Diplomarbeit, 2011
181 Seiten, Note: 1
1 EINLEITUNG
1.1 Forschungsleitende Fragestellung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Methodisches Vorgehen
1.3.1 Experteninterviews
1.3.2 Vorstellung der interviewten Personen
1.3.3 Interviewablauf
1.3.4 Aufbereitung der Daten
2 BEGRIFFSDEFINITIONEN
3 DESKRIPTION, RELATION, POSITIONIERUNG - THEORIEBAUSTEIN I
3.1 Iceland Basics
3.1.1 Gesellschaft
3.1.2 Wirtschaft
3.1.3 Kurzer Überblick über die Geschichte Islands
3.2 Überblick über die Musikszene der Gegenwart
3.2.1 Independent/ Alternativemusik
3.2.2 Pop
3.2.3 Klassik
3.2.4 Volksmusik, Folklore und andere Musikrichtungen
3.2.5 Zahl der aktiven MusikerInnen
3.2.6 Zahl der Musikveranstaltungen
3.2.7 Wichtige Veranstaltungen/ Festivals
3.2.8 Clubszene in Reykjavik
3.2.9 Musiklabels
3.2.10 Die isländische Musikindustrie
3.2.11 Aktueller Bezug: Neue Vermarktungsformen am Beispiel gogoyoko
3.3 Musikgeschichte Islands
3.3.1 Historische Folkloremusik
3.3.2 Herausbildung einer Musiktradition ohne klassische Musik
3.3.3 ‚Mangel an Musiktradition’ - Aspekt der modernen Populärmusikszene?
3.3.4 Die Entwicklung der Popmusik - Die NATO-Base als Übermittler von Popkultur
3.3.5 1960 – 1980 Popmusik als Ausdrucksform
3.3.6 Die Punkrevolution
3.3.7 1980 – 2000 Im Zeichen des internationalen Durchbruchs
3.3.8 2000 – 2010: (Pop)kulturelle Vielfalt
3.4 MusikerInnen aus Island
3.4.1 Björk
3.4.2 Sigur Rós
3.4.3 Gus Gus
3.4.4 múm
3.4.5 Seabear
3.4.6 FM Belfast
3.4.7 Weitere Solo-KünstlerInnen und Musikformationen
3.5 Charakteristika der Popmusikszene
3.6 Der isländische Sound
3.6.1 Definitionsversuche eines isländischen Sounds
3.6.2 Musik und Natur
3.6.3 Exotisierungsprozess
3.6.4 Mediale Zuschreibungen und ihre erfolgsstiftende Wirkung
3.6.5 Gibt es einen isländischen Sound?
3.7 Musikförderung – Maßnahmen zur Entwicklung der Popmusikszene
3.7.1 Musikschulen
3.7.2 Subventionierung der Populärmusikszene: Vorstellung einiger Projekte
3.8 Wirtschaftliche Bedeutung der Musikszene
3.8.1 Popmusik als touristischer Faktor
3.8.2 Iceland Airwaves Festival - Relevanz für Tourismus und Wirtschaft
3.8.3 Die Bankenkrise 2008 - Auswirkungen auf die Musikszene
3.9 Resümee - Theoriebaustein I
4 GESELLSCHAFT, IDENTITÄT, PROVENIENZ – THEORIEBAUSTEIN II
4.1 Signifikante Elemente der isländischen Identität
4.1.1 Geschichtliche Errungenschaften und ihre identitätsstiftende Bedeutung
4.1.2 Bestandsaufnahme und Einordnung der Charakteristika der Gesellschaft
4.1.3 Independent People: Gleichheit, Unabhängigkeit, Individualität
4.1.4 Community Gedanke
4.1.5 DIY (Do-It-Yourself) Mentalität
4.1.6 Diversität
4.1.7 Kreativität, Innovation und Experimentierfreudigkeit
4.1.8 Stolz, Nationalstolz
4.1.9 Minderwertigkeitsgefühl
4.2 Settler Societies
4.2.1 Richard F. Tomasson: „Iceland – The first new Society“ (1980)
4.2.2 Werte der Settler Societies im Blick der Gegenwart
4.3 Popular music, Identity and Place
4.3.1 Music and Place
4.3.2 Authentizität und Glaubhaftigkeit
4.3.3 Sound and Scenes
4.3.4 Mythologisierung von Musikszenen
4.3.5 Communities and sites of production
4.4 Theoriensynthese
4.4.1 The Independent Island – Über die Hintergründe der isländischen Musikszene
4.4.2 Konzentration der Kernaspekte
4.4.3 Zehn Attribute der isländischen Populärmusikszene
5 ZUSAMMENFASSENDES FAZIT
Die Diplomarbeit untersucht die soziologischen Hintergründe für die international beachtliche Entwicklung und hohe Dichte an Künstlern in der isländischen Populärmusikszene. Ziel ist es, ein Verständnis für die gesellschaftlichen Strukturen und Mentalitätszüge Islands zu entwickeln, die diese kulturelle Blüte trotz einer sehr geringen Einwohnerzahl begünstigen.
