Examensarbeit, 1999
105 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
I. Communio als Grundgedanke allen Seins
A. Der Communiobegriff
1. Ursprung und Bedeutung des Begriffs Communio
2. Zugänge zu einer personal-kommunialen Trinitätstheologie
3. Herkunft und Definition des Personbegriffs
4. Die Relevanz des Personenverständnisses für das Verständnis der Communio
B. Gott
1. Gott ist Communio – Communio als Verstehensschlüssel
2. Die Einheit Gottes und die Differenz der göttlichen Personen
3. Die drei göttlichen Personen
4. Ergebnis:
C. Schöpfung
1. Gott und Schöpfung
2. Schöpfung als Bild der Trinität
3. Schöpfung als Prozeß – Ziel der Schöpfung: Communio
4. Ergebnis:
II. Anthropologie
A. Der Mensch als Bild des dreieinen Gottes
B. Das Wort
1. Das Wort "an sich"
2. Gottes Wort
3. Das Wort Gottes angesichts geschöpflicher Vermittlung
C. Der Mensch als selbständiges Subjekt und relationales Wesen
1. Der Ruf ins "Eigene" und ins "Andere"
2. Der Leib als Medium
3. Der Mensch als Person und Subjekt
4. Ergebnis:
D. Freiheit und Abhängigkeit des Menschen
E. Sünde und Leid
1. Das Wesen der Sünde: Verweigerung von Communio
2. Die gemeinschaftliche Dimension der Sünde
3. Erbsünde
4. Die Bedeutung der Sünde für Gott
5. Der Preis der Liebe
6. Ergebnis
F. Prinzip Stellvertretung
G. Inkarnation
H. Erlösung
1. Die Bewegung Gottes auf die Welt zu
2. Die Bewegung der Welt auf Gott hin
I. Auf dem Weg zur vollendeten Communio
1. Nachfolge Jesu
2. Herstellende und darstellende Praxis
3. Auferstehung und vollendete Communio
III. Greshakes Ergebnisse für die gelebte christliche Praxis
A. Kirche
B. Religiöser Dialog
C. Gesellschaft und Schöpfung
Ergebnisse und kritische Anmerkungen
A. Die göttliche Communio
B. Theologische Anthropologie und gelebte christliche Praxis
1. Communio durch Integration von Glauben und Rationalität
2. Communio durch Individualität und neue Zugehörigkeit
3. Kirche und religiöser Dialog
C. Einige Anmerkungen zur Anwendung des Prinzips Communio
D. Schlußbemerkungen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das theologische Konzept der „Communio“ bei Gisbert Greshake als zentralen Verstehensschlüssel zwischen trinitarischer Theologie, menschlicher Anthropologie und der gelebten christlichen Praxis systematisch zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie Greshake Gott als „Communio“ entfaltet und welche Konsequenzen dieses Verständnis für die Sicht auf Schöpfung, Menschwerdung, Erlösung und die konkrete Ausgestaltung kirchlichen sowie gesellschaftlichen Lebens hat.
Die Einheit Gottes und die Differenz der göttlichen Personen
Die Einheit Gottes grenzt Differenzen nicht aus, sondern bezieht sie ursprünglich mit ein. Sie ist eine sich in Vielheit vollziehende Größe und deshalb um so höher, je höhere Komplexität und Differenziertheit sie integriert. Je mehr sich also die Personen in Gott differenzieren, um so größer ist ihre Einheit. Und je größer die Einheit, um so "notwendiger" ist auch die Vielheit als Realisierungsform. So wird die Einheit Gottes durch Vielheit nicht vermindert, sondern ist deren Vollzugsweise. Die göttliche Einheit behauptet sich nicht durch ein geschlossenes In-sich-Stehen und eine auf sich bezogene Zentralität, sondern durch ekstatische Exzentrität. Darum kann die göttliche Einheit nicht ein nachträgliches Resultat aus ihren Einzelelementen sein, sondern ist "ursprüngliche Einheit in ursprünglicher Verschiedenheit". Greshake führt weiter aus: "Weder liegt die Differenz der Personen dem göttlichen Wesen voraus, noch das Wesen den Personen, noch eine Person den anderen. Vielmehr geht es um ein Geschehen gleichursprünglicher reziproker Vermittlung." Deshalb ist Gott nicht eine Einheit, obwohl in ihm drei Personen sind, sondern gerade weil er in drei Personen ist. So kann mit Greshake gesagt werden, daß Trinität die inhaltlich gefüllteste und konsequenteste Form von Monotheismus ist.
