Doktorarbeit / Dissertation, 1997
265 Seiten, Note: summa cum laude
Kapitel 1: Kategoriale und methodische Grundlagen
1.1 Vorbemerkungen
1.2 Kategorien und Kategorisierungen
1.3 Die Verlaufsform als Einheitskategorie der inhärenten Kategorisierung ‚Aspekt’
1.4 Die Klasse der Vollverben und andere Klassen
1.5 Unterscheidung der Vollverben nach ihrer Valenz oder: Auf der Suche nach allgemeineren Kriterien
1.6 Aspektualität
1.7 Aktionalität
1.8 Aktionsarten
1.9 Die Verlaufsform und ihre Abhängigkeit von morphologischen, syntaktischen, semantischen und pragmatischen Faktoren
Kapitel 2 : Die historische Entwicklung der neuenglischen Verlaufsform im Vergleich zu Partizipialkonstruktionen des Alt-, Mittel- und Frühneuhochdeutschen
2.1 Vorbemerkungen
2.2 Die Verlaufsform im Altenglischen
2.2.1 Das Präfix ga- (gi-, ge-): Kannte das Altenglische die grammatische Kategorisierung ‚Aspekt’?
2.2.2 Partizipialkonstruktionen im Altenglischen
2.3 Vom Mittelenglischen zum Neuenglischen
2.4 Die Konstruktion vom Typ I am on/a- fishing
2.5 Die Partizipialkonstruktionen des Althochdeutschen
2.6 Vom Mittelhochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen
2.7 Zusammenfassung: Die Entwicklung der englischen und deutschen Verlaufsform im Vergleich
Kapitel 3: Die Verlaufsform im Deutschen: Der aktuelle Forschungsstand
3.1 Vorbemerkungen
3.2 Die Verlaufsform in der linguistischen Literatur
3.2.1 Einteilung der Literatur nach quantativen Kriterien
3.2.2 Einteilung der zitierten Aussagen nach sprachlichen Kriterien
3.2.3 Die Verlaufsform bei Brons-Albert (1984)
3.2.4 Andersson (1989)
3.2.5 Glück/Sauer (1990/1996)
3.2.6 Ebert (1996)
3.2.7 Krause (1996)
3.2.8 Bhatt (1991/1992)
3.2.9 Bhatt/Schmidt (1993), Bayer (1993), Schmidt (1995)
3.3 Die einzelnen Komponenten der Verlaufsform
3.3.1 Der Infinitiv
3.3.2 Die Präposition am
3.4 Die Konkurrenzformen zur Verlaufsform
3.5 Zusammenfassung
Kapitel 4: Der Fragebogen zur Verlaufsform im Deutschen
4.1 Vorbemerkungen
4.2 Erläuterungen zum Fragebogen
4.2.1 Soziolinguistische Aspekte
4.2.2 Verbklassen
4.2.2.1 Morphologische Verbklassen
4.2.2.2 Syntaktische Verbklassen
4.2.2.3 Aktionsarten
4.2.2.4 Wortfeld
4.3 Fragebogen zur Verlaufsform im Deutschen
Kapitel 5: Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur Verlaufsform im Deutschen
5.1 Allgemeines
5.2 Auswertungen der Fragebögen nach soziolinguistischen Gesichtspunkten
5.2.1 Die Bereiche UA, DA, UA&DA und NA und ihre Verteilung auf die zwölf Städte
5.2.2 Dialektsprecher und die Bereiche DA und UA&DA
5.2.3 Die Bedeutung der Kriterien UA und DA für die Bewertung der einzelnen Sätze
5.3 Sprachliche Analyse
5.3.1 Auswertung der 43 Sätze
5.3.2 Die Verbindungsmöglichkeiten der Verlaufsform mit den Verbalkategorien des Deutschen
5.3.2.1 Tempus
5.3.2.1.1 Präsens und Futur I
5.3.2.1.2 Präteritum und Perfekt
5.3.2.2 Infinitiv
5.3.2.3 Modus
5.3.2.3.1 Konjunktiv
5.3.2.3.2 Imperativ
5.3.2.4 Genus verbi: Passiv
5.3.2.5 Zusammenfassung
5.3.4 Trennbare und untrennbare Verben
5.3.5 Kopula- und Modalverben
5.3.6 Das Verhalten der Verlaufsform in Verbindung mit direkten Objekten
5.3.7 Die Verbindungsmöglichkeiten mit anderen Objekten
5.3.8 Unpersönliche Verben
5.3.9 Reflexive und reziproke Verben
5.3.10 Adverbialbestimmungen und Modalpartikeln
5.3.11 Aktionsarten
5.3.12 Stilistische Restriktionen
5.4 Zusammenfassung: Kapitel 5
6 Ergebnisse
Ziel der Arbeit ist es zu untersuchen, ob und in welcher Form sich im Deutschen eine Verlaufsform entwickelt hat, die mit der englischen "progressive form" strukturell und funktional vergleichbar ist, sowie den Grammatikalisierungsgrad dieser Konstruktion zu bestimmen.
Die Verlaufsform im Deutschen: Der aktuelle Forschungsstand
Wenn man die linguistische Literatur mit dem Ziel durchsucht, einen Einblick in die grammatischen, semantischen und pragmatischen Gegebenheiten der heutigen Verlaufsform zu gewinnen, so stößt man sehr schnell an Grenzen. Einige Grammatiken und Wörterbücher führen lediglich einen Beispielsatz an, andere fügen dem Beispielsatz eine Erklärung hinzu, die entweder syntaktischer, semantischer oder pragmatischer Art ist, und wieder andere verzichten vollständig auf die Erwähnung der Verlaufsform. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei den Arbeiten zum deutschen Verbalsystem. In den wenigsten wird die Verlaufsform überhaupt berücksichtigt, und falls sie in dem einen oder anderen Fall doch Beachtung findet, so handelt es sich meist um sehr lückenhafte Aussagen. Erst nach Erscheinen dieser Dissertation ist das Interesse an diesem Thema angewachsen und eine Reihe von Arbeiten entstand.
