Bachelorarbeit, 2010
29 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Ursprüngliche Mimesis
3. Ratio
4. Die Mimesis ans Tote
5. Mimesis und Erkenntnistheorie
6. Dialektik der Mimesis
7. Die Lösung
8. Missverständlichkeiten
9. Adornos Mimesis und Ricœurs mimẽsis
9.1 Ricœurs mimẽsis
9.2 Vergleich des Aufbaus beider Konzepte
9.3 Vergleich der Ausrichtung beider Konzepte
10. Schluss
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Verwendung des Mimesisbegriffs bei Theodor W. Adorno nicht nur partiell zu beleuchten, sondern strukturell als Inbegriff einer zentralen Dialektik offenzulegen. Die Forschungsfrage untersucht Adornos Texte auf eine zusammenhängende Mimesistheorie und ordnet diese durch einen Vergleich mit Paul Ricœurs Mimesiskonzeption in einen breiteren philosophischen Kontext ein.
4. Die Mimesis ans Tote
Die Mimesis ans Tote ist ein Konzept Adornos, das die Verhärtung und Erstarrung des Subjekts im rationalen Denken darstellen soll. Es lässt sich in all seinen Werken wieder finden. Am deutlichsten tritt es jedoch in einem Aphorismus hervor, der wohl nicht ohne Grund die ›Dialektik der Aufklärung‹ abschließt. Er ist mit dem Titel „Zur Genese der Dummheit“ versehen und wurde erst kürzlich in Alexander Kluges Film „Nachrichten aus der ideologischen Antike“ rezitiert. „Das Wahrzeichen der Intelligenz“ (GS III 295) heißt es hier „ist das Fühlhorn der Schnecke“, das Adorno als ein Sinnbild für jegliches geistiges Leben ansieht. Es wird vor einem Hindernis „sogleich in die schützende Hut des Körpers zurückgezogen“ und „wagt als Selbstständiges erst zaghaft wieder sich hervor. Wenn die Gefahr noch da ist, verschwindet es aufs neue, und der Abstand bis zur Wiederholung des Versuchs vergrößert sich.“ Solange das Hindernis bleibt, erlahmt die Bewegung des Fühlhorns oder es wird verletzt. Jedenfalls bleibt auf dem Fühlhorn der Schnecke wie auf dem geistigen Leben eine „unmerkliche Verhärtung“, eine Abstumpfung gegen das Äußere übrig, eine Narbe, an deren Stelle nichts mehr gespürt wird. Das geistige Leben „wird in der Richtung, aus der es endgültig verscheucht ist, scheu und dumm.“
Der Panzer des Nashorns (GS VI 181) ist für Adorno ein erneutes Gleichnis solcher Verhärtung. Er schützt zwar das Inwendige, doch sei er zugleich zum angewachsenen Gefängnis geworden, von dem sich das Tier vergeblich zu trennen versucht. Der Panzer, die Verhärtung, die Narbe, „das Feste, Beharrende, Undurchdringliche des Ichs“ sei „Mimesis an die vom primitiven Bewußtsein wahrgenommene Undurchdringlichkeit der Außenwelt“ (GS VI 180). Die Verhärtung ums Ich entsteht durch die Erfahrung äußerer Härte. Sie ist Angleichung, Mimesis an die Umgebung.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Vielschichtigkeit des Mimesisbegriffs und definiert das Ziel der Arbeit, Mimesis bei Adorno als Inbegriff einer zentralen Dialektik strukturell aufzudecken.
2. Ursprüngliche Mimesis: Dieses Kapitel definiert die ursprüngliche Mimesis als eine unbewusste, leibliche Angleichung eines Lebewesens an seine Umwelt, die jedoch mit der Gefahr des Selbstverlusts einhergeht.
3. Ratio: Hier wird der Übergang von der ursprünglichen Mimesis zur Ratio analysiert, die als von Angst getriebene Schutzreaktion und Form der Naturbeherrschung verstanden wird.
