Magisterarbeit, 2009
118 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Zur Vorgeschichte
2.1. Vom Vertrag von Lausanne zum Potsdamer Abkommen
2.2. Der Vernichtungskrieg in Osteuropa und in der Sowjetunion
2.3. Flüchtlinge, Vertriebene, Umsiedler – Wer ist wer?
3. Zur Situation der Umsiedler in der SBZ/DDR
3.1. Von der Heimat in die Fremde?
3.1.1. Was ist Heimat?
3.1.2. Kein Heimweh in der neuen Heimat: Die Haltung der SED-Führung zum Heimatgefühl der Umsiedler
3.1.3. Das Umsiedlerproblem
3.2. Formen der Eigeninitiative von 1947-1949
3.2.1. Die Situation in den Flüchtlingslagern
3.2.2. Treffen und Versammlungen von Umsiedlern
3.2.3. Suchdienste und Umsiedlerorganisationen
3.2.4. Flugblätter, Aufrufe, Kettenbriefe
3.3. Staatliche Konsolidierung und unlenksame Umsiedler
3.3.1. Umsiedlerpolitik nach der Staatsgründung
3.3.2. Wortlaut und Wirkung des Görlitzer Abkommens: Stimmungen unter den Umsiedlern nach dem 6. Juli 1950
3.3.3. Angekommen in der DDR?
4. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die repressiven Elemente der Umsiedlerpolitik in der SBZ und späteren DDR zwischen 1948 und 1952. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die betroffenen Umsiedler auf die staatlichen Maßnahmen reagierten und inwiefern sie versuchten, trotz des politischen Assimilationsdrucks ihre Identität und soziale Organisation zu wahren.
3.1.1. Was ist Heimat?
Es gibt keine Standarddefinition dafür, was „Heimat“ ist. Schuld daran ist vor allem die problematische Geschichte des Begriffs, weshalb er gerade in Deutschland als belastet gilt. „Das Argument „Heimat“ (…) konnte immer auch strategisch eingesetzt werden, um kulturelle, soziale oder politische Ziele durchzusetzen, sei es durch staatliche, institutionelle oder individuelle Ansprüche“, wie eine im März 2008 vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. (ISGV) in Dresden veranstaltete Tagung zum Thema „Heimat als Argument im Prozess der Moderne“ feststellte. Eine kritische Definition des Begriffs folglich noch vor von Nöten.
In vorindustrieller Zeit bezeichnete „Heimat“ im deutschen Sprachgebrauch den eigenen ländlichen Besitz und sicherte das Recht auf Haus und Hof. So entstand die enge Bindung des Heimatbegriffs an Berufe des Primärsektors, wie Bauern und Handwerker. Mit der beginnenden Industrialisierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schwand die Bedeutung eines festen, insbesondere ländlichen Wohnsitzes, wachsende Mobilität und Migration prägten den neuen modernen Alltag; die sich rasant entwickelnde, technisch fortschrittliche Stadt forderte den Einzelnen im Kampf um die eigene Existenzsicherung bei steigender Arbeitslosigkeit und Pauperisierung heraus. Die feste, ländliche Heimat ging verloren, weshalb sie künftig umso empathischer beschworen wurde, denn „[w]ährend sich in den wichtigsten Realitätsfeldern die dramatischen Veränderungen ankündigten, verwies das Bild des Heimatlichen die Menschen auf das Dauernde der Natur, auf das unveränderte Gleichmaß des menschlichen Lebens.“
Die erstarkende konservative Nationalbewegung des Kaiserreichs verengte die Tragweite des „Heimat“-Begriffs weiter, indem sie ihn noch deutlicher an die Einheimischen umgebende, provinzielle Landschaft koppelte, was einerseits Heimat und Natur vor weiteren Zerstörungen durch die Industrialisierung bewahrte, andererseits aber auch eine bereits höchst bedenkliche chauvinistische und rassische Denkart zur Folge hatte.