3.3.6 Die Punkrevolution
Die Punkbewegung Anfang der 1980er Jahre kann zweifelsohne als ein einschneidendes Ereignis in der Kunstgeschichte Islands betrachtet werden, bei der eine Vergrößerung der kreativen Vielfalt stattfand. Sie wird gemeinhin als das bedeutendste jüngere Ereignis der Musikgeschichte wahrgenommen und brachte eine Fülle an neuen Bands und Musikstilen hervor. Der Begriff Punkrevolution wird häufig zur Beschreibung dieser Zunahme an kreativer Mannigfaltigkeit verwendet. Aus dieser Periode heraus entwickelten sich die ersten Bands mit größerem internationalen Zuspruch.
There was a veritable 'punk boom' in Iceland, especially in Reykjavík, in 1980-82. (Gudmundsson 1993: 9)
Die Punkbewegung wird gemeinhin als die Geburtsstunde der modernen isländischen Musikszene betrachtet. Neben der starken quantitativen Zunahme an MusikerInnen, stieg auch die Zahl an Konzerten und Aktivitäten signifikant an.
[...] Iceland’s first real counter-culture movement [...] sowed the seeds for the country’s still expanding alternative scene. (Sullivan 2003: 174)
The punks were more radical, more anarchistic, more creative and, most important of all, they managed to create an alternative scene that was stronger than any of its predecessors. (Gudmundsson 1993: 9)
1 EINLEITUNG: Die Einleitung stellt Island als Land mit einer überraschend aktiven Musikszene vor und formuliert das Ziel, die gesellschaftlichen Hintergründe für diesen internationalen Erfolg soziologisch zu ergründen.
2 BEGRIFFSDEFINITIONEN: Hier werden zentrale musiksoziologische Begriffe wie "Populäre Musik", "Popmusik" und "Independent/Alternative" für den Kontext der Arbeit abgegrenzt.
3 DESKRIPTION, RELATION, POSITIONIERUNG - THEORIEBAUSTEIN I: Dieser Hauptteil bietet eine umfassende Bestandsaufnahme der isländischen Musikszene, von der Geschichte über die aktuelle Clubszene bis hin zur ökonomischen Bedeutung und Musikförderung.
4 GESELLSCHAFT, IDENTITÄT, PROVENIENZ – THEORIEBAUSTEIN II: Das Kapitel verknüpft die empirischen Befunde mit soziologischen Theorien, um die isländische Identität und deren Einfluss auf die musikalische Kreativität und Produktion zu deuten.
5 ZUSAMMENFASSENDES FAZIT: Das Fazit resümiert die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit und bestätigt die zentrale Bedeutung des isländischen Wertesystems für den Erfolg der Musikszene.
Island, Popmusik, Musikszene, Identität, Soziologie, Kulturgeschichte, Punkrevolution, Björk, Sigur Rós, Community, DIY-Mentalität, Musikförderung, Tourismus, Globalisierung, Nationalstolz
Die Arbeit untersucht die soziologischen Hintergründe der isländischen Musikszene und analysiert, warum ein Land mit rund 320.000 Einwohnern eine international so erfolgreiche Musikszene hervorbringen konnte.
Die zentralen Themen sind die isländische Identität, die Bedeutung der lokalen Community, die historische Entwicklung der Musik in Island sowie die Rolle von Förderung und Vermarktung im Kontext globaler Musikmärkte.
Das Ziel ist es, Erklärungsansätze für die hohe Dichte an Musikern und den internationalen Erfolg isländischer Popmusik zu finden, gemessen an der geringen Einwohnerzahl des Landes.
Der Autor wendet einen Methodenmix an, der eine intensive Literaturrecherche mit qualitativen Experteninterviews (geführt 2009 in Reykjavik und Berlin) kombiniert, um sowohl theoretische als auch praxisnahe Einblicke zu gewinnen.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Theoriebausteine: Zuerst eine deskriptive Bestandsaufnahme der isländischen Musiklandschaft und zweitens eine soziologische Analyse der Hintergründe, inklusive Mentalitätsstudien und Identitätsfragen.
Schlüsselwörter sind neben "Island" und "Popmusik" vor allem Begriffe aus der Identitätsforschung wie "Community", "Nationalstolz", "DIY-Mentalität" sowie "Kreativität".
Die Punkbewegung Anfang der 1980er Jahre wird als "Geburtsstunde" der modernen isländischen Musikszene bezeichnet. Sie förderte eine Identitätssuche und den Einsatz der isländischen Sprache in Liedtexten.
Die Arbeit diskutiert kritisch, inwieweit "isländischer Sound" ein Klischee ist. Zwar beeinflusst die geografische Abgeschiedenheit die Szene, jedoch sind die oft angeführten Natur-Assoziationen häufig eine Konstruktion der Musikpresse und Musikindustrie zur Vermarktung.
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