Fachbuch, 2011
17 Seiten
I. Einführung
II. Eva Judejahn (W. Koeppen, Der Tod in Rom)
II.1. Im Wahn der Ideologie
II.2. Dem Reich verpflichtet: Eva und Götz Judejahn
II.3. Der ‚ungermanische‘ Sohn
III. Johanna Fähmel (H. Böll, Billard um halb zehn)
III.1. Mit Courage und Hilfsbereitschaft durch das Dritte Reich
III.2. Die wahre Liebe
III.3. Die trauernde Mutter
IV. Gudrun Jepsen (S. Lenz, Deutschstunde)
IV.1. Vorurteile und Misstrauen
IV.2. Pflicht statt Liebe
IV.3. Pflicht gegen mütterliche Fürsorge
V. Abschließender Vergleich
Diese Arbeit untersucht die Rolle und Charakterisierung von Mutterfiguren in drei bedeutenden Romanen der deutschen Nachkriegsliteratur, um deren jeweiliges Verhältnis zur nationalsozialistischen Ideologie, zu ihren Ehepartnern und zu ihren Kindern zu analysieren.
II.1. Im Wahn der Ideologie
Eva trägt Trauer, „sie trauerte um Großdeutschland, sie beweinte den Führer, beweinte die […] germanische Weltbeglückungsidee, das tausendjährige Reich“19. Noch immer ist sie von der Ideologie des Dritten Reichs überzeugt.
„Am Führergeburtstag und am neunten November würde Eva die Brosche ans Kleid stecken, wenn man die Brosche ihr nicht gestohlen“20 hätte und sie wäre „eine Heldenmutter, wenn sie im Mai der Schmach gestorben wäre“21. Besonders dieser Gedanke von Eva Judejahn zeigt die Parallelen zu Magda Goebbels, die kurz vor Ende des Krieges ihre Kinder und schließlich sich selbst tötete. Die Frau von Joseph Goebbels war das Ideal der Frau im Sinne des Nationalsozialismus.
Jedoch leidet sie an der „Schuld der Heilsüberlebung“22. Anders als Magda Goebbels hat sie das Dritte Reich überlebt. Eva Judejahn verleugnet ihre (Mit-)Schuld an den Grausamkeiten des Dritten Reichs, ihre Rolle als Mitläuferin und fanatische Unterstützerin des Führers.
Laut Richner lebt Eva Judejahn in einer Wahnwelt, das Dritte Reich war für sie Basis und Glaubensinhalt.23 Mit dem Ende des Dritten Reiches „bricht auch Evas Existenz auseinander, der Lebenssinn hat sich verflüchtigt“24.
Richner verweist auf ihren unumstößlichen Glauben an den Führer und den Nationalsozialismus, ihr Rassendenken und ihren Schmerz über die Zeit die einmal war.25 Eva „glaubte an ein völkisches Leben, und für den wider das völkische Leben Frevelnden gab es allein den Tod“26. Eva, „die wahre Wahrerin des Mythus des 20. Jahrhunderts, die Trauernde um den Führer, die an das Dritte Reich und seine Auferstehung ewig Glaubende“27. Der Nationalsozialismus ist für Eva Judejahn eine Art Religion, der Führer eine Gottgestalt, für sie ist ein Leben ohne den festen Glauben daran undenkbar.
I. Einführung: Die Einleitung stellt die drei zu untersuchenden Romane vor und legt die methodische Vorgehensweise fest, nach der die Mutterfiguren analysiert werden.
II. Eva Judejahn (W. Koeppen, Der Tod in Rom): Dieses Kapitel beleuchtet Eva Judejahns Festhalten an der nationalsozialistischen Ideologie sowie ihr gestörtes Verhältnis zu Ehemann und Sohn.
III. Johanna Fähmel (H. Böll, Billard um halb zehn): Hier wird Johanna Fähmels Leben in der Heilanstalt, ihr moralischer Widerstand im Dritten Reich und ihr Wunsch nach Rache für den Tod ihrer Kinder untersucht.
IV. Gudrun Jepsen (S. Lenz, Deutschstunde): Dieses Kapitel analysiert Gudrun Jepsens rigide Pflichtauffassung, ihre Vorurteile gegenüber dem Maler Nansen und ihr distanziertes Verhalten zu ihren Söhnen.
V. Abschließender Vergleich: Der Vergleich fasst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Frauenfiguren zusammen, insbesondere in Bezug auf ihre Isolation und ihre Verarbeitung der Vergangenheit.
Mutterfiguren, Nationalsozialismus, Nachkriegsliteratur, Ideologie, Wahn, Erziehung, Pflichtgefühl, Isolation, Romananalyse, Eva Judejahn, Johanna Fähmel, Gudrun Jepsen, Familiendynamik, Schuld, Vergangenheitsbewältigung.
Die Arbeit analysiert die Charakterisierung von Mutterfiguren in den Romanen "Der Tod in Rom", "Billard um halb zehn" und "Deutschstunde".
Die Schwerpunkte liegen auf der ideologischen Prägung der Frauen, ihrer Rolle innerhalb der Familie und ihrem Verhältnis zur nationalsozialistischen Vergangenheit.
Das Ziel ist es, die oft vernachlässigten Mutterfiguren zu untersuchen und aufzuzeigen, wie sie sich zu ihrem Umfeld und der Ideologie des Dritten Reichs verhalten.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die sich auf die Primärtexte sowie relevante Sekundärliteratur zur jeweiligen Romananalyse stützt.
Der Hauptteil betrachtet nacheinander die drei Protagonistinnen und untersucht jeweils deren Bezug zum Nationalsozialismus, zum Ehemann und zu den Kindern.
Die wichtigsten Begriffe umfassen Mutterfiguren, Nationalsozialismus, Familiendynamik, Schuld, Pflichtgefühl und Vergangenheitsbewältigung.
Der Wahn fungiert bei Eva Judejahn als psychologischer Schutzmechanismus, um die historische Realität des Zusammenbruchs des Dritten Reichs zu verleugnen.
Johanna Fähmel ist die einzige Figur, die dem Nationalsozialismus kritisch gegenübersteht, aktiv Widerstand leistet und als einzige Verluste im Krieg beklagt.
Ihr Pflichtbewusstsein dient dazu, ihre emotionale Kälte zu rationalisieren und ihre ideologische Konformität im täglichen Handeln, auch innerhalb der Familie, zu legitimieren.
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