Magisterarbeit, 2009
106 Seiten, Note: 1,3
0. Vorbemerkungen
0.1. Gegenstand der Arbeit und Hinführung zum Thema
0.2. Arbeitshypothese und Methodik
0.3. Festlegungen
0.3.1. Begriffliche Festlegungen
0.3.2. Orthographie
0.3.3. Glossierungsregeln
0.3.4. Abkürzungsverzeichnis
1. Darstellung des Untersuchungsmaterials
2. Analyse des Materials
2.1. Analyse des Materials in Bezug auf Interferenzen
2.2. Zweifelsfälle der Interferenz und deren Ausschluss
2.3. Ausarbeitung der Interferenzen
2.3.1. Hybridität im Lexikon
2.3.2. Hybridität in der Morphosyntax
2.3.3. Hybridität in der Syntax
2.4. Übersicht über die hybriden Sprachmuster
3. Versuch der Einordnung in bestehende Sprachkontaktmechanismen
3.1. Einführung der Sprachkontaktmechanismen
3.1.1. Substrat-Superstrat
3.1.1.1. Substrat
3.1.1.2. Superstrat
3.1.1.3. Diskussion der Zuordnungsmöglichkeit
3.1.2. Adstrat
3.1.3. Sprachbund und Sprachgemeinschaft
3.1.3.1. Sprachbund
3.1.3.2. Sprachgemeinschaft
3.1.3.3. Diskussion der Zuordnungsmöglichkeit
3.1.4. Pidginisierung
3.1.5. Kreolisierung
3.1.6. Sprachtod
3.1.6.1. Language Murder
3.1.6.2. Language Suicide
3.1.6.3. Diskussion der Zuordnungsmöglichkeit
3.1.7. Code-Switching
3.1.7.1. Äquivalenzmodell
3.1.7.2. Generatives Phrasenstrukturmodell
3.1.7.3. Dependenzmodell
3.1.7.4. Morphemhypothese
3.1.7.5. Konzept der Auslösefunktion
3.1.7.6. Matrix-Language-Frame
3.2. Überblick über die Zuordnungsmöglichkeiten
4. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
5. Ausblick auf aufbauende Untersuchungen
Die Arbeit untersucht den Sprachkontakt zwischen dem Romanes (der Sprache der deutschen Zigeuner/Sinti) und dem Deutschen. Ziel ist es, die spezifischen Muster der Sprachmischung (Romnes) zu kategorisieren, die traditionelle Substrat-Superstrat-Theorie zu falsifizieren und eine Einordnung mittels gängiger kontaktlinguistischer Konzepte vorzunehmen.
2.1. Analyse des Materials in Bezug auf Interferenzen
Auffällig an Beispielsatz (1) sind die beiden Verben, deren Wortstämme jeweils aus dem Romanes stammen. Ob das Nullmorphem zur Markierung des IMP.2.SG bei dik seinen Ursprung im Romanes hat, lässt sich hier nicht entscheiden. Denn das Deutsche bildet den IMP.2.SG ebenfalls auf ein Nullmorphem. Während es nicht möglich ist das Flexiv an dik einer der beiden Parentalsprachen zuzuordnen, kann das Flexiv –t für die 3.Person Singular am Stamm śef- eindeutig dem Deutschen zugerechnet werden. Das Romanes bildet die Form 3.SG.IND.PRÄ.AKT auf -el.
Das Adjektiv latśo in prädikativer Stellung entstammt zur Gänze dem Romanes. Merk-würdig ist jedoch, dass im Genus keine Kongruenz zum Subjekt des Satzes des besteht. Das Flexiv –o kann im Romanes nur ein Maskulinum kodieren. Neutra werden in der Regel auf –i gebildet. Es scheint ganz so, als stünde das Adjektiv latśo in prädikativer Stellung in einer Art Default-Form. Im Deutschen unterscheiden sich Adjektive in prädikativer Stellung von Adjektiven in attributiver Stellung durch ihre Flexionsmarkierung. Während attributive Adjektive eine Kongruenz in Kasus, Numerus und Genus mit dem übergeordneten Nomen aufweisen, bleiben prädikative Adjektive unflektiert. Die in Satz (1) vorliegende Konstruktion ähnelt bezüglich der Flexionskongruenz auf das Genaueste der deutschen Syntax.
