Doktorarbeit / Dissertation, 2012
306 Seiten, Note: Magna cum laude
Einleitung
A. Theorie der Staatsverschuldung
1 Definition und Abgrenzung
1.1 Explizite Verschuldung
1.1.1 Schuldenstand und Schuldenstandsquote
1.1.2 Neuverschuldung und Defizitquote
1.1.3 Weitere Kennziffern
1.1.4 Strukturelles und konjunkturelles Defizit
1.2 Implizite Verschuldung und Generationenbilanzen
1.2.1 Grundkonzept
1.2.2 Verschiedene Ansätze zur Messung der impliziten Verschuldung
1.2.2.1 Der OECD-Ansatz zur Messung der impliziten Verschuldung
1.2.2.2 Generationenbilanzen zur Messung der impliziten Verschuldung
1.2.2.3 Die Tragfähigkeitslücke des Sachverständigenrates
1.2.3 Zwischenfazit
1.3 Nachhaltigkeitsbegriff und Tragfähigkeit
1.4 Staatsvermögen - „Goldene Regel“ der Staatsverschuldung
1.5 Für diese Arbeit relevanter Verschuldungsbegriff
2 Rechtfertigungsgründe
2.1 Die Stabilisierungsfunktion: Konjunkturpolitik
2.1.1 Überblick
2.1.2 Automatische Stabilisatoren
2.1.3 Diskretionäre Finanzpolitik
2.1.4 Kritische Diskussion
2.2 Die Überbrückungsfunktion: Steuerglättung
2.3 Die Lastenverschiebungsfunktion: Pay as you use
2.4 Besondere Ereignisse
2.5 Weitere Aspekte
3 Auswirkungen
3.1 Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen und intergenerative Umverteilung
