Examensarbeit, 2010
48 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Rahmenbedingungen
1.1 Politische Ausgangslage für Religionsgemeinschaften in der DDR
1.2 Rechtliche Grundlagen für Religionsgemeinschaften in der DDR
1.3 Die Kirchenpolitik der SED
1.4 Die Organisation und Struktur der katholischen Kirche in der DDR
2. InterviewpartnerInnen
2.1 Alter
2.2 Geschlecht
2.3 Beruf
3. Auswertung der Interviews
3.1 Sozialisation und Frömmigkeit
3.1.1 Das religiöse Leben in der Familie
3.1.2 Der Religionsunterricht
3.1.3 Das Verhältnis der Gemeinde zum Pfarrer
3.1.4 Sozialisationsprozesse in Schule, Studium und Beruf
3.2 Sexualität
3.3 Divergierende Initiationsriten
3.4 Eindrücke aus dem Leben der Katholiken in der DDR
Fazit
Diese Arbeit untersucht die Bedingungen und Lebensweisen katholischer Christen in der DDR zwischen 1945 und 1989. Basierend auf narrativen Interviews mit Zeitzeugen aus dem thüringischen Eichsfeld analysiert die Autorin das Spannungsfeld zwischen der atheistischen Ideologie des SED-Staates und der religiösen Identität der katholischen Minderheit.
3.1.1 Das religiöse Leben in der Familie
Die Auskünfte über das religiöse Leben in der Familie der Informanten weisen generell entscheidende Gemeinsamkeiten im Tagesablauf, jedoch auch erhebliche Unterschiede bezüglich der Frömmigkeit auf.
Im Tagesablauf der Familie der Informantin UP spielte das Gebet eine wichtige Rolle: Vor und nach jedem Essen betete die Familie gemeinsam; von dem Schlafengehen betete jedes Familienmitglied für sich allein. Laut UP lehrten ihre Eltern sie das Beten „von klein auf“; es gehörte zum Alltag dazu. Ebenso war der regelmäßige Kirchgang ein wichtiger Aspekt im Leben der Familie. Der Informantin UP zufolge stand die Familie an jedem Sonntag früh auf, um die Heilige Messe zu besuchen. Anschließend nahm die Familie gemeinsam das Frühstück ein. Jedoch nicht nur sonntags war der Besuch der Messe Pflicht: mittwochs fand zusätzlich eine Kindermesse statt. Die Kinder, so UP, wurden über die Familie und die Gemeinde an den Glauben herangeführt.
Zum katholischen Glauben gehört der Empfang der Sakramente. Auf diese wurde auch in dieser Familie sehr viel Wert gelegt. Die erste Beichte, die Erstkommunion, die Firmung – eine Selbstverständlichkeit für gläubige Katholiken. Die Informantin UP berichtet, dass die gefirmten Jugendlichen einer gewissen soziale Kontrolle unterstanden, die sicher stellen sollte, dass die nun offiziell vollwertigen Mitglieder der Gemeinde auch wirklich am Gemeindeleben teilnehmen.
1. Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel erläutert die politische, rechtliche und kirchenpolitische Ausgangslage in der DDR sowie die Strukturen der katholischen Kirche in der SBZ/DDR.
2. InterviewpartnerInnen: Hier werden die Auswahlkriterien, die regionale Fokussierung auf das Eichsfeld und die soziodemographischen Hintergründe der befragten Zeitzeugen dargestellt.
3. Auswertung der Interviews: Dieses Kernkapitel analysiert die erhobenen Daten zu den Bereichen Sozialisation, Frömmigkeit, Sexualität, Initiationsriten und persönlichen Erfahrungen der Katholiken.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die katholischen Christen in der DDR trotz staatlicher Repressionen an ihrer religiösen Identität festhielten.
DDR, Katholizismus, Eichsfeld, SED, Kirchenpolitik, Sozialisation, Zeitzeugen, Religionsunterricht, Jugendweihe, Glaubenspraxis, Diaspora, Staatssicherheit, Identität, Marxismus-Leninismus, Repression.
Die Arbeit untersucht das Leben von Katholiken in der DDR, einer religiösen Minderheit, die sich zwischen 1945 und 1989 einer staatlich verordneten atheistischen Ideologie gegenübersah.
Zu den Schwerpunkten zählen die religiöse Sozialisation in der Familie, das Verhältnis zum staatlichen Schulsystem, der Konflikt zwischen Firmung und Jugendweihe sowie die Rolle der Kirchengemeinde als Rückzugsort.
Ziel ist es, durch die Rekonstruktion individueller Lebensgeschichten aufzuzeigen, wie sich die Bedingungen für Katholiken im Alltag der DDR gestalteten und wie sie ihren Glauben unter den gegebenen Repressionen lebten.
Die Arbeit basiert auf dem Prinzip der Oral History. Es wurden qualitative bzw. narrative Interviews geführt, die den Informanten Freiraum für individuelle Assoziationen boten.
Der Hauptteil analysiert konkret die Frömmigkeit in den Familien, den Religionsunterricht, das Verhältnis zum Gemeindepfarrer und die Auswirkungen staatlicher Strukturen wie der FDJ oder der Jugendweihe.
Zentrale Begriffe sind DDR, Eichsfeld, Katholizismus, SED-Kirchenpolitik, Sozialisation und Diaspora.
Das Eichsfeld war das größte zusammenhängende katholisch geprägte Gebiet der DDR, was eine historisch gewachsene, besonders widerstandsfähige Diasporasituation schuf.
Die meisten Jugendlichen empfanden die Jugendweihe als notwendiges Übel, um berufliche Nachteile oder den Ausschluss vom Studium zu vermeiden, wahrten dabei aber ihre katholische Identität.
Die Pfarrer fungierten als zentrale Respektspersonen und Integrationsfiguren, die trotz staatlicher Überwachung durch die Stasi versuchten, den Glauben der Gläubigen zu stärken.
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