Bachelorarbeit, 2011
67 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
1.1. Fragestellung und Zielsetzung
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Armut
2.1. Wie wird Armut gemessen?
2.2. Absolute und relative Armut
2.3. Armutsbegriffe im Überblick
2.3.1. Eindimensionale Armutsbegriffe
2.3.2. Mehrdimensionale Armutsbegriffe
2.4. Kinderbezogener Armutsgriff
2.4.1. Die Begriffe „Kinder“, „Jugendliche“ und „junge Volljährige“
2.4.2. Der AWO-ISS- Kinderarmutsbegriff
3. Empirische Datenlage
3.1. Das Nettoäquivalenzeinkommen
3.2. Allgemeine Daten zur Armut in Deutschland
3.3. Kinderarmut im internationalen Vergleich
3.4. Armutsentwicklung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland
3.5. Wie Kinder Armut erleben
4. Ursachen von Kinderarmut
4.1. Theorien von Armut und Kinderarmut
4.1.1. „Alte“ und „Neue“ soziale Ungleichheit
4.1.2. Jugend und soziale Ungleichheit
4.2. Strukturelle Ursachen von Armut in Deutschland
4.2.1. Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit
4.2.2. Familienstruktur
4.2.3. Mängel des sozialen Sicherungssystems
4.2.4. Umbau des Sozialstaats
5. Folgen von Kinderarmut
5.1. Frühe Folgen von Armut
5.2. Krankheit und psychosoziales Wohlbefinden
5.3. Lebensstandard und Medienkonsum
5.4. Bildung
6. Reformpolitik in Deutschland
6.1. Traditionelle Aufgaben des Sozialstaats
6.2. Strukturen des deutschen Sozialstaats
6.3. Aktuelle Sozialpolitik und die Agenda 2010
6.3.1. Die Grundgedanken der Agenda 2010
6.3.2. Reformen am Arbeitsmarkt
6.3.3. Reformen im Bereich Familie und Bildung
6.3.4. Reformen im Bereich der Gesundheit
7. Die Folgen der Agenda 2010
7.1. Die Auswirkungen der Arbeitsmarktreformen
7.2. Die Auswirkungen der Gesundheitsreformen
7.3. Die Auswirkungen der Reformen im Bereich Bildung und Familie
8. Zusammenfassung, Fazit und weitere Überlegungen
8.1. Fazit
8.2. Weitere Reformmöglichkeiten
8.2.1. Staatliche Transferleistungen
8.2.2. Arbeitsmarktreformen
8.2.3. Familienpolitische Maßnahmen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der Agenda 2010 auf die Armutsgefährdung von Familien und Kindern in Deutschland. Dabei wird analysiert, ob die sozialpolitischen Reformen effektiv dazu beitragen konnten, Kinderarmut zu reduzieren, oder ob sie diese Problematik durch strukturelle Veränderungen im Sozialstaat und am Arbeitsmarkt eher verschärft haben.
1.1. Fragestellung und Zielsetzung
Im März 2003 stellte der damalige Bundeskanzler der rot-grünen Bundesregierung Gerhard Schröder im Bundestag sein Reformpaket, die so betitelte Agenda 2010, vor. Es sollte die größte Reform in der Geschichte des deutschen Sozialstaats werden. Durch Strukturreformen am Arbeitsmarkt und im Sozialsystem sollten mehr wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung geschaffen werden. Allerdings sin sieben Jahre später, im Jahr 2010, die Meinungen über die Wirkungen der verschiedenen Reformen der Agenda 2010 kontrovers. Während beispielsweise das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung eine positive Bilanz der Reformen zieht, wird von Seiten der Wohlfahrtsverbänden kritisiert, dass diese zu einer Verschärfung der Armutsproblematik geführt hätten. Gleichzeit hat die Europäische Union das Jahr 2010 zum Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung erklärt, um damit das öffentliche Bewusstsein für die Situation von Menschen, die in Armut leben, zu stärken. Auch wenn die Armutssituation in Deutschland vielleicht nicht mit der in anderen Ländern vergleichbar ist, ist dies doch Grund genug, die Reformen der Agenda 2010 im Hinblick auf die Auswirkungen auf Armut in Deutschland zu untersuchen.
