Magisterarbeit, 2011
116 Seiten, Note: 1,3
1. Die Nutzung der Mainzer Zitadelle als städtebauliche Herausforderung
2. Identifikationspotenziale territorialer Bindungen im Zeitalter der Globalisierung
3. Begriffsdefinitionen
4. Derzeitiger Stand Regionaler Bewusstseinsforschung
5. Das Konzept der raumbezogenen Identität nach Weichhart
5.1 Identitätsbegriff
5.1.1 „Identification of“
5.1.2 „Being identified“
5.1.3 „Identification with“
5.2 Der Begriff der raumbezogenen Identität und das Problem der Maßstabsbezüge
5.3 Ergebnisse und Nutzenfunktionen raumbezogener Identität
5.3.1 Sicherheit
5.3.2 Aktivität und Stimulation
5.3.3 Soziale Interaktion
5.3.4 Individuation
6. Bedeutung von Identität im Stadtmarketing
6.1 Das Konzept der raumbezogenen Identität im Stadtmarketing
6.2 Ansätze der Identitätsforschung im Stadtmarketing
6.3 Nutzenpotenziale von Identität im Stadtmarketing
6.3.1 Integration
6.3.2 Systemstabilisierung
6.3.3 Motivation
6.3.4 Zielsurrogat
6.3.5 Differenzierungsfunktion
7. Methodisches Vorgehen
7.1 Auswahl der Interviewpartner
7.2 Gesprächsleitfaden
7.3 Durchführung und Datenverarbeitung
8. Zitadelle Mainz
8.1 Die Mainzer Zitadelle im Wandel der Zeit
8.1.1 Gründung des Legionslagers Mogontiacum (13 v. Chr.- 407 n. Chr.)
8.1.2 Kirchliche Nutzung des Jakobsbergs im Mittelalter
8.1.3 Dreißigjähriger Krieg und Schwedische Besatzungszeit
8.1.4 Entstehung der Zitadelle
8.1.5 Mainz als Festung in den Friedensjahren 1763 - 1792
8.1.6 Die „Vormauer des Reiches“
8.1.7 Österreichische und preußische Kaserne
8.1.8 Entfestigung versus Denkmalschutz
8.1.9 Funktionale Nutzung
8.2 Die Situation im Sommer 2011
8.2.1 Rechtliche Grundlagen – unvereinbare Gegensätze?
8.2.1.1 Der bauliche Zustand
8.2.1.2 Ökologische Mauersanierung als Chance?
8.2.2 Einrichtungen auf der Zitadelle
8.2.2.1 Das Stadthistorische Museum und die Arbeit des Fördervereins „Stadthistorisches Museum Mainz“
8.2.2.2 Das Garnisonsmuseum – ein Museum „zum Anfassen“
8.2.2.3 Das Zitadellencafé
8.2.3 Die Zitadelle als Event Location
8.2.3.1 Die Veranstaltungen und die Rolle der Initiative Zitadelle Mainz e.V. (IZM)
8.2.3.2 37 Jahre Open Ohr auf der Zitadelle
8.2.3.3 Die Zitadelle als Konzertstandort
9. Analyse der bestehenden Herausforderungen unter Berücksichtigung der individuellen Wahrnehmungen durch die Akteure
9.1 Die Zitadelle als bedeutendes kulturhistorisches Denkmal
9.2 Die Zitadelle als ein Denkmal unter Vielen
9.3 Die Zitadelle als schutzbedürftige Oase
9.4 Die Zitadelle als Festivalstandort mit Urwald
9.5 Die Zitadelle als Arbeitsplatz
10. Die Zitadelle als Alleinstellungsmerkmal im Stadtmarketing?
11. Der Streit um sinnvolle Konversion – ein unlösbarer Konflikt?
Die vorliegende Arbeit untersucht den Nutzungskonflikt an der Mainzer Zitadelle aus der Perspektive des Konzepts der raumbezogenen Identität nach Peter Weichhart. Ziel ist es zu analysieren, welche unterschiedlichen Identitätskonstrukte die beteiligten Akteure von der Zitadelle haben, wie diese ihre Einstellung zu verschiedenen Nutzungsarten prägen und welche Rolle diese Konstrukte im Rahmen des Stadtmarketings spielen.
8.1.1 Gründung des Legionslagers Mogontiacum (13 v. Chr.- 407 n. Chr.)
Im Rahmen der Konsolidierung des Römischen Reiches wurden am Rhein um etwa 13 v. Chr. etliche Legionslager gegründet. Neben Njimegen, Xanten, Vechten, Neuss, Bonn und Moers-Asberg gehörte Mainz zu den größeren Lagern, in denen zwei Legionen stationiert waren. Die Ortsauswahl der militärischen Befestigungsanlagen stand immer im direkten Zusammenhang mit den strategischen Verhältnissen der jeweiligen Region. Um möglichst schnell in die rechtsrheinischen Gebiete vordringen zu können, boten sich Flüsse an, die tief in das germanische Stammesgebiet hineinreichten (CÜPPERS 1990: 52 ff.). Die Flüsse dienten zudem als Verkehrswege und natürliche Grenzen. Dort, wo einst Mogontiacum gegründet wurde, hatten die Römer von den Anhöhen südwestlich des Rheins und Mains aus einen guten Überblick über das vor ihnen liegende Gelände und einen natürlichen Hochwasserschutz.
