Bachelorarbeit, 2011
78 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Untersuchung
2 Die Rolle der Versicherungswirtschaft in der deutschen Volkswirtschaft
2.1 Gesamtwirtschaftliche Betrachtung
2.2 Die Bedeutung der Immobilienkapitalanlage für die deutsche Immobilienwirtschaft
3 Aktuelle Rahmenbedingungen für die Kapitalanlage von Versicherungsunternehmen
3.1 Regulatorische Vorgaben und Aufsicht der Versicherungsunternehmen im Allgemeinen
3.2 Aufsichtsrechtliche Vorgaben für die Kapitalanlagen von Versicherungsunternehmen
3.3 Bestandteile der Anlageverordnung
3.3.1 Kapitalanlagemanagement
3.3.2 Anlageformen
3.3.3 Quantitative Beschränkungen
3.3.4 Schuldnerbezogene Beschränkungen
3.4 Aktuelle Rahmenbedingungen für die Anlage des gebundenen Vermögens in Immobilien
4 Das neue europäische Aufsichtsrecht Solvency II
4.1 Grundstruktur
4.2 Das Immobilienrisiko als Bestandteil der Solvenzkapitalanforderungen
5 Die Zusammensetzung des direkt gehaltenen Immobilienbestands deutscher Versicherungsunternehmen nach Ländern
6 Ermittlung einer länderspezifischen Risikostruktur auf Grundlage von Immobilienindizes
6.1 Grundproblematik von Immobilienindizes
6.2 Analyse der IPD-Immobilienindizes
7 Ermittlung eines gewichteten, risikoadjustierten Schockfaktors für das Immobilienrisiko deutscher Versicherungsunternehmen
8 Fazit und Ausblick
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der Solvency II-Richtlinien auf die Immobilienkapitalanlagen deutscher Erstversicherungsunternehmen. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den regulatorisch unterstellten Risikoprofilen (die auf dem britischen Markt basieren) und der tatsächlichen, länderspezifischen Zusammensetzung der Immobilienportfolios deutscher Versicherer aufzuzeigen und einen risikoadjustierten Schockfaktor zu ermitteln.
4.2 Das Immobilienrisiko als Bestandteil der Solvenzkapitalanforderungen
Die Risiken, die einem Versicherungsunternehmen aus der Kapitalanlage am Immobilienmarkt entstehen, werden im Teilrisikomodul Immobilien erfasst (in Abbildung 7 dunkelblau unterlegt). Dabei werden längst nicht alle Kapitalanlagen, die mit Immobilien in Verbindung zu bringen sind, in diesem Risikomodul erfasst. In den technischen Spezifikationen der fünften Auswirkungsstudie (QIS 5) werden Investitionen in Grundstücke, Gebäude und Grundstücksrechte, direkte und indirekte Beteiligungen an Immobiliengesellschaften, welche periodische Erträge generieren oder für Investmentzwecke gehalten werden und vom Versicherungsunternehmen eigengenutzte Immobilien als Kapitalanlagen definiert, die dem Immobilienrisikomodul zuzurechnen sind. Diesen Immobilienkapitalanlagen sind 25% ihres Marktwertes als Eigenmittel vorzuhalten.
Investitionen in Unternehmen, die in der Verwaltung von Immobilien tätig sind, Unternehmen, die Immobilienprojektentwicklung oder vergleichbare Aktivitäten betreiben, oder Unternehmen, die Immobilien durch Darlehensaufnahme fremdfinanzieren, werden als Kapitalanlagen definiert, die dem Aktienrisikomodul zuzurechnen sind. Dieses sieht eine differenzierte Betrachtung nach Unterscheidung der Zielmärkte vor. Danach werden Aktien eines Unternehmens, welches in einem Land des EWR oder der OECD börsennotiert ist, der Kategorie "Global" zugeordnet, auf die ein Schockfaktor von 30% angewendet wird. Aktien eines Unternehmens, die außerhalb des EWR oder der OECD, also in so genannten Emerging-Markets börsennotiert sind, nicht börsennotierte Aktien, Hedge Fonds und alle anderen Investments, die keinem der anderen Marktrisikomodule zugeordnet werden können, werden der Kategorie "Andere" zugerechnet und werden mit einem Schockfaktor von 40% angesetzt.
