESELLSCHAFTLICHER LERNPROZESS?
1.3 FORSCHUNGSSTAND UND QUELLENBASIS
1.4 ANALYTISCHER BEZUGSRAHMEN UND AUFBAU DER UNTERSUCHUNG
2. VOM PROTEST ZUM WIDERSTAND: DIE ANTI-APARTHEID-BEWEGUNG IN SÜDAFRIKA (1886-1994)
2.1 WURZELN DES WIDERSTANDS: VOM MINENKAPITALISMUS ÜBER DIE ENTSTEHUNG EINES MODERNEN STAATS ZUR ETABLIERUNG DER RASSENTRENNUNG IN SÜDAFRIKA (1886-1940)
2.2 „AFRICA FOR THE AFRICANS“: VOM ZIVILEN UNGEHORSAM ÜBER DAS MASSAKER VON SHARPEVILLE ZUM BEWAFFNETEN WIDERSTANDSKAMPF (1940-68)
2.3 STILLE VOR DEM STURM: VOM BLACK CONSCIOUSNESS ÜBER DIE RADIKALISIERUNG DER JUGEND ZUR UNITED DEMOCRATIC FRONT (1968-89)
3. DIE MOBILISIERUNG DER ANTI-APARTHEID-BEWEGUNG IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
3.1 „MIT MASKE AUF DEM SEIL TANZEND“ - VON DER AUSWEISUNG DEUTSCHER PRIESTER AUS SÜDAFRIKA ZUR MOBILISIERUNG ERSTER PROTESTGRUPPEN UND AKTIONEN IN DEUTSCHLAND
3.2 „INSTITUTIONALISIERTER ERFAHRUNGSAUSTAUSCH“ - ORGANISATIONSSTRUKTUREN UND KOMMUNIKATIONSKANÄLE
3.3 „THANKS GOD, WE STILL HAVE WEST-GERMANY“ – PROBLEMDEUTUNGEN UND VORANNAHMEN IM PROTEST GEGEN DIE APARTHEID
3.4 „DAS KULTURABKOMMEN MIT SÜDAFRIKA MUSS GEKÜNDIGT WERDEN!“ - ÜBERSETZUNG DER KRITIK IN DIE SPRACHE GESELLSCHAFTLICHER TEILSYSTEME
4. DIE AAB IN DER BRD ALS BESTANDTEIL EINER TRANSNATIONALEN ANTI-APARTHEID-BEWEGUNG
4.1 „WE WIELD A DEVASTATING WEAPON“ – ANTI-APARTHEID ALS BEWEGUNG DER BEWEGUNGEN
4.2 „DEAR COMRADE INGEBORG“ – ZUSAMMENARBEIT MIT DEN BEFREIUNGSBEWEGUNGEN
4.3 „UNDER THE AUSPICES OF THE UN“ - INTERAKTION MIT DEM UN-CENTRE AGAINST APARTHEID
4.4 „SUPPORT THE INTERNATIONAL DAY OF ACTION“ - KOORDINIERUNG ZWISCHEN DEN NATIONALEN SOLIDARITÄTSBEWEGUNGEN
Die Arbeit untersucht den gezielten Versuch der Mobilisierung einer sozialen Bewegung gegen die Apartheid in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird analysiert, wie Strukturen und Ausmaße dieses Protests geformt wurden und inwiefern der Anti-Apartheid-Protest als gesellschaftlicher Lernprozess verstanden werden kann, der Impulse für Anpassungen in gesellschaftlichen Teilsystemen lieferte.
1.1 Von einer „leisen und einsamen Stimme des Protests“ zur weltweiten Solidaritätsbewegung?
Im Februar 1993, also noch etwas mehr als ein Jahr vor den damals ersten freien und demokratischen Wahlen in Südafrika, hielt der African National Congress (ANC) in Johannesburg eine dreitägige „Internationale Solidaritätskonferenz“ mit dem Titel „From Apartheid to Peace, Democracy and Development“ ab. Geladen waren insgesamt über 900 Teilnehmer, darunter 260 Repräsentanten südafrikanischer Anti-Apartheid-Gruppen sowie etwa 650 Aktivisten, Journalisten, Wissenschaftler und Diplomaten aus aller Welt, die sich für die Überwindung des Apartheidsystems in Südafrika eingesetzt hatten.
In seiner Eröffnungsrede dankte der damalige Vorsitzende des ANC, Oliver Tambo, ihnen für ihr langjähriges Engagement: „[Y]ou are here today because by your actions you have brought the system of apartheid to its knees. It is not the visas you were issued which enabled you to enter the country. It is your steadfast opposition to racism and racial domination which opened the gates at the frontiers so that you who stand for justice could be here today.”