3.1.1 Crowding Out und Wachstumseinbußen
3.1.2 Intergenerative Umverteilung
3.2 Staatschuldneutralität
3.2.1 Das ricardianische Äquivalenztheorem
3.2.1.1 Aussage
3.2.1.2 Kritische Diskussion
3.2.2 Die Lerner’sche Neue Orthodoxie
3.3 Fiskalische Folgen
3.4 Intragenerative Verteilungswirkung
3.5 Politische Auswirkungen
3.5.1 Das Beispiel Griechenland
3.5.2 Veränderte Ausgabenpolitik
3.5.3 Staatsverschuldung und Inflation
3.5.4 Weitere Politische Auswirkungen
4 Politische Ökonomie der Staatsverschuldung
4.1 Staatsverschuldung und Wettbewerb auf politischen Märkten
4.1.1 Wettbewerb auf politischen Märkten
4.1.2 Bedeutung der Staatsverschuldung im politischen Wettbewerb
4.2 Warum es immer wieder zu Defiziten kommt
4.2.1 Theorieüberblick: geteilte Macht als Einflussgröße
4.2.2 Die Analogie zu Kartellen
4.3 Wann solide Finanzpolitik doch möglich ist
B. Normative Aspekte der Staatsverschuldung: Die Theorie der katholischen Soziallehre
1 Zur Nützlichkeit einer normativen Analyse
1.1 Warum die katholische Soziallehre als Bezugspunkt?
2 Grundlagen der katholischen Soziallehre
2.1 Philosophische Wurzeln
2.1.1 Allgemeine Einflüsse
2.1.2 Naturrecht
2.2 Theologisch-biblische Wurzeln: Das christliche Menschenbild
3 Aussagen der katholischen Soziallehre
3.1 Geschichte, Absicht und Ziele der katholischen Soziallehre
3.2 Inhalte der katholischen Soziallehre
3.2.1 Übersicht
3.2.2 Grundnormen der katholischen Soziallehre
3.2.2.1 Freiheit
3.2.2.2 Gerechtigkeit
3.2.2.3 Gemeinwohl
3.2.3 Grundprinzipien der katholischen Soziallehre
3.2.3.1 Personalität
3.2.3.2 Solidarität
3.2.3.3 Subsidiarität
3.2.3.4 Nachhaltigkeit
3.2.3.5 Weitere Aspekte
4 Kriterien an die (Finanz-)Politik
4.1 Methodisches Vorgehen
4.2 Allgemeine Bewertungskriterien
4.3 Kriterien an die Verschuldungspolitik
4.3.1 Personalitätskriterien
4.3.2 Solidaritätskriterien
4.3.3 Subsidiaritätskriterien
4.3.4 Nachhaltigkeitskriterien
4.3.5 Die normative Kriterienmatrix
4.3.6 Eine andere Sichtweise
4.4 Fazit: Katholische Soziallehre und Staatsverschuldung
C. Begrenzung von Staatsverschuldung
1 Grundsätzliche Anforderungen an Begrenzungskonzepte
1.1 Wann muss begrenzt werden?
1.2 Was muss begrenzt werden?
1.3 Wo muss die Begrenzung ansetzen?
1.4 Wie muss begrenzt werden?
1.4.1 Kriterien in der Literatur
1.4.2 Schlussfolgerungen aus der Analogie zu den externen Effekten
2 Bewertungskriterien für die Begrenzung von Staatsverschuldung
2.1 Ziele der Staatsschuldbegrenzung
2.2 Prinzipien der Staatsschuldbegrenzung
2.3 Die ökonomische Bewertungsmatrix
2.3.1 Kriterien zum Universalitätsprinzip
2.3.2 Kriterien zum Nachhaltigkeitsprinzip
2.3.3 Kriterien zum Durchsetzbarkeitsprinzip
2.3.4 Kriterien zum Transparenzprinzip
2.3.5 Darstellung der ökonomischen Bewertungsmatrix
2.4 Das Verhältnis ökonomischer und normativer Kriterien
3 Begrenzungskonzepte in der Diskussion
3.1 Striktes Schuldenverbot
3.1.1 Beschreibung
3.1.2 Diskussion
3.1.3 Evaluierung
3.2 Die alte Regelung des deutschen Grundgesetzes
3.2.1 Beschreibung
3.2.2 Diskussion
3.2.3 Evaluierung
3.3 Die Schweizer Schuldenbremse
3.3.1 Beschreibung
3.3.2 Diskussion
3.3.3 Evaluierung
3.4 Das Modell des Sachverständigenrates
3.4.1 Beschreibung
3.4.2 Diskussion
3.4.3 Evaluierung
3.5 Die deutsche Schuldenbremse
3.5.1 Beschreibung
3.5.2 Diskussion
3.5.3 Evaluierung
3.6 Das Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
3.6.1 Beschreibung
3.6.2 Diskussion
3.6.3 Evaluierung
3.7 Der europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt
3.7.1 Beschreibung
3.7.2 Diskussion
3.7.3 Evaluierung
4 Ein neuer Ansatz: Die qualifizierte Lastenbremse
4.1 Universalität: Bekämpfung der impliziten Staatsverschuldung
4.2 Nachhaltigkeit: Goldene Regel vs. strukturellem Schuldenverbot
4.3 Durchsetzbarkeit: Das Bundesbankprinzip
4.4 Transparenz: Bürgerberichte
4.5 Zusammenfassung und formale Darstellung
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, einen fundierten Vorschlag für einen wirksamen Begrenzungsmechanismus der Staatsverschuldung zu entwickeln, der ökonomische Effizienz mit ethisch-normativen Prinzipien verknüpft. Die Forschungsfrage untersucht, wie Staatsverschuldung begrenzt werden kann, unter welchen Bedingungen dies notwendig ist und welche Rolle dabei sowohl ökonomische als auch polit-ökonomische Faktoren sowie die katholische Soziallehre spielen.
1.2.2 Verschiedene Ansätze zur Messung der impliziten Verschuldung
Wie also lässt sich die implizite Verschuldung messen? Es gibt eine Reihe verschiedener Methoden; als die beiden einflussreichsten gelten der OECD-Ansatz nach Blanchard und die Generationenbilanzen (»Generational Accounting«) in der Auerbach-Kotlikoff-Tradition.
Beide Konzepte haben die intertemporale Budgetrestriktion als Ausgangspunkt und gehen von ähnlichen theoretischen Annahmen aus. Ebenso teilen sie gemeinsame Defizite: Allgemeine Gleichgewichtseffekte durch Politikanpassungen werden vernachlässigt, die Ergebnisse hängen stark von der Qualität der Annahmen und Prognosen ab, und die Wahl des Basisjahres hat erheblichen Einfluss auf das Ergebnis. Beide Konzepte haben breite Resonanz erhalten und werden in der Praxis angewandt.
Alles in allem scheinen jedoch die Generationenbilanzen den größeren Einfluss gewonnen zu haben als der OECD-Ansatz. Der Sachverständigenrat kommt zu dem Schluss, dass sie „informativer und [...] überlegen“ sind, sie werden in der Literatur häufiger genannt und auch die Mehrheit der Regierungen, welche die implizite Verschuldung berechnen lassen, verwendet dazu die Generationenbilanzen. Beide Ansätze sollen im Folgenden ausführlicher dargestellt werden.
Wurden diese beiden Konzepte anfangs noch sehr kontrovers diskutiert und gegeneinander in Stellung gebracht, entwickelt sich nun zunehmend ein Konsens, dass beide mit verschiedenen Methoden letztlich bei identischen Zeiträumen und Annahmen zu identischen Ergebnissen kommen. Der Sachverständigenrat ist daher dazu übergegangen, die beiden Systeme zu kombinieren und davon ausgehend eine „Tragfähigkeitslücke“ zu errechnen. Dieses Konzept soll als Drittes ausführlicher vorgestellt werden.
1 Definition und Abgrenzung: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Formen der expliziten und impliziten Staatsverschuldung sowie deren Messmethoden, wobei die Notwendigkeit betont wird, auch unverbriefte Ansprüche wie Rentenansprüche zu erfassen.
2 Rechtfertigungsgründe: Hier werden die Gründe diskutiert, warum Staatsverschuldung in bestimmten Situationen, wie zur Konjunkturpolitik (Stabilisierung), Steuerglättung (Überbrückung) oder zur Finanzierung von Investitionen (Pay as you use), als vorteilhaft oder legitim angesehen werden kann.