Die Funktionswörter des und doch sind keine Lexeme des Romanes und können ohne Zweifel dem Deutschen zugerechnet werden. Insgesamt zeichnet sich in (1) ab, dass Verben und Adjektive – beide Kategorien sind Bestandteile der großen Gruppe der Inhaltswörter – dem Romanes entnommen sind, während Funktionswörter wie Pronomina und Modalpartikeln dem Deutschen entstammen.
0. Vorbemerkungen: Einführung in das Thema, Klärung der Begriffe und Darstellung des methodischen Vorgehens sowie der orthographischen und glossierenden Rahmenbedingungen.
1. Darstellung des Untersuchungsmaterials: Vorstellung des gesammelten Korpus, bestehend aus Äußerungen von zwei Semi-Sprechern, die die Grundlage für die Analyse bilden.
2. Analyse des Materials: Detaillierte Untersuchung der Beispielsätze hinsichtlich ihrer Herkunft (Romanes oder Deutsch) untergliedert in Lexikon, Morphosyntax und Syntax.
3. Versuch der Einordnung in bestehende Sprachkontaktmechanismen: Kritische Prüfung diverser linguistischer Theorien zur Einordnung des beobachteten Sprachkontakts, mit dem Ergebnis der Anwendbarkeit des Matrix-Language-Frame.
4. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse, Falsifizierung traditioneller Theorien und Ausblick auf eine mögliche Modellierung kontaktinduzierter Sprachhybridisierung.
5. Ausblick auf aufbauende Untersuchungen: Diskussion zukünftiger Forschungsfelder und die Übertragbarkeit des Modells auf andere Sprachkontakte.
Romanes, Romnes, Sprachkontakt, Kontaktlinguistik, Sprachmischung, Substrat-Superstrat, Matrix-Language-Frame, Interferenz, Code-Switching, Sinti, Morphosyntax, Grammatikalisierung, Sprachwandel, Hybridität, Filialsprache
Die Arbeit untersucht den Sprachkontakt zwischen Romanes und Deutsch und analysiert, wie daraus eine hybride Sprachform, das Romnes, entstanden ist.
Die Themenfelder umfassen die Kontaktlinguistik, insbesondere die Mechanismen der Sprachmischung, die morphosyntaktische Struktur der hybriden Sprache und die kritische Auseinandersetzung mit klassischen Sprachkontakt-Theorien.
Das Ziel ist es, die spezifischen Interferenzen im Romanes zu kategorisieren und zu belegen, dass die traditionelle Substrat-Superstrat-Theorie auf diesen spezifischen Sprachkontakt nicht anwendbar ist.
Es wird eine korpusbasierte Analyse von Sprachbeispielen durchgeführt, wobei die Strukturen der Sätze in deutsche und romanes Bestandteile zerlegt und nach ihrer syntaktischen und morphologischen Herkunft klassifiziert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der sprachlichen Daten (Interferenzen) und die anschließende theoretische Einordnung in bekannte Sprachkontaktmechanismen, wobei das Matrix-Language-Frame-Modell als passendste Erklärungsmethode identifiziert wird.
Die wichtigsten Begriffe sind Romanes, Romnes, Sprachkontakt, Kontaktlinguistik, Sprachmischung, Matrix-Language-Frame, Interferenz und Code-Switching.
Es ist problematisch, weil es sich aus Sicht der deutschen Syntax als unmotiviert erweist und sich nicht als Dativus ethicus klassifizieren lässt, was die Anwendung gängiger Modelle wie dem Äquivalenzmodell erschwert.
Im Gegensatz zu linearen Modellen betont es die hierarchische Struktur und die Aufteilung in Matrixsprache (ML) und Auxiliarsprache (EL), wobei soziale oder situative Faktoren ausgeblendet werden, um die linguistische Interferenz präziser zu beschreiben.
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