Das Legionslager auf dem Kästrich sollte als „Eingangspforte zum Herzen Germaniens“ dienen (BÖRCKEL 1913: 1); von hier aus sollten strategisch wichtige Angriffe über die Wetterau in feindliche Gebiete unternommen werden (CÜPPERS 1990: 55). Als der Feldherr und Stadtgründer von Mogontiacum Nero Claudius Drusus auf einem Feldzug im Jahr 9 v. Chr. an der Elbe verunglückte, wurde ihm zu Ehren auf der Anhöhe des Jakobsberges – auf dem Gelände der heutigen Zitadelle – ein 30m hohes Ehrenmal errichtet (vgl. auch BÖRCKEL 1913: 4; FISCHER 2004: 13; Initiative Zitadelle Mainz e.V. 2004: 8; KRAWIETZ 2002: 81; Landeshauptstadt Mainz 2011; PELGEN 2003: 3; RUPPRECHT 2004: 28; ZIETHEN 1998: 46).
1. Die Nutzung der Mainzer Zitadelle als städtebauliche Herausforderung: Einführung in die Problematik der Mainzer Zitadelle als Nutzungskonflikt zwischen Denkmal- und Landschaftsschutz.
2. Identifikationspotenziale territorialer Bindungen im Zeitalter der Globalisierung: Erörterung der Bedeutung von Heimat und regionalen Bindungen in einer globalisierten Welt.
3. Begriffsdefinitionen: Theoretische Klärung der Begriffe „Raum“ und „raumbezogene Identität“ für die Untersuchung.
4. Derzeitiger Stand Regionaler Bewusstseinsforschung: Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit identitätsstiftenden räumlichen Bezügen in der Geographie.
5. Das Konzept der raumbezogenen Identität nach Weichhart: Detaillierte Darstellung der Identitätsbildungsprozesse nach Weichhart und deren Nutzen für das Individuum.
6. Bedeutung von Identität im Stadtmarketing: Anwendung des Konzepts der raumbezogenen Identität auf die Vermarktung von Städten und deren Nutzenpotenziale.
7. Methodisches Vorgehen: Beschreibung des qualitativen Forschungsansatzes mittels Experteninterviews.
8. Zitadelle Mainz: Historischer Rückblick auf die Entwicklung der Zitadelle und Analyse der aktuellen Situation sowie deren Einrichtungen.
9. Analyse der bestehenden Herausforderungen unter Berücksichtigung der individuellen Wahrnehmungen durch die Akteure: Interpretation der Interviewergebnisse und Gruppierung nach Identitätskonstrukten der Akteure.
10. Die Zitadelle als Alleinstellungsmerkmal im Stadtmarketing?: Reflexion über die Zitadelle als historisches Bauwerk und touristisches Potenzial für die Stadt Mainz.
11. Der Streit um sinnvolle Konversion – ein unlösbarer Konflikt?: Zusammenführende Diskussion der Ergebnisse hinsichtlich der Nutzungspotenziale und der bestehenden Konflikte.
Zitadelle Mainz, raumbezogene Identität, Stadtmarketing, Denkmalschutz, Landschaftsschutz, Identitätskonstruktion, Nutzungskonflikt, städtebauliche Herausforderung, Experteninterview, Kulturdenkmal, Regionalbewusstsein, Identifikationspotenziale, historische Bausubstanz, Konversion.
Die Arbeit analysiert Nutzungskonflikte an der Mainzer Zitadelle, insbesondere den Widerstreit zwischen Denkmalschutz und Naturschutz/Landschaftsschutz, basierend auf dem theoretischen Konzept der raumbezogenen Identität.
Die Themenfelder umfassen die Identitätsforschung, die Rolle von Identität im Stadtmarketing, die historische Entwicklung der Zitadelle sowie die empirische Analyse von Akteurssichtweisen.
Das primäre Ziel ist es, die unterschiedlichen Identitätskonstrukte der Akteure bezüglich der Zitadelle zu identifizieren und zu verstehen, wie diese die Bewertung von Nutzungsmöglichkeiten beeinflussen.
Der Autor führt eine qualitative Erhebung in Form von Experteninterviews durch, um die subjektiven Wahrnehmungen und Identitätskonstrukte der betroffenen Akteure zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur raumbezogenen Identität und zum Stadtmarketing sowie einen empirischen Teil, der die historische Entwicklung und die aktuellen, teils konfliktgeladenen Nutzungsansprüche an die Zitadelle analysiert.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie raumbezogene Identität, Zitadelle Mainz, Nutzungskonflikt, Stadtmarketing und Denkmalschutz beschreiben.
Das Projekt wird zwar als zukunftsweisender, aber mühsamer Pilotversuch angesehen, wobei die Fronten zwischen den Akteuren aufgrund von Misstrauen und unterschiedlichen Prioritäten verhärtet blieben.
Die Vermarktung wird durch bauliche Schäden, finanzielle Engpässe, mangelnde öffentliche Bekanntheit und die konkurrierenden Nutzungsansprüche der dort untergebrachten Ämter erschwert.
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