Diplomarbeit, 2011
110 Seiten, Note: 1,5
1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIEL DER ARBEIT
1.2 ERKENNTNISINTERESSE UND FORSCHUNGSLEITENDE FRAGEN
1.3 AUFBAU DER ARBEIT
2 INTENTIONALE GEMEINSCHAFTEN
2.1 HISTORISCHER ÜBERBLICK
2.2 BEGRIFFSKLÄRUNG 'INTENTIONALE GEMEINSCHAFT'
2.3 VORSTELLUNG DER UNTERSUCHTEN GEMEINSCHAFTEN
2.3.1 Lebensgarten Steyerberg
2.3.2 ZEGG
2.3.3 Stamm der Likatier
3 ERKENNTNISTHEORETISCHER HINTERGRUND
3.1 WESHALB THEORIE?
3.2 (POST-)STRUKTURALISTISCHES GRUNDVERSTÄNDNIS
3.2.1 Strukturalismus
3.2.2 Poststrukturalismus
3.3 THEORETISCHER AUFBAU DIESER ARBEIT
3.3.1 Performativität als diskursive Praxis
3.3.1.1 Grundgedanken einer performativen Perspektive
3.3.1.2 Die poststrukturalistische Sicht der Performativität auf das Subjekt
3.3.2 Konzept der Heterotopien
3.3.2.1 Heterotopien nach Foucault
3.3.2.2 Intentionale Gemeinschaft als Heterotopie
3.3.3 Konzept der Liminalität
3.3.3.1 Liminalität und Communitas
3.3.3.2 Intentionale Gemeinschaften als Ort kollektiver Liminalität
3.4 BRÜCKENSCHLAG ZWISCHEN DEN THEORIEN
4 UNTERSUCHUNGSDESIGN UND ARBEITSMETHODIK
4.1 METHODOLOGISCHE VORÜBERLEGUNGEN
4.1.1 Postmodernes Wissenschaftsverständnis
4.1.2 Wahl eines qualitativen Methodensets
4.1.3 Positionalität des Forschers
4.2 FORSCHUNGSABLAUF
4.3 QUALITATIVER FORSCHUNGSANSATZ
4.3.1 Erhebungstechnik: Problemzentriertes und narratives Interview
4.3.2 Transkription
4.3.3 Kodierung
4.3.4 Textinterpretation
5 EMPIRISCHE ERGEBNISSE
5.1 SPRACHLICHE RAHMUNGEN VON GEMEINSCHAFT UND GESELLSCHAFT
5.1.1 Sicht der Gemeinschaften
5.1.2 Sicht der Interviewpartner
5.1.2.1 Einsamkeit vs. Verbundenheit
5.1.2.2 Oberflächlichkeit und Konsumdenken vs. persönliche Weiterentwicklung und Tiefe
5.1.2.3 Umgang mit Mensch und Natur: Gesellschaft vs. Gemeinschaft
5.1.3 Gesellschaftliche Anrufung von Gemeinschaften
5.2 WELCHE RITUALE KONSTITUIEREN DEN GEGENRAUM?
5.2.1 Enges räumliches Zusammenleben
5.2.2 Gemeinsame Aktivitäten
5.2.3 Feste und rituelle Feierlichkeiten
5.2.4 Gruppen und Kreise
5.2.5 Rituale der Unterstützung
5.2.6 ‚Anderssein’
5.3 WELCHES WERTEVERHALTEN KANN IN DIESEM GEGENRAUM ENTSTEHEN?
5.3.1 Soziale Kompetenz
5.3.2 Ganzheitliche Denkweise
6 FAZIT: KRITISCHE REFLEXION UND AUSBLICK
Die Arbeit untersucht, ob intentionale Gemeinschaften als "Räume der Transformation" fungieren können, indem sie gesellschaftliche Problemfelder aufgreifen und im alltäglichen Zusammenleben alternative Verhaltensmodelle etablieren. Dabei wird analysiert, wie diese Räume diskursiv konstruiert und durch Rituale materiell gefestigt werden, um alternative Lebens- und Werteformen zu ermöglichen.
3.3.1 Performativität als diskursive Praxis
Performative Ansätze sind in der englischsprachigen Geographie seit Ende der 1990er Jahre und in Deutschland ungefähr seit der Jahrtausendwende in der Diskussion (vgl. Strüver u. Wucherpfennig 2009: 107). Der ‚performative turn’ als Weiterentwicklung der ‚linguistic’ und ‚cultural turns’ möchte neben der sprachlich-diskursiven Konstruktion von Wirklichkeit auch deren soziale und materielle Beschaffenheit untersuchen und also die konkrete Ausführung des gesprochenen Wortes beleuchten.
Die Grundlage für die Entwicklung der Performativitätsansätze ist in John L. Austins Sprechakttheorie zu sehen, die er in seiner Vorlesungsreihe 'How to do Things with Words' im Jahr 1955 entwarf (vgl. Austin (1976 [1962]). Als Fortführung eines Modells von Sprache als alleinig beschreibend und feststellend, geht es hierin um die Annahme, dass durch den Gebrauch von Sprache direkt Handlungen vollzogen würden. Austin unterscheidet zwischen konstativen und performativen Äußerungen (vgl. Austin (1976 [1962]: 3 ff.). Erstere sind ‚nur’ Feststellungen, Bemerkungen und Beschreibungen, letztere aber sprachliche Äußerungen, mit denen eine Handlung ausgeführt und unmittelbar soziale Tatsachen geschaffen werden, denn eine performative Äußerung „konstituiert, was sie konstatiert” (Krämer u. Stahlhut 2001: 37).