Begrüßt hatte er die Aktivisten zuvor in seiner Eingangsformel als “distinguished delegates and special guests from the world anti-apartheid movement“. In ihren Anfängen sei diese Weltbewegung gegen Apartheid nur eine leise und einsame Stimme des Protests gewesen, doch durch gewissenhafte Männer und Frauen wie die Delegierten der Konferenz sei die Anti-Apartheid-Bewegung stetig gewachsen, „into perhaps the strongest international solidarity movement of this century, bringing together citizens of all countries, governments and international organisations. This very conference reflects precisely the depth and breadth which this movement attained. Among us we have anti-apartheid activists who have worked selflessly for decades. We have trade unionists, cultural workers, professionals, students, civil servants, parliamentarians, representatives of governments and international governmental and non-governmental organisations.”
1. EINLEITUNG: FRAGESTELLUNG, QUELLENBASIS UND AUFBAU DER UNTERSUCHUNG: Vorstellung der Forschungsfrage, des theoretischen Rahmens der Bewegungsforschung sowie Erläuterung der verwendeten Quellenbasis und des strukturellen Aufbaus der Arbeit.
2. VOM PROTEST ZUM WIDERSTAND: DIE ANTI-APARTHEID-BEWEGUNG IN SÜDAFRIKA (1886-1994): Historischer Rückblick auf die Entwicklung des Widerstands gegen die Rassentrennung in Südafrika, von den Anfängen des Minenkapitalismus bis zur Ära der United Democratic Front.
3. DIE MOBILISIERUNG DER ANTI-APARTHEID-BEWEGUNG IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND: Analyse der Entstehung und Organisation der Anti-Apartheid-Bewegung in der BRD, insbesondere unter Berücksichtigung der Rolle ausgewiesener Priester und der Kommunikation über Rundbriefe und Kampagnen.
4. DIE AAB IN DER BRD ALS BESTANDTEIL EINER TRANSNATIONALEN ANTI-APARTHEID-BEWEGUNG: Betrachtung der Vernetzung deutscher Aktivisten mit internationalen Organisationen wie dem ANC, der UNO und anderen nationalen Solidaritätsbewegungen.
5. FAZIT: Zusammenfassende Einschätzung der Wirkung des Anti-Apartheid-Protests in der BRD und Diskussion der Impulse für gesellschaftliche Lernprozesse.
6. APPENDIX: Auflistung der verwendeten Archivquellen, Literaturverzeichnisse und Abkürzungen.
Apartheid, Anti-Apartheid-Bewegung, AAB, Solidaritätsbewegung, ANC, Bundesrepublik Deutschland, soziale Bewegungsforschung, Kulturabkommen, Rassentrennung, Mobilisierung, transnationaler Protest, Ressourcenmobilisierung, Widerstand, Südafrika, Menschenrechte
Die Arbeit untersucht die Entstehung, Organisation und Mobilisierungsstrategien der Anti-Apartheid-Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland sowie ihre transnationale Vernetzung.
Zentral sind die Analyse der Bewegungsdynamik, die Verbindung zwischen kirchlichem Engagement und politischem Protest sowie der Einfluss dieser Gruppen auf die bundesdeutsche Außen- und Kulturpolitik gegenüber Südafrika.
Das Hauptziel ist es, den Mobilisierungsprozess der Anti-Apartheid-Bewegung zu verstehen und zu analysieren, ob und wie diese Bewegung gesellschaftliche Lernprozesse in Deutschland initiiert hat.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung umfangreicher Archivmaterialien der Anti-Apartheid-Bewegung sowie auf soziologische Ansätze der sozialen Bewegungsforschung, insbesondere die Ressourcenmobilisierungstheorie und das Modell der kognitiven Praxis.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der historischen Entwicklung des Widerstands in Südafrika, der Organisationsstruktur der deutschen AAB, der Kooperation mit Befreiungsbewegungen wie dem ANC und der spezifischen Protestpraxis gegen das deutsch-südafrikanische Kulturabkommen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Apartheid, soziale Bewegung, Mobilisierung, Solidarität, transnationale Vernetzung und politischer Protest charakterisieren.
Ausgewiesene Priester, die aufgrund ihres systemkritischen Engagements Südafrika verlassen mussten, fungierten als entscheidende Akteure, die ihre Erfahrungen und Kontakte in neu gegründete Gruppen einbrachten und damit den Grundstein für die AAB legten.
Das Kulturabkommen war ein symbolträchtiger Ankerpunkt, da es die aus Sicht der AAB bestehende moralische Mitverantwortung der Bundesregierung an der Aufrechterhaltung des Apartheidregimes durch offizielle staatliche Beziehungen verdeutlichte.
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