Examensarbeit, 2002
105 Seiten, Note: 1
Einleitung
I. Literaturgeschichtliche Einordnung
I.1 Die Nachkriegsliteratur
I.2 Günter Grass
II. Die formale Darstellung von Geschichte
II.1 Parallelschaltungen
II.1.1 Gleichzeitigkeit
II.1.1.1 Unverbundenheit
II.1.1.2 Geschichte als Rahmenhandlung
II.1.1.3 Parodistische Darstellung
II.1.1.4 Die Aufgabe des Lesers
II.2 Oskars sarkastische Darstellung
III. Allegorie als inhaltliche Darstellung
III.1 Die Kleinbürger
III.1.1 Zusammenhang Kleinbürgertum – Nationalsozialismus
III.1.1.1 Alfred Matzerath
III.1.1.2 Unpolitische Parteibeitritte
III.1.1.3 Jan Bronski
III.1.1.4 Oskar Matzerath
III.2 Die Vermittlung politischen Geschehens
III.2.1 Die Tribüne
III.2.2 Niobe
III.2.3 Die Märchen
III.2.3.1 Der Däumling
III.2.3.2 Glaube Hoffnung Liebe
III.2.4 Der erste September 1939
III.2.5 Skatspiel und Kartenhaus
III.2.6 Die Ameisenstraße
III.3 Die Nachkriegszeit
III.3.1 Erinnerungshilfen
III.3.1.1 Das Fotoalbum
III.3.1.2 Die Blechtrommel
III.3.2 Das Umgehen mit der Vergangenheit
III.3.2.1 Die unzensierte Erinnerung
III.3.2.2 Verdrängen und gleichgebliebenes Verhalten
III.3.2.2.1 Lankes und Herzog
III.3.2.2.2 Maria und Kurt
III.3.2.2.3 Viktor und die Grünhüte
III.3.3 Die Zeit des Wirtschaftswunders
III.3.3.1 Die neobiedermeierliche Gesellschaft
III.3.3.2 Bebra und die innere Emigration
III.3.3.3 Zwiebelkellerinfantilismus
III.3.3.4 Umschlag und Rückkehr
IV. Die Aussage der Blechtrommel
IV.1 Das absurde Geschichtsbild
IV.1.1 Kreislauf der Geschichte
Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Geschichte in Günter Grass’ Roman Die Blechtrommel. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Grass die Zeit des Nationalsozialismus sowie die darauffolgende Nachkriegszeit durch formale Techniken und Allegorien im Roman reflektiert, ohne dabei eine direkte moralische Bewertung vorzunehmen.
II.1.1.1 Unverbundenheit
Die Parallelisierung von geschichtlichen und privaten Ereignissen scheint zumeist gänzlich unmotiviert zu sein. Es besteht kein sinnstiftender Zusammenhang zwischen dem geschichtlich bedeutenden Vorfall und dem privat erlebten. Just weist noch darauf hin, dass das politische Geschehen keinen Einfluss auf das Leben der Kleinbürger hat, zumindest insofern, dass es keinen Diskussionspunkt für sie darstellt. Kontrast ist hier Programm: Geschichte und Alltagsleben bleiben unverbunden und werden dadurch in ihrer Gegensätzlichkeit betont. Diese Gegensätzlichkeit wirkt zunächst komisch, da sie in ihrer Unverbundenheit die Lesererwartung enttäuscht. Auf diesen Punkt wird in Kapitel II.1.1.4 näher eingegangen. Die Gegensätzlichkeit wird nicht aufgehoben, sie bleibt im Raum stehen als „komische Verwirrung“ und trägt nichts dazu bei, die beiden unterschiedlichen Ereignisse in Einklang zu bringen.
Agnes und Alfred Matzerath verloben sich in dem Jahr, als Polen die Rote Armee schlägt (BT, 48). Der New Yorker Börsenkrach steht in einem Nebensatz, dessen Hauptsatz sich mit Agnes’ Sorge über Oskars ausbleibendes Wachstum beschäftigt (BT, 84). Die Regierung der Nationalen Front in Warschau, Polen, wird zusammen mit den von Oskar möglich gemachten Diebstählen genannt, eine Nennung, die „außer komischen Vorurteilen kein reales Substrat haben kann“.
Einleitung: Umriss des Romans als bedeutendes Werk der Nachkriegsliteratur und Erläuterung der Intention, die nationalsozialistische Zeit durch die Perspektive des Kleinbürgertums darzustellen.
I. Literaturgeschichtliche Einordnung: Untersuchung des literarischen Kontextes der Nachkriegszeit und der besonderen Stellung von Günter Grass.
II. Die formale Darstellung von Geschichte: Analyse der künstlerischen Mittel wie Gleichzeitigkeit und Parodie, die der Roman nutzt, um Zeitgeschichte abzubilden.
III. Allegorie als inhaltliche Darstellung: Untersuchung der allegorischen Funktionen von Figuren und Objekten sowie die kritische Reflexion des kleinbürgerlichen Alltags und der Vergangenheitsbewältigung.
IV. Die Aussage der Blechtrommel: Diskussion des Geschichtsbildes im Roman und der Erkenntnis der Absurdität sowie des Kreislaufs der Geschichte.
Günter Grass, Die Blechtrommel, Nachkriegsliteratur, Nationalsozialismus, Kleinbürgertum, Geschichte, Allegorie, Vergangenheitsbewältigung, Zeitgeschichte, Oskar Matzerath, Erzähltechnik, Mitläufertum, Verdrängung, Erinnerungshilfe, Absurdität.
Die Arbeit analysiert, wie Günter Grass in seinem Roman Die Blechtrommel Geschichte – insbesondere die Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit – darstellt.
Die Schwerpunkte liegen auf der formalen Gestaltung der Geschichtsdarstellung, der allegorischen Funktion des Danziger Kleinbürgertums sowie den Strategien zur Vergangenheitsbewältigung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Grass durch die Verknüpfung von privaten Ereignissen mit historisch bedeutsamen Momenten die Wahrnehmung von Geschichte strukturiert und die Rolle des Kleinbürgers als Mitläufer entlarvt.
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse des Romans unter Einbeziehung von Fachliteratur, um die erzählerische Struktur und die allegorischen Ebenen des Textes zu erschließen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung formaler Darstellungsmittel (Parallelschaltungen, Sarkasmus) sowie eine tiefergehende allegorische Deutung der Figuren und ihres Verhaltens in Bezug auf politische Ereignisse.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Allegorie, Kleinbürgertum, Nationalsozialismus, Vergangenheitsbewältigung und Oskar Matzerath.
Oskar wird als unzuverlässiger Erzähler interpretiert, dessen kindliche Perspektive und "böse Blick" der Verfremdung dienen, um dem Leser eine eigenständige Reflexion über die dargestellten Ereignisse abzuverlangen.
Sie fungiert in der Binnenhandlung als Mittel, um Oskars Status als Dreijähriger zu wahren, und im dritten Buch als Instrument, um verdrängte Erinnerungen an die Oberfläche zu holen und gesellschaftliches Fehlverhalten zu konfrontieren.
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