Das Wesen Gottes besteht gerade aus einem Wechselspiel von je einzigartigen Personen und es gibt in Gott keine Person, die nicht in Communio mit den anderen Personen steht. Dadurch wird auch der Verdacht des Tritheismus' ausgeschlossen, da Gott aus einem trialogischen Wechselspiel dreier göttlicher Personen und nicht aus drei Personen, die "nebeneinander" stehen, besteht.
I. Communio als Grundgedanke allen Seins: Dieses Kapitel erläutert den Communiobegriff theologisch und zeigt auf, wie Gott als trinitarische Gemeinschaft und die gesamte Schöpfung als auf diese Gemeinschaft angelegter Prozess verstanden werden können.
II. Anthropologie: Hier wird der Mensch als Bild des dreieinen Gottes dargestellt, wobei die Spannung zwischen Individualität und notwendiger relationaler Zugehörigkeit unter Berücksichtigung von Sünde, Erlösung und Auferstehung diskutiert wird.
III. Greshakes Ergebnisse für die gelebte christliche Praxis: Dieses Kapitel transferiert die theoretischen Ergebnisse in konkrete Bereiche wie das Verständnis von Kirche, die Anwendung im interreligiösen Dialog und die Gestaltung gesellschaftlicher Solidarität.
Ergebnisse und kritische Anmerkungen: Der Verfasser resümiert die Arbeit und reflektiert kritisch Greshakes deduktive Methode sowie die Herausforderungen bei der praktischen Anwendung seines Communio-Konzepts.
Communio, Trinität, Gisbert Greshake, Theologische Anthropologie, Perichorese, Erlösung, Stellvertretung, Schöpfung, Christliche Praxis, Relationalität, Einheit in Vielfalt, Dialog der Religionen, Gott, Menschsein, Subjekt.
Die Arbeit befasst sich mit der systematischen Analyse der theologischen Anthropologie von Gisbert Greshake, wobei der Begriff „Communio“ als zentrales Bindeglied zwischen Glauben und Praxis dient.
Die zentralen Themen sind das trinitarische Gottesbild, die schöpfungstheologische Einordnung des Menschen, die Bedeutung von Sünde und Erlösung sowie die Auswirkungen dieser Theologie auf Kirche und Gesellschaft.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Greshake das Verständnis eines dreipersönlichen Gottes, der in sich Communio ist, als „Leuchtkraft des Glaubens“ für die heutige Zeit und die christliche Lebenspraxis fruchtbar macht.
Der Autor führt eine systematische Analyse der Schriften Greshakes durch, wobei er dessen Denken anhand der Entfaltung des Communiogedankens strukturiert darstellt und schließlich kritisch bewertet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Greshakes Gottesverständnis, die anthropologische Bestimmung des Menschen als Bild Gottes und schließlich die Anwendung dieser Erkenntnisse auf praktische Lebensbereiche wie Kirche, interreligiösen Dialog und das gesellschaftliche Miteinander.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Communio“, „Trinität“, „Relationalität“, „Stellvertretung“ und „Person“ charakterisiert.
Der Autor lobt die Plausibilität von Greshakes trinitarischer Theologie, merkt jedoch an, dass Greshake bei der praktischen Umsetzung – etwa bei der Neugestaltung kirchlicher Strukturen – teils zu vage bleibt und seine deduktive Herleitung der Schöpfung aus der Trinität nicht immer konsequent durchführt.
Die darstellende Praxis ist das christliche „Mittun“ an der Erlösung, bei dem der Mensch das von Gott bereits Geschenkte im eigenen Leben vergegenwärtigt und „verleiblicht“, anstatt es lediglich durch rein herstellende, produktive Arbeit zu erzeugen.
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