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, Zielsetzung und des methodischen Vorgehens der Untersuchung im Rahmen der Solvency II-Einführung.
2 Die Rolle der Versicherungswirtschaft in der deutschen Volkswirtschaft: Analyse der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der Versicherer und ihrer Funktion als Immobilieninvestoren.
3 Aktuelle Rahmenbedingungen für die Kapitalanlage von Versicherungsunternehmen: Erläuterung der geltenden regulatorischen Vorgaben, insbesondere der Anlageverordnung und der darin enthaltenen quantitativen und schuldnerbezogenen Beschränkungen.
4 Das neue europäische Aufsichtsrecht Solvency II: Darstellung der Drei-Säulen-Struktur von Solvency II und der spezifischen Einordnung des Immobilienrisikos in das Marktrisikomodul.
5 Die Zusammensetzung des direkt gehaltenen Immobilienbestands deutscher Versicherungsunternehmen nach Ländern: Präsentation der Ergebnisse einer empirischen Umfrage zur regionalen Aufteilung der Immobilienportfolios deutscher Versicherer.
6 Ermittlung einer länderspezifischen Risikostruktur auf Grundlage von Immobilienindizes: Analyse der IPD-Immobilienindizes zur Bestimmung von Risikoprofilen für verschiedene nationale Märkte.
7 Ermittlung eines gewichteten, risikoadjustierten Schockfaktors für das Immobilienrisiko deutscher Versicherungsunternehmen: Zusammenführung der Länderrisiken mit der tatsächlichen Portfolioverteilung zur Berechnung eines individuellen Schockfaktors.
8 Fazit und Ausblick: Kritische Würdigung des "One model fit's all"-Ansatzes von Solvency II und Empfehlung für die Implementierung interner Modelle.
Solvency II, Immobilienkapitalanlage, Erstversicherungsunternehmen, Immobilienrisiko, Marktrisikomodul, Schockfaktor, Value-at-Risk, Anlageverordnung, Immobilienindizes, Risikoadjustierung, Portfolio-Diversifikation, Kapitalanlagemanagement, Versicherungsaufsicht, BaFin, IPD-Immobilienindizes.
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des neuen europäischen Aufsichtsrechts Solvency II auf die Immobilienkapitalanlagen deutscher Erstversicherungsunternehmen, insbesondere im Hinblick auf die regulatorische Risikobewertung.
Die zentralen Themen umfassen das geltende Aufsichtsrecht, die Portfoliostruktur deutscher Versicherer, die Analyse internationaler Immobilienindizes und die Berechnung risikoadjustierter Eigenmittelanforderungen.
Das Ziel ist es zu belegen, dass der pauschale 25%-Schockfaktor von Solvency II die tatsächliche Risikostruktur der Immobilienportfolios deutscher Versicherer nicht adäquat abbildet und stattdessen ein länderspezifischer Ansatz notwendig ist.
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse, eine empirische Umfrage unter deutschen Erstversicherungsunternehmen zur regionalen Portfolioaufteilung sowie eine statistische Auswertung von IPD-Immobilienindizes zur Bestimmung des Value-at-Risk.
Der Hauptteil erörtert die rechtlichen Grundlagen der Kapitalanlage, die Systematik von Solvency II, die Ergebnisse der Umfrage zur Länderverteilung der Immobilienbestände sowie die mathematische Herleitung risikoadjustierter Schockfaktoren.
Wichtige Begriffe sind Solvency II, Immobilienrisiko, Marktrisikomodul, Schockfaktor, Value-at-Risk und länderspezifische Risikostruktur.
Der aktuelle Standardansatz von Solvency II stützt sich auf Risikodaten des britischen Immobilienmarktes, während die meisten deutschen Versicherer primär in Deutschland investiert sind, wo deutlich andere Risikoprofile vorliegen.
Unter Berücksichtigung der tatsächlichen regionalen Aufteilung der Portfolios ergab die Berechnung einen risikoadjustierten Value-at-Risk von lediglich 1,03%, was weit unter dem pauschalen 25%-Ansatz liegt.
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