Mit dem Ziel, in 3.2.2 alle in der Literatur aufgeführten Kennzeichen der Verlaufsform den verschiedenen sprachlichen Ebenen zuzuordnen, wurde die Literatur, die zur Erforschung der Verlaufsform für wichtig erachtet wurde, zunächst in vier Gruppen eingeteilt. Die Einteilung in vier Gruppen ist rein quantativer Art, d.h. abhängig davon, wie viel einzelne Autoren über die Verlaufsform geschrieben haben, werden sie den Gruppen 1, 2, 3 oder 4 zugeordnet. So sind die Arbeiten aus Gruppe 1 z.B. dadurch gekennzeichnet, dass in ihnen wider Erwarten die Verlaufsform überhaupt nicht erwähnt wird. Die Arbeiten aus Gruppe 4 hingegen sind konkrete Abhandlungen zur Verlaufsform und beschäftigen sich detailliert mit ihr. Die Gruppen 2 und 3 beinhalten Zitate aus Wörterbüchern und Grammatiken, in denen die Verlaufsform nur kurz charakterisiert wird. Nach der Auflistung der Zitate aus den Gruppen 2 und 3 wird deren Inhalt thematisch geordnet. Die qualitative Einteilung soll zum einen einen ersten Überblick über die zur Verlaufsform bestehenden Ansichten verschaffen und zum anderen die Basis für die Untersuchung und Besprechung der ausführlicheren Arbeiten bilden.
Kapitel 1: Kategoriale und methodische Grundlagen: Dieses Kapitel schafft die theoretischen Grundlagen durch die Definition von Begriffen wie Aspekt, Aspektualität und Aktionsart und diskutiert die Klassifizierung deutscher Verben.
Kapitel 2 : Die historische Entwicklung der neuenglischen Verlaufsform im Vergleich zu Partizipialkonstruktionen des Alt-, Mittel- und Frühneuhochdeutschen: Das Kapitel vergleicht die historische Entwicklung der englischen progressiven Form mit den verschwundenen Partizipialkonstruktionen des Deutschen.
Kapitel 3: Die Verlaufsform im Deutschen: Der aktuelle Forschungsstand: Hier wird der Forschungsstand zur Verlaufsform analysiert, indem die Literatur kritisch gesichtet und die deskriptiven Lücken identifiziert werden.
Kapitel 4: Der Fragebogen zur Verlaufsform im Deutschen: Dieses Kapitel erläutert die methodische Konzeption und den Aufbau des für die empirische Untersuchung entwickelten Fragebogens.
Kapitel 5: Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur Verlaufsform im Deutschen: Das Hauptkapitel wertet die Ergebnisse der Umfrage aus und analysiert die grammatischen, semantischen und pragmatischen Restriktionen der Verlaufsform.
6 Ergebnisse: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse über den Status der Verlaufsform als progressive Aspektkategorie im Deutschen.
Verlaufsform, Aspekt, Aspektualität, Aktionsart, Aktionalität, Grammatikalisierung, deutsche Sprache, englische Sprache, Syntax, Semantik, empirische Untersuchung, Sprachwandel, Inkorporierung, Infinitiv, Verbalsubstantiv.
Die Arbeit untersucht die deutsche Verlaufsform (Konstruktionen vom Typ "am + Infinitiv") und analysiert deren Status sowie Funktionsweise im Vergleich zur englischen Verlaufsform.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von grammatischen Kategorien wie Aspekt, Aktionsart und Aktionalität, die historische Entwicklung vergleichbarer Konstruktionen sowie eine empirische Untersuchung der Verwendung der deutschen Verlaufsform.
Das Ziel ist es, den Grammatikalisierungsgrad der deutschen Verlaufsform zu bestimmen und zu klären, ob sie als progressive Aspektkategorie innerhalb des deutschen Verbsystems fungiert.
Die Autorin kombiniert eine theoretische Analyse der linguistischen Fachliteratur mit einer umfassenden empirischen Erhebung, basierend auf Fragebögen, die an verschiedenen deutschen Universitäten durchgeführt wurden.
Der Hauptteil befasst sich mit dem aktuellen Forschungsstand, der methodischen Anlage der Fragebogenerhebung und der detaillierten sprachlichen Analyse der Ergebnisse unter Berücksichtigung von syntaktischen, semantischen und pragmatischen Restriktionen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Verlaufsform, Aspekt, Grammatikalisierung, Inkorporierung und Aktionsart charakterisiert.
Nein, die empirische Untersuchung zeigt, dass es sich um ein überregionales sprachliches Phänomen handelt, das in ganz Deutschland anzutreffen ist.
Die Inkompatibilität ergibt sich daraus, dass Modalverben als [-AKTIONAL] klassifiziert werden und eine Kombination mit der Verlaufsform, die ein [+AKTIONAL] Merkmal erfordert, blockieren.
Die semantischen Merkmale des Passivs kollidieren mit denen der Verlaufsform; zudem ist eine Inkorporierung des Passiv-Partizips in die Präpositionalphrase der Verlaufsform strukturell ausgeschlossen.
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