4. Die Mimesis ans Tote: Das Kapitel erläutert die "Mimesis ans Tote" als eine Form der Erstarrung und Verhärtung des Subjekts, die das Spiegelbild der rationalen Versachlichung der Welt darstellt.
5. Mimesis und Erkenntnistheorie: Es wird untersucht, wie der Mimesisbegriff zur Problematik der Subjekt-Objekt-Spaltung beiträgt und ob Mimesis als Erkenntnismedium fungieren kann.
6. Dialektik der Mimesis: Hier wird die Frage aufgeworfen, ob Mimesis und Ratio in einer Synthese münden, wobei Adorno hier als Verfechter einer Philosophie ohne positive Synthesen hervortritt.
7. Die Lösung: Das Kapitel klärt, dass Kunst bei Adorno als "negative Synthese" fungiert, die das Leiden an der Verdinglichung durch Mimesis ans Verhärtete offenlegt.
8. Missverständlichkeiten: Hier werden unterschiedliche Bedeutungsebenen der Mimesis bei Adorno differenziert, um populäre Fehlinterpretationen aufzuklären.
9. Adornos Mimesis und Ricœurs mimẽsis: Dieser Abschnitt vergleicht Adornos dialektisches Modell der Mimesis mit dem narratologischen Konzept von Paul Ricœur hinsichtlich Aufbau und Ausrichtung.
10. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Dialektik der Mimesis weit über das Einzelwort hinausweist und ein zentraler Schlüssel zu Adornos Philosophie ist.
Adorno, Mimesis, Dialektik der Aufklärung, Ratio, Mimesis ans Tote, Ästhetische Theorie, Kunst, Erkenntnistheorie, Subjekt-Objekt-Spaltung, Ricœur, Utopie, Nichtseiendes, Naturbeherrschung, Negative Dialektik
Die Arbeit untersucht den Mimesisbegriff bei Theodor W. Adorno und zeigt auf, dass Mimesis bei ihm kein isolierter Begriff ist, sondern den Kern einer zentralen Dialektik bildet, die das Verhältnis von Mensch, Natur und Rationalität bestimmt.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von ursprünglicher Mimesis und Ratio, das Konzept der "Mimesis ans Tote", die Rolle der Kunst als Reflexionsmedium und der Vergleich mit narratologischen Mimesis-Konzepten.
Das Ziel ist es, die Mimesis bei Adorno strukturell aufzudecken, statt sie nur punktuell zu betrachten, und ihre Bedeutung innerhalb seiner geschichtsphilosophischen und ästhetischen Überlegungen zu bestimmen.
Die Arbeit verwendet eine philosophische Textanalyse, die Adornos Schriften (insb. "Dialektik der Aufklärung" und "Ästhetische Theorie") interpretiert und diese in einen systematischen Vergleich mit der Mimesis-Konzeption von Paul Ricœur stellt.
Im Hauptteil werden die Pole der Mimesis-Dialektik (ursprüngliche Mimesis, Ratio, Mimesis ans Tote), die Funktion der Kunst als negative Synthese und die philosophischen Vergleiche mit Ricœur detailliert ausgearbeitet.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Dialektik, Mimesis, Rationalität, Utopie, Naturbeherrschung und ästhetische Erfahrung charakterisieren.
Während Ricœur die Mimesis als dreistufigen Prozess der Fabelkomposition in narrativen Werken versteht, die positiv auf die Wirklichkeit einwirken kann, begreift Adorno die Mimesis als dialektischen, meist negativen Prozess, der in der Kunst das Nichtseiende aufblitzen lässt.
Adorno beschreibt damit die Verhärtung des Subjekts durch die rationale Welt; das Subjekt imitiert dabei die Starrheit der von ihm versachlichten, "toten" Natur, um sich in einer übermächtigen Umgebung durch Anpassung zu behaupten.
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