Da in den 1990er Jahren durch den deutlichen Anstieg der Armutsbetroffenheit von Kindern Richard Hauser den Begriff der Infantilisierung der Armut (Hauser 1997: 76) geprägt hat, muss inzwischen allerdings eher von einer Verfestigung der Kinderarmut gesprochen werden, denn Kinder und Jugendliche sind nach wie vor die am häufigsten von Armut betroffene Bevölkerungsgruppe. Ebenso hat sich das Verständnis für Kinderarmut verändert. Wurden Kinder früher als Armutsrisiko oder als Mitbetroffene von Armut thematisiert, entwickelte sich in den letzten Jahren ein Verständnis dafür, „dass Armut bei Kindern ein eigenes Gewicht zukommt“ (Holz 2008: 483). Da dies vor allem von gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen geprägt ist (ebd.), stellt sich hier die Frage, welche Folgen die Reformen der Agenda 2010 für Familien und Kinder mit sich brachten und wie sich diese auf die Entwicklung der Kinderarmut in Deutschland ausgewirkt haben.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Agenda 2010 und deren kontroverse Bewertung ein, skizziert die Problematik der Kinderarmut und definiert das Ziel der Arbeit.
2. Armut: Dieses Kapitel erörtert die Schwierigkeiten der Armutsdefinition und beleuchtet verschiedene Ansätze zur Messung von Armut, einschließlich eines kindgerechten Armutskonzepts.
3. Empirische Datenlage: Hier wird der aktuelle Stand der Kinderarmut durch verschiedene statistische Indikatoren und Vergleiche analysiert.
4. Ursachen von Kinderarmut: Dieses Kapitel untersucht sowohl theoretische Hintergründe sozialer Ungleichheit als auch spezifische strukturelle Ursachen für Kinderarmut wie Arbeitslosigkeit und Familienstrukturen.
5. Folgen von Kinderarmut: Es werden die Auswirkungen von Armut auf die frühkindliche Entwicklung, die Gesundheit, den Lebensstandard und die Bildungschancen detailliert betrachtet.
6. Reformpolitik in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert das deutsche Sozialsystem und die Grundgedanken der Agenda 2010, inklusive spezifischer Reformen am Arbeitsmarkt, im Gesundheitswesen sowie im Bildungs- und Familienbereich.
7. Die Folgen der Agenda 2010: Hier erfolgt eine kritische Bewertung der Auswirkungen der Agenda 2010, insbesondere der Hartz-Reformen und familienpolitischer Maßnahmen, auf die Armutssituation.
8. Zusammenfassung, Fazit und weitere Überlegungen: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, zieht ein kritisches Fazit zur Agenda 2010 und diskutiert weitere Reformmöglichkeiten.
Kinderarmut, Agenda 2010, Hartz-Reformen, Sozialpolitik, Armutsgefährdung, Arbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit, Familienpolitik, Bildungsbenachteiligung, Existenzminimum, Nettoäquivalenzeinkommen, Transferleistungen, Lebenslage, Kinderzuschlag, Sozialstaat.
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Agenda 2010 auf die Armutssituation von Kindern und Familien in Deutschland.
Die zentralen Themen sind Armutsdefinitionen, die strukturellen Ursachen von Kinderarmut, die Folgen von Armut für Kinder sowie eine kritische Prüfung der verschiedenen Reformbereiche der Agenda 2010.
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen und zu bewerten, ob die Reformen der Agenda 2010 einen Beitrag zur Reduzierung der Armutsgefährdung von Kindern und Familien leisten konnten.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Daten und Berichte, um die Auswirkungen der Politik auf die soziale Realität zu evaluieren.
Der Hauptteil beleuchtet die empirische Datenlage, die Ursachen und Folgen von Kinderarmut sowie die verschiedenen Facetten der Reformpolitik, insbesondere die Hartz-Gesetze und familienpolitische Ansätze.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kinderarmut, Agenda 2010, Armutsrisiko, Sozialstaat und soziale Ungleichheit.
Diese Unterscheidung hilft dabei, den Wandel von klassischen Klassenmodellen hin zu moderneren Konzepten wie Individualisierung und Milieubildung zu verstehen, um die Lebensrealität von Kindern heute besser einzuordnen.
Die Arbeit bewertet den Kinderzuschlag als in der Theorie sinnvoll, kritisiert jedoch seine geringe Reichweite und die komplexe Ausgestaltung, die oft nicht die bedürftigsten Familien erreicht.
Die Bildung spielt eine entscheidende Rolle, da Kinder aus armen Verhältnissen aufgrund materieller und sozialer Einschränkungen deutlich geringere Chancen auf höhere Bildungsabschlüsse haben, was das Armutsrisiko verfestigt.
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