Bachelorarbeit, 2010
45 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Macht der Bilder: Bild, Wahrnehmung und Realität
3. Fotos als Trophäen und Amulette
3.1. Knipser im Zweiten Weltkrieg
3.2. Lynchfotografie in Amerika
4. Der Krieg der Bilder: 9/11 und Abu Ghraib
4.1. Die neue Bildaktpolitik im asymmetrischen Krieg
4.2. Der „Biopictorial Turn“: Klonen und Terror
5. Der Umgang mit den Fotos: Waffen oder Beweise?
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Rolle und Funktion von Gewaltbildern aus der Täterperspektive. Es wird analysiert, wie Fotografien – von privaten Schnappschüssen im Zweiten Weltkrieg über Lynchjustiz in Amerika bis hin zum asymmetrischen Bilderkrieg der Moderne – als Trophäen, Amulette oder gezielte Waffen fungieren und inwiefern sie durch mediale Inszenierungen Realität konstruieren oder beeinflussen.
3.1. Knipser im Zweiten Weltkrieg
Die Frage, welche Bilder zu welchem Zweck gezeigt werden, ist essentiell. So werden Bilder durch die gesellschaftlichen Rahmungen und Normen automatisch und ständig zensiert. Welche Bilder gezeigt werden, hängt somit von den sozialen Gegebenheiten, Einstellungen und Zielsetzungen einer Gesellschaft beziehungsweise einer Regierung ab. Mit diesen Umbrüchen verändert sich mithin auch die Funktion, die diese Bilder erfüllen oder erfüllen sollen.
In der Vergangenheit dienten Bilder der Gewalt dabei meist als Trophäen („Sie zeigten, wen man geschlagen hatte.“), gleichermaßen aber auch als „Amulette gegen den eigenen Tod“. Und dies natürlich vor allem in Situationen, in denen das eigene Leben gefährdet war, wie zum Beispiel im Krieg.
Dass man in den Brieftaschen gefangener oder toter deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg Fotos von Hinrichtungen des Feindes und anderer Verbrechen fand, beweist, dass die Aufnahmen für die Soldaten von besonderem Wert gewesen sein und somit eine bestimmte Funktion für sie erfüllt haben müssen. Dies wird besonders mit dem Hintergrund deutlich, dass diese Fotografien trotz offiziellen Fotografierverbots heimlich „geknipst, gesammelt und getauscht“ wurden.
Da sie zum einen verboten waren und zum anderen als eines von wenigen Dingen direkt am Körper getragen wurden, liegt der Schluss nahe, dass die Fotos „nur für den privaten Gebrauch des Knipsers und für seine zukünftige Erinnerung bestimmt“ waren. Diesem Bedürfnis nach Erinnerung kommt jede Fotografie dadurch nach, dass sie das abgebildete Ereignis, wie bereits festgestellt, unablässig wiederholt und es somit auf Dauer festhält. Mehr noch versucht sie laut Roland Barthes, „einem kurzen Augenblick Ewigkeit zu verleihen und den Körper zum Bild werden zu lassen“. Denn im Unterschied zu anderen Bildern besitzt die Fotografie eine geradezu magische Dimension, da sie nicht einfach nur Abbild ist, sondern die vergangene Situation oder Person im Prinzip immer noch in einer „Lichtspur“ anwesend ist. Sie ist, mit Barthes’ Worten, eine „Emanation des Referenten“.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von Gewaltbildern ein und stellt die methodische Herangehensweise vor, um die Macht der Bilder im Kontext von Wahrnehmung und Realität zu analysieren.
2. Die Macht der Bilder: Bild, Wahrnehmung und Realität: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen der Bildwahrnehmung und zeigt auf, wie Bilder nicht bloß passiv abbilden, sondern aktiv Realität konstruieren.
3. Fotos als Trophäen und Amulette: Hier wird untersucht, wie Soldaten und Akteure in Lynchmorden Gewaltfotos zur Stärkung der eigenen Identität sowie zur Angstabwehr nutzten.
4. Der Krieg der Bilder: 9/11 und Abu Ghraib: Dieser Abschnitt analysiert den Wandel im asymmetrischen Krieg, in dem Bilder gezielt zur psychologischen Kriegsführung und als Ausdruck einer Klon-Logik eingesetzt werden.
5. Der Umgang mit den Fotos: Waffen oder Beweise?: Das Kapitel diskutiert die ethische Frage, ob Gewaltbilder aufgrund ihrer Wirkung zensiert oder zur Aufarbeitung historischer Unrechte zugänglich gemacht werden sollten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, durch kritische Distanz die von Tätern geschaffenen Bildrahmen zu entlarven.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.
Gewaltbilder, Täterperspektive, Bildakt, Lynchjustiz, Zweiter Weltkrieg, Abu Ghraib, Bilderkrieg, Biopictorial Turn, Klonen, Entmenschlichung, Wahrnehmung, Realität, Beweiskraft, Fotografie, Mediale Inszenierung.
Die Arbeit analysiert die Funktion von Fotografien, die Gewalt aus der Täterperspektive zeigen, und untersucht deren Macht im Kontext sozialer und politischer Rahmungen.
Die Themenfelder umfassen die Rolle von Bildern als „Trophäen und Amulette“, die Transformation von Gewaltfotos in asymmetrischen Kriegen sowie die Ethik der Darstellung von Gewalt.
Ziel ist es zu verstehen, wie und warum sich die Funktion von Gewaltbildern von einer privaten Erinnerungsstütze (Trophäen) hin zu einer massenmedialen Waffe im Klonkrieg entwickelt hat und wie der Betrachter damit umgehen kann.
Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Theorien zur Bildwissenschaft (z.B. Mitchell, Bredekamp, Sontag, Butler) auf historisches und zeitgenössisches Bildmaterial anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung historischer Beispiele (Knipser im Zweiten Weltkrieg, Lynchmord-Fotografien) und moderner Phänomene des „Krieges der Bilder“ (9/11, Abu Ghraib) sowie die ethische Diskussion über deren Veröffentlichung.
Wichtige Begriffe sind Gewaltbilder, Entmenschlichung, Bildakt, asymmetrischer Krieg und die Rolle der Fotografie als magisches oder instrumentelles Medium.
Während Knipser-Fotos eher für den privaten Gebrauch und die individuelle Angstabwehr der Soldaten dienten, wurden Lynchmord-Fotos als öffentliche Postkarten gezielt zur Verbreitung einer Ideologie und zur Terrorisierung der schwarzen Bevölkerung genutzt.
Der Begriff beschreibt die Wende innerhalb der visuellen Kultur, in der Bilder („Biobilder“) mit technologischen Neuerungen, Terror und dem Klonen verschmelzen, um die Realität aktiv mitzugestalten.
Die Entmenschlichung ist notwendig, um die begangenen Gewalttaten in ein „Feld wahrnehmbarer Realität“ zu rücken, in dem die Täter ihre Handlungen als gerechtfertigt oder sogar als moralisch überlegen betrachten können.
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