Bachelorarbeit, 2012
66 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1 Das institutionelle System der Kinder- und Jugendhilfe
1.1 Der Perspektivwechsel der Jugendhilfe
1.2 Struktur des SGB VIII
1.2.1 Woran orientieren sich die Leistungen der Jugendhilfe?
1.2.2 Eingriffsrechte und das Prinzip der Freiwilligkeit des Jugendamtes
1.3 Der Schutzauftrag des Jugendamtes
1.4 Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe- Im Besondere die Hilfen zur Erziehung
2 Der Zugang zum Verständnis der Dissozialität von der psychoanalytischen Theorie psychischer Konflikte
2.1 Die Bedeutung der Lösung der Ödipalen Wende
2.2 Die Ich- Störung
2.3 Die Problematik des Über- Ichs
2.4 Die narzisstische Störung
3 Fallbeispiel
3.1 Vorstellung der Familie, Diagnostik und Behandlung in der KJP und erster Kontakt zum Jugendamt
3.2 Zwei Jahre später: Gewalttätigkeit in der Familie- Anzeigen wegen schwerer Körperverletzung
3.3 Kollegiale Beratung und Helferkonferenz im Jugendamt, Mai 2006
3.4 Antrag auf Hilfe zur Erziehung und Verhandlung vor dem Familiengericht
3.5 Zwischenzeitliche Straftaten
3.6 Erste stationäre Unterbringung und Flucht und Tod des Vaters
3.7 Zweiter stationärer Unterbringungsversuch
3.7.1 Probetage in der Wohngruppe
3.7.2 Aufenthalt in der Wohngruppe Januar- September 2007
3.7.3 Der (sinngemäße) Abschlussbericht der Wohngruppe
3.7.4 Aufenthalt bei der Mutter ab September 2007- Untersuchungshaft
3.8 Dritter Unterbringungsversuch in einer Jugendhilfeeinrichtung
3.8.1 Bericht der Einrichtung (nach Abbruch der Maßnahme)
3.8.2 Schulentwicklung aus dieser Zeit– Die „10 Gebote“
3.8.3 Und das Ende?!
4 Die Interpretation der Fallgeschichte- Zum Vorgehen der Jugendhilfe und den Grenzen der Hilfemaßnahmen
5 Interpretation aus Sicht psychoanalytischen Entwicklungspsychologie
6 Schlusswort
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Delinquenz bei Jugendlichen tiefergehend zu verstehen, indem sie die Psychodynamik dissozial-aggressiven Verhaltens sowie das Scheitern institutioneller Hilfemaßnahmen psychoanalytisch hinterfragt.
Die narzisstische Störung (als Teil der dissozial- aggressiven Störung)
Beim pathologischen Größen-Selbst handelt es sich um eine überlebensnotwendige Abwehrfunktion der narzisstischen Kränkung, dem gefährlichen Gefühl von Hilflosigkeit (Ohnmacht) und „nichts wert zu sein“ bei dissozial- aggressiver Kinder und Jugendlichen. Dabei handelt es sich um einen hoch- idealisierten Abwehrmechanismus für den es kaum realitätsgerechten Ausgleich gibt. Weil die Phantasie der eigenen Größe ein so dringend notwendiger Schutz ist, gibt es nichts, was diese Abwehrform ersetzen könnte. In der pädagogischen Arbeit kann nur versucht werden, ihn in kleinen Schritten abzubauen beziehungsweise zu unterlaufen, in dem man den betreffenden Jugendlichen hilft reale Fähigkeiten aufzubauen. Diese Abwehrstrategie ist erforderlich weil das herannahende Hilflosigkeitsgefühl nicht auszuhalten wäre.
Ausgerechnet in der Schule, der Jugendwohngruppe oder sonstigen alltäglichen und gesellschaftlichen Situationen ist aber die eigene Grandiosität und damit der Mechanismus der Abwehr/ des Schutzes in extremer Gefahr. Im Speziellen an den gesellschaftlichen Orten, wo sich der Jugendliche die Anerkennung und Bekräftigung seiner Grandiosität erhofft und sich dadurch das Recht herausnimmt sich über Regeln und Verbote hinwegsetzen zu können, ist sein Schutzmechanismus bedroht. Besonders schlimme Gefühle der Kränkung und Herabwürdigung rufen dann beim betroffenen Kind oder Jugendlichen in narzisstische Wutausbrüche und Aggressionen hervor. Für Außenstehende sind die Ursachen für die Aggressionen meist nicht wahrnehmbar. Weil sie aus ihrer Sicht nichtig sind. In der langfristigen Sicht ist es für das Kind oder den Jugendlichen unumgänglich, dass dessen pathologisches Größenselbst erschüttert wird, um sich in der Gesellschaft, der Schule, also in der Gruppe zu recht zu finden oder auch um zu „überleben“. Hinter diesem Aspekt verbirgt sich ein enormer Widerspruch/ Konflikt. Denn sämtliche offenen Unterfangen oder Attacken zur Erschütterung des Größenselbst führen zur Bedrohung des kindlichen/ jugendlichen Selbstwert, der hinter dem Abwehrmechanismus steckt.
Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen der Kinder- und Jugendhilfe im Umgang mit "schweren Fällen" dissozialer Jugendlicher und begründet die Wahl des psychoanalytischen Ansatzes zur Fallinterpretation.
1 Das institutionelle System der Kinder- und Jugendhilfe: Erläuterung der gesetzlichen Rahmenbedingungen des SGB VIII sowie des Wandels des Jugendamtes von einer Kontrollbehörde hin zu einer unterstützenden Dienstleistungsorganisation.
2 Der Zugang zum Verständnis der Dissozialität von der psychoanalytischen Theorie psychischer Konflikte: Theoretische Grundlegung durch Analyse von ödipaler Wende, Ich-Störungen, Über-Ich-Problematiken und narzisstischen Störungen als Hintergründe für dissoziales Verhalten.
3 Fallbeispiel: Chronologische und detaillierte Darstellung einer komplexen Fallgeschichte, die den gescheiterten Umgang der Jugendhilfe mit einem Jugendlichen namens Elyas dokumentiert.
4 Die Interpretation der Fallgeschichte- Zum Vorgehen der Jugendhilfe und den Grenzen der Hilfemaßnahmen: Kritische Analyse der institutionellen Handlungsweisen im Fallbeispiel unter Berücksichtigung der familiären Dynamik und der institutionellen Grenzen.
5 Interpretation aus Sicht psychoanalytischen Entwicklungspsychologie: Psychoanalytische Deutung der Lebensgeschichte von Elyas, insbesondere bezüglich der familiären Erwartungshaltungen, Identifikationsprozesse und der resultierenden psychischen Störungsbilder.
6 Schlusswort: Zusammenfassung der Kernerkenntnisse, wonach Delinquenz als Symptom psychoanalytischer Störfelder verstanden werden muss und eine rein symptomorientierte Jugendhilfe ohne therapeutische Ansätze an komplexen Fällen scheitert.
Jugendhilfe, Delinquenz, Psychoanalyse, Dissozialität, SGB VIII, Fallbeispiel, Ich-Störung, narzisstische Störung, stationäre Unterbringung, Hilfe zur Erziehung, Entwicklungspsychologie, Kindeswohlgefährdung, Pädagogik, Jugendgerichtshilfe, Über-Ich.
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen der Jugendhilfe bei der Arbeit mit dissozial-aggressiven Jugendlichen und analysiert die Hintergründe dieses Verhaltens aus einer psychoanalytischen Perspektive.
Zu den Kernbereichen gehören das System der Kinder- und Jugendhilfe nach dem SGB VIII, die psychoanalytische Theorie psychischer Konflikte sowie die praktische Fallstudie eines schwer delinquenten Jugendlichen.
Ziel ist es, das Verständnis für die Psychodynamik dissozial-aggressiver Jugendlicher zu vertiefen, um zu klären, warum klassische Jugendhilfemaßnahmen in komplexen Fällen oft scheitern.
Die Autorin verwendet einen psychoanalytischen interpretativen Ansatz zur Auswertung von Aktenmaterial eines Jugendamtes, ergänzt durch entwicklungspsychologische Theoriebildung.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Kapitel 2), die ausführliche Darstellung der Fallgeschichte (Kapitel 3) und die anschließende doppelte Interpretation aus institutioneller und psychoanalytischer Sicht (Kapitel 4 und 5).
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Jugendhilfe, Delinquenz, psychoanalytische Pädagogik, Ich-Störung und Dissozialität geprägt.
Laut Autorin lag dies an einer zu starken Symptomorientierung und einem fehlenden Verständnis für die tieferliegenden psychodynamischen Ursachen der Störung, was zu inkonsequenten und an der Realität vorbeigehenden Maßnahmen führte.
Der Tod des Vaters verschärfte die bereits vorhandene psychische Instabilität und Trauersituation, was die ohnehin schwierige erzieherische Beeinflussung des Jungen durch das Jugendamt weiter erschwerte.
Die Einmischung des Jugendstrafrechts wird kritisch gesehen, da der Fokus auf Strafe die erzieherischen Hilfeprozesse und den Aufbau tragfähiger therapeutischer Beziehungen behindern kann.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