3 Auswirkungen: Das Kapitel analysiert die gesamtwirtschaftlichen, fiskalischen und politischen Folgen von Staatsverschuldung, darunter das Crowding-Out privater Investitionen, die intergenerative Umverteilung und die politische Abhängigkeit durch hohe Schuldenstände.
4 Politische Ökonomie der Staatsverschuldung: Dieser Teil beleuchtet die politischen Anreizstrukturen, die zu stetig steigenden Defiziten führen, wobei der politische Wettbewerb als treibende Kraft identifiziert wird, die oft zulasten solider Finanzpolitik geht.
1 Zur Nützlichkeit einer normativen Analyse: Der Einstieg in Teil B begründet, warum ökonomische Effizienzfragen durch eine ethisch-normative Perspektive – hier die katholische Soziallehre – ergänzt werden sollten, um eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen.
2 Grundlagen der katholischen Soziallehre: Hier werden die philosophischen (Naturrecht) und theologisch-biblischen Wurzeln der Soziallehre dargelegt, die ein Menschenbild entwerfen, das als Fundament für eine gerechte Gesellschaftsordnung dient.
3 Aussagen der katholischen Soziallehre: Dieses Kapitel systematisiert die Ziele (Sicherung des individuellen Wohlergehens, Errichtung einer guten Gesellschaftsordnung) sowie die Grundnormen und Prinzipien wie Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Nachhaltigkeit.
4 Kriterien an die (Finanz-)Politik: Hier werden die abstrakten Prinzipien in konkrete Bewertungskriterien übersetzt, aus denen eine Kriterienmatrix entwickelt wird, um Finanzpolitik ethisch und ökonomisch zu evaluieren.
1 Grundsätzliche Anforderungen an Begrenzungskonzepte: Dieser Teil legt die ökonomischen Anforderungen an Begrenzungsregeln fest, insbesondere die Vermeidung von Lastenüberwälzung und die Erhaltung fiskalischer Flexibilität.
2 Bewertungskriterien für die Begrenzung von Staatsverschuldung: Hier wird eine ökonomische Bewertungsmatrix entwickelt, um verschiedene Konzepte vergleichbar zu machen, wobei Kriterien wie Universalität, Nachhaltigkeit, Durchsetzbarkeit und Transparenz im Vordergrund stehen.
3 Begrenzungskonzepte in der Diskussion: In diesem Kapitel werden diverse Ansätze wie das strikte Schuldenverbot, das alte deutsche Grundgesetz, die Schweizer Schuldenbremse und das Modell des Sachverständigenrates mittels der erarbeiteten Matrix evaluiert.
4 Ein neuer Ansatz: Die qualifizierte Lastenbremse: Der abschließende Teil synthetisiert die Erkenntnisse zu einem neuen Modell, der „qualifizierten Lastenbremse“, die explizite und implizite Schulden, eine unabhängige Kontrollinstanz (Bundesbankprinzip) und eine transparente Kommunikation (Bürgerberichte) vereint.
Staatsverschuldung, Fiskalpolitik, Generationenbilanz, Tragfähigkeitslücke, Goldene Regel, Schuldenbremse, katholische Soziallehre, Personalität, Solidarität, Subsidiarität, Nachhaltigkeit, Konjunkturpolitik, Politikversagen, Lastenüberwälzung, Fiskalillusion.
Die Arbeit untersucht, wie Staatsverschuldung effektiv und ethisch vertretbar begrenzt werden kann, und entwickelt dazu ein neues, ganzheitliches Modell.
Die zentralen Felder sind die ökonomische Theorie der Staatsverschuldung, die Analyse polit-ökonomischer Ursachen für Defizite sowie die ethische Fundierung durch die Prinzipien der katholischen Soziallehre.
Das Ziel ist die Ableitung eines verbesserten Begrenzungskonzepts, welches sowohl ökonomische Effizienz als auch ethische Anforderungen an eine gerechte Lastenverteilung zwischen Generationen erfüllt.
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse bestehender Begrenzungsansätze anhand einer neu entwickelten Kriterienmatrix, die ökonomische und normative Anforderungen operationalisiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine ökonomische Theorieanalyse, eine normative Einbettung in die katholische Soziallehre und die praktische Evaluierung von Budgetregeln wie der Schuldenbremse.
Wesentliche Begriffe sind Staatsverschuldung, Generationengerechtigkeit, Fiskalpolitik, Schuldenbremse, implizite Verschuldung und die katholische Soziallehre.
Es ist das in der Arbeit entwickelte Modell, das auf drei Modulen basiert: einer ausgeglichenen Staatsbilanz, Ausnahmekonten mit strikter Ausgleichspflicht und der Durchsetzung durch eine unabhängige Institution, der Bundesbank.
Sie dient als philosophisch fundierter, allgemein konsensfähiger Rahmen, der ethische Ziele vorgibt, ohne dabei in die fachliche Autonomie der Ökonomie einzugreifen.
Der Autor stuft es als deutlichen Fehlschlag ein, da es zwar formale Ziele setzte, aber an mangelnder Durchsetzbarkeit und politischer Umgehung durch kreative Buchführung scheiterte.
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