Bachelorarbeit, 2010
40 Seiten, Note: 1,7
I. Einleitung
II. Konstitutionsbedingungen von Öffentlichkeit
2.1. „Öffentlichkeit“
2.2. Ableitbare Konstitutionsbedingungen
2.3. Realistische Konstitutionsbedingungen für die EU
III. Erwartungen
3.1. Theoretische Erwartungen an Öffentlichkeit
3.2. Inhaltsanalyse relevanter Texte
3.3. Einordnung und Konsistenzprüfung der Erwartungen
IV. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Bachelor-Arbeit untersucht die Konstitutionsbedingungen und Erwartungshaltungen in Bezug auf eine europäische Öffentlichkeit. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit sich theoretische Anforderungen an eine solche Öffentlichkeit realisieren lassen und welche Hoffnungen vonseiten politischer Akteure mit der Entwicklung eines europäischen Kommunikationsraums verknüpft sind, um das vermeintliche Demokratie- und Öffentlichkeitsdefizit der Europäischen Union zu adressieren.
2.1. „Öffentlichkeit“
Grundlegend fasst Brüggemann Öffentlichkeit nicht als ein Kollektiv auf, sondern vielmehr als einen Sozialraum. Damit öffnet er den Begriff für die breitere Anwendung. Über verschiedenartige Debatten bringt dieser Raum Meinungen hervor, die sich auch überschneiden können. Es ist allerdings notwendig, dass er öffentlich zugänglich ist, d.h. er darf keine unüberwindbaren Barrieren haben, die Bürger daran hindern könnten, an einer Debatte teilzunehmen (vgl. Brüggemann 2008: 41). Das unterscheidet für ihn auch die Öffentlichkeit von der Privatheit (vgl. Brüggemann 2008: 39). Im Bezug auf Öffentlichkeit als Sozialraum wird in der Literatur außerdem deutlich gemacht, dass es sich um einen festgelegten Raum handeln muss und man sich daher bei der Erforschung des Gebietes an eine Kommunikationsraumanalyse annähert (vgl. Kleinsteuber 2004: 41). Die Grenzen einer Öffentlichkeit sind demnach nicht einem ständigen Wandel unterlegen und lassen sich nur schwer bestimmen, sondern es handelt sich um ein ziemlich klares Gebiet, in dem zu bestimmten Themen kommuniziert wird.
Die Vorstellung von Öffentlichkeit als ein Raum findet sich auch in anderen Beiträgen wieder (vgl. bspw. Fraser 2005: 18). Analog zum Raumbegriff werden ebenfalls „Arena“, „Forum“ (bzw. Kommunikationsforum) (vgl. Neidhardt 1994: 7) oder „Sphäre“ (vgl. Peters 2007a: 59) verwendet. Weiterhin wird der Begriff als Bewertung von Aktivitäten im Bezug auf ein Kollektiv und als Gegenstück zum „Privaten“ oder „Geheimen“ verstanden (vgl. Peters 2007a: 55f.). Der systemtheoretischen Tradition Luhmanns folgend, ist Öffentlichkeit außerdem als ein Teilsystem der modernen Gesellschaft in der Literatur wiederzufinden, dass sich aus den Massenmedien und der daraus resultierenden Rollenbildung konstituiert (vgl. Gerhards 1994: 84). Die verschiedenen Vorstellungen der Autoren führen wiederum zu verschiedenen Eigenschaften, die der Öffentlichkeit in einer bestimmten Theorie zugerechnet werden. Gemeinsam scheint den Modellen aber, dass sie als Vermittler zwischen den Akteuren des Zentrums und der Peripherie fungiert (vgl. Schulz 1997: 86).
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des vermeintlichen europäischen Öffentlichkeitsdefizits ein und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit, welche theoretische Grundlagen mit einer Inhaltsanalyse verknüpft.
II. Konstitutionsbedingungen von Öffentlichkeit: Dieses Kapitel erarbeitet auf theoretischer Basis die notwendigen Voraussetzungen für Öffentlichkeit und prüft deren Realisierbarkeit unter Berücksichtigung der spezifischen Bedingungen der Europäischen Union.
III. Erwartungen: Der Abschnitt beleuchtet die mit einer europäischen Öffentlichkeit verknüpften Hoffnungen durch die Analyse von EU-Dokumenten und Interviews mit Politikern, gefolgt von einer Konsistenzprüfung der Ergebnisse.
IV. Zusammenfassung und Ausblick: Hier werden die zentralen Erkenntnisse über die Vielschichtigkeit der Debatte zusammengefasst und die theoretischen sowie praktischen Implikationen für künftige Forschungsfragen dargelegt.
Europäische Öffentlichkeit, Kommunikation, Sozialraum, Demokratiedefizit, Integration, Europäische Union, Medien, Öffentlichkeitsarbeit, Politik, Partizipation, Deliberative Demokratie, Konsens, Identität, Massenkommunikation, Theoriearbeit.
Die Arbeit analysiert die theoretischen Voraussetzungen für die Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit und untersucht, welche politischen Erwartungen und Hoffnungen damit verbunden sind.
Die zentralen Themen sind die Konstitutionsbedingungen von Öffentlichkeit, das Verhältnis von Demokratie und öffentlicher Kommunikation sowie die Rolle der EU bei der Förderung eines europäischen Diskurses.
Das Ziel ist es, ein umfassendes Bild der Debatte um eine europäische Öffentlichkeit zu zeichnen, indem theoretische Modelle mit den tatsächlichen politischen Zielen und Strukturen der EU verknüpft werden.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Begriffsanalyse mit einer Inhaltsanalyse von EU-Vertragstexten, Aktionsplänen sowie Interviews und Streitgesprächen mit politischen Akteuren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Voraussetzungen für Öffentlichkeit, eine Analyse aktueller EU-Dokumente und eine Konsistenzprüfung der politischen Erwartungen anhand eines kybernetischen Modells.
Zentrale Begriffe sind Europäische Öffentlichkeit, Kommunikationspolitik, Demokratiedefizit, Integrationspotential, Massenmedien und politische Partizipation.
Weil Medien nach Nachrichtenwerten filtern, was bei komplexen EU-Themen oft zu einer mangelnden oder verzerrten Berichterstattung führt, die den Aufbau einer europäischen Öffentlichkeit erschwert.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass dieses Ziel nach aktuellem Stand unrealistisch ist, da die Vielfalt der Mitgliedsstaaten und die historisch gewachsenen nationalen Interessen eine einheitliche öffentliche Meinung kaum zulassen.
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