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die aktuelle gesellschaftliche Debatte um Flucht und Vertreibung in Deutschland und ordnet das Forschungsvorhaben in den Kontext der Umsiedler- und DDR-Forschung ein.
2. Zur Vorgeschichte: Das Kapitel beleuchtet die internationalen Hintergründe von Zwangsmigrationen seit 1923 sowie die völkerrechtlichen und historischen Rahmenbedingungen, die zur Vertreibung der Deutschen nach 1945 führten.
3. Zur Situation der Umsiedler in der SBZ/DDR: Dieser Hauptteil analysiert die Definitionsprobleme des Heimatbegriffs, die repressive Haltung der SED-Führung gegenüber den Umsiedlern sowie die verschiedenen Formen der staatlichen Kontrolle und individuellen Eigeninitiativen.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und verdeutlicht, dass die staatliche Politik der SBZ/DDR zwar die materielle Versorgung forcierte, die emotionale und identitätsstiftende Ankunft der Umsiedler jedoch durch Tabuisierung und Assimilationsdruck nachhaltig erschwerte.
Umsiedler, SBZ, DDR, Flucht, Vertreibung, SED, Heimatgefühl, Assimilation, SMAD, Integrationspolitik, K5-Behörden, Zwangsmigration, Görlitzer Abkommen, Widerstand, Selbstorganisation.
Die Arbeit untersucht die Lebensumstände und die politische Behandlung von deutschen Umsiedlern in der sowjetisch besetzten Zone (SBZ) und der späteren DDR im Zeitraum von 1948 bis 1952.
Zentrale Themen sind die staatliche Umsiedlerpolitik, die repressive Kontrolle durch SED und SMAD, die Suche der Betroffenen nach neuer Identität sowie deren Bemühungen zur Selbstorganisation trotz politischer Widerstände.
Das Hauptziel besteht darin, die Reaktionen der Umsiedler auf die staatlichen Integrationsmaßnahmen zu analysieren und zu beleuchten, wie die SED-Führung versuchte, das „Umsiedlerproblem“ politisch zu instrumentalisieren.
Die Arbeit basiert auf einer historisch-kritischen Analyse von Primärquellen, insbesondere Archivmaterial aus dem Bundesarchiv, der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen (SAPMO) sowie Unterlagen der BStU.
Der Hauptteil befasst sich mit der Transformation des Heimatbegriffs unter sozialistischer Vorzeichen, den Überwachungsmaßnahmen der K5-Abteilungen sowie der Wirksamkeit von Eigeninitiativen wie Suchdiensten und Treffen.
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Umsiedler, SBZ, DDR, SED, Integrationspolitik, Assimilationsdruck, Heimatgefühl und Selbstorganisation charakterisiert.
Der Begriff war aufgrund der nationalsozialistischen Ideologie von „Blut und Boden“ belastet. Die SED-Führung lehnte daher die nostalgische Rückbesinnung der Umsiedler auf ihre alte Heimat als potenzielle Gefahr für die neue, sozialistische Gesellschaftsordnung ab.
Suchdienste und regionale Organisationen dienten den Umsiedlern als lebenswichtiges Netzwerk, um trotz der Vertreibung Kontakt zu Verwandten und Freunden zu halten und ihre soziale Integrität in der neuen, oft ablehnenden Umgebung zu wahren.
Die SED-Führung fürchtete, dass sich die Umsiedler durch organisierte Treffen ihrer „Masse“ bewusst werden könnten, was die politische Kontrolle erschwert hätte. Man unterstellte ihnen pauschal revisionistische Absichten.
Die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze durch die DDR-Regierung im Jahr 1950 stellte für viele Umsiedler einen endgültigen Schock dar, da sie die Hoffnung auf eine Rückkehr in die alte Heimat politisch besiegelte und ihre Entfremdung vom DDR-Staat vertiefte.
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