Wenn z.B. jemand erzählt „Die Lebensgemeinschaft wurde 1980 gegründet“, ist das eine konstative Äußerung, die wahr oder falsch sein kann. Wenn jedoch im Jahre 1980 in einer Versammlung von Gemeinschaftsinteressierten jemand statuiert „Hiermit gründen wir gemeinsam eine/diese Lebensgemeinschaft“, dann ist dies eine performative Äußerung, die zum einen weder wahr noch falsch ist und zum anderen das vollzieht, was gerade ausgesprochen wurde. Hierbei wird jedoch noch nichts über das Gelingen der Handlung ausgesagt, wofür Austin im Folgenden noch weitere Bedingungen aufführt (Strüver u. Wucherpfennig 2009: 109 f.). Einerseits muss die Äußerung ernst und ehrlich gemeint sein. Zum anderen muss das Verfahren, wenn ein solches denn beinhaltet ist, korrekt und vollständig ausgeführt werden und des Weiteren die beteiligten Personen Teilnahme- und Entscheidungsbefugnis haben. Hierin wird deutlich, dass nicht nur der Satzinhalt, sondern der gesamte Kontext bedeutsam ist, um festzustellen, auf welche Weise und ob mit oder ohne Erfolg durch die sprachlichen Äußerungen Handlungen vollzogen werden.
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der intentionalen Gemeinschaften, Darlegung der Forschungsfrage und des methodischen Vorgehens sowie Begründung der Relevanz des Themas.
2 INTENTIONALE GEMEINSCHAFTEN: Historischer Überblick über Gemeinschaftsbewegungen und detaillierte Vorstellung der drei untersuchten Fallbeispiele: Lebensgarten Steyerberg, ZEGG und Stamm der Likatier.
3 ERKENNTNISTHEORETISCHER HINTERGRUND: Erläuterung der theoretischen Basis, bestehend aus der Performativitätstheorie, dem Konzept der Heterotopien nach Foucault und der Theorie der Liminalität nach Turner.
4 UNTERSUCHUNGSDESIGN UND ARBEITSMETHODIK: Beschreibung der qualitativen Vorgehensweise, der Auswahl der Gemeinschaften und Interviewpartner sowie der Methoden der Kodierung und Interpretation.
5 EMPIRISCHE ERGEBNISSE: Analyse der empirischen Daten hinsichtlich sprachlicher Konstruktion, ritueller Praxis und gelebtem Werteverhalten in den Gemeinschaften.
6 FAZIT: KRITISCHE REFLEXION UND AUSBLICK: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und kritische Würdigung der gewonnenen Erkenntnisse sowie Vorschläge für weitere Forschung.
Intentionale Gemeinschaften, Transformationsräume, Performativität, Heterotopien, Liminalität, Soziale Konstruktion, Gemeinschaftsbildung, Qualitativer Forschungsansatz, Sozialgeographie, Werteverhalten, Soziale Kompetenz, Spiritualität, Gegenräume, Alltagsritual, Transformationskraft.
Die Arbeit untersucht intentionale Gemeinschaften in Deutschland und analysiert, inwieweit diese als "Räume der Transformation" dienen können, die alternative Lebensweisen jenseits der gesellschaftlichen Norm erproben.
Die zentralen Themen umfassen die sprachliche Konstruktion von Gemeinschaft, die Rolle ritueller Praktiken bei der Schaffung eines "Gegenraums" sowie das entstehende Werteverhalten (insbesondere soziale Kompetenz und ganzheitliche Denkweise) bei Mitgliedern dieser Gemeinschaften.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie intentionale Gemeinschaften durch ihre soziale und materielle Gestaltung einen Raum für transformative Entwicklungen bieten, anstatt nur eine rein beschreibende Kategorisierung der Gemeinschaften vorzunehmen.
Die Autorin nutzt einen qualitativen Forschungsansatz, der problemzentrierte und narrative Interviews mit Bewohnern von drei ausgewählten Gemeinschaften (Lebensgarten Steyerberg, ZEGG, Stamm der Likatier) umfasst.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Rahmung (Performativität, Heterotopien, Liminalität) und die Analyse der empirischen Ergebnisse, wobei untersucht wird, wie Gemeinschaften sprachlich konstruiert werden, welche Rituale sie stabilisieren und welches transformative Potential in ihrem spezifischen Werteverhalten liegt.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Intentionale Gemeinschaften, Transformationsräume, Performativität, Heterotopien, Liminalität sowie die Begriffe Soziale Kompetenz und ganzheitliche Lebensweise.
Die Gemeinschaften werden als Gegenräume definiert, die sich bewusst durch Abgrenzung vom "Mainstream" und dessen Konsum- und Erfolgsdenken abheben. Gemeinschaft wird dabei als ein prozesshafter, durch soziale Interaktion und gemeinsame Werte konstituierter Raum verstanden, während die Gesellschaft als die "Außenwelt" begriffen wird.
Spiritualität wird nicht als feste religiöse Praxis verstanden, sondern als subjektiv erlebter Sinnhorizont und Verbundenheit zu Mensch und Natur, die als Basis für einen respektvollen Umgang miteinander und eine ganzheitliche Lebensweise dient.
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