Magisterarbeit, 2011
145 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Themensuche: Welten und Realitäten
3. Dualität, Dualismus, Duplizität – über einen Forschungstopos
3.1. Aus der Forschung
3.2. Dualismus und Perspektivierung
3.3. Künstler und Philister
3.4. Zwischenfazit
4. Eine Annäherung: das ‚Textweltmodell’
4.1. Überlegungen: zur Definition
4.2. Textweltmodell und Erzähltheorie
5. Der ‚goldene’ und der ‚goldne’ Topf – zur Textgrundlage
6. Ein ‚Märchen’ in den ‚Fantasiestücken’ – einige Überlegungen zum Paratext
6.1. Paratext-Ebenen
6.1.1. Ein ‚Fantasiestück’
6.1.2. ‚Callot’s Manier’: ‚Jaques Callot’
6.1.2.1. Zum Inhalt
6.1.2.2. Zur Deutung und Übertragbarkeit
6.1.3. ‚Blätter aus dem Tagebuche eines reisenden Enthusiasten’
6.2. Ein Märchen
6.2.1. Das romantische Kunstmärchen
6.2.2. Das Hoffmann-Märchen
6.2.3. Exkurs: einige Anmerkungen über ‚Humor’ und ‚Ironie’
6.3. Die ‚Vigilien’
7. ‚Der goldene Topf’
7.1. Erste Vigilie
7.1.1. Erste Sätze
7.1.2. Das Paradies der Philister
7.1.2.1. Mythisierung realer Topographie
7.1.2.2. Das ‚Linkische Paradies’
7.1.3. Der ‚linkische’ Anselmus und sein Kampf gegen den Teufel
7.1.4. Zwischen den Welten
7.1.5. Das Holunderbaum-Erlebnis
7.1.5.1. Die Schlangen unter dem Holunderbaum
7.1.5.2. Naturoffenbarung
7.1.5.3. Bei Sonnenuntergang sind gute Töchter zuhause
7.2. Zweite Vigilie
7.2.1. Erwachen in der Bürgerwelt
7.2.2. Die brüchige Bürgerwelt: Heerbrand, die Paulmanns und die Elbe
7.2.3. Lindhorst
7.3. Dritte Vigilie
7.3.1. Einige Anmerkungen über den ‚Mythos’
7.3.2. Entzauberung oder Darstellungsproblem?
7.3.3. Perspektiven
7.4. Vierte Vigilie
7.4.1. Erste Metalepse: die Wahrheit der Gefühle und der Fakten
7.4.2. Ins Innere führt der Weg
7.4.3. der Archivarius, der Schlangenvater und der Geier
7.5. Fünfte Vigilie
7.5.1. Spuk im Hause Paulmann: Veronika in der Mythenwelt?
7.5.2. Die Rauerin
7.5.3. Veronika und die Rauerin: zwei Arten, eine Hexe zu sehen
7.6. Sechste Vigilie
7.6.1. Ein anderes Haus
7.6.2. Das Gewächshaus
7.6.3. Die Palmenbibliothek und der ‚goldene Topf’
7.6.4. Der Geisterfürst
7.7. Siebente Vigilie
7.7.1. Einflüsterungen
7.7.2. Zweite Metalepse: wenn der Leser eine Figur wäre …
7.7.3. Tee und ein nasser Mantel
7.8. Achte Vigilie
7.8.1. Fortschreitender Übergang des Anselmus
7.8.2. ‚Die Vermählung des Salamanders mit der grünen Schlange’
7.8.3. Anmerkungen über das ‚Schreibermotiv’
7.8.4. Überschneidungen
7.9. Neunte Vigilie
7.9.1. Rückkehr in die Philisterwelt: Veronikas Chance
7.9.2. Die Punschgesellschaft
7.9.3. Desillusion oder Zauberbann?
7.10. Zehnte Vigilie
7.10.1. Die dritte Metalepse: Wege in eine Flasche
7.10.2. Anselmus in der Flasche
7.10.3. Der letzte Kampf
7.10.4. Exkurs: Über Schuld, Sühne und das Äpfelweib
7.10.5. Fall und Himmelfahrt
7.11. Elfte Vigilie
7.11.1. Die Reinigung der Philisterwelt
7.11.2. Ein Traum wird wahr
7.11.3. Exkurs: Serpentina
7.11.4. Himmelfahrt Teil Zwei?
7.12. Zwölfte Vigilie
7.12.1. Die vierte Metalepse: Der sprachlose Erzähler
7.12.2. Der Student als Dichter
7.12.3. Bedenken eines Salamanders
7.12.4. Punsch und Feuergeist
7.12.5. Die Entrückung des Erzählers
7.12.6. Kein zweiter Anselmus
7.12.7. Meinungen und Wertungen
7.12.8. Erzähltheorie oder: wie viel Hoffmann ist ein Erzähler
7.12.9. ‚Doppelte Welten’
8. Exkurs: eine Strukturfrage
9. Exkurs: Die Rückkehr aus Atlantis
9.1. Anspielungen und Motivwiederholungen
9.2. ‚Erscheinungen’
10. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht eingehend die komplexen Erzähl- und Realitätsebenen in E. T. A. Hoffmanns „Der goldene Topf“. Das zentrale Ziel ist es, die systematische Ambivalenz des Werkes aufzuzeigen, die durch die Verschränkung einer realistisch gestalteten Dresdner Bürgerwelt mit einer mythisch-wunderbaren Sphäre entsteht. Dabei wird analysiert, wie Hoffmann durch den Einsatz von Erzählerfiguren, perspektivische Brechungen und das bewusste Spiel mit dem Paratext beim Leser eine ständige Unsicherheit über die ‚Wahrheit‘ der dargestellten Ereignisse evoziert und damit ein Textweltmodell schafft, das sich einer eindeutigen Deutung entzieht.
3. Dualität, Dualismus, Duplizität – über einen Forschungstopos
„Die Welt Hoffmanns kann nur in ihrer Dualität verstanden werden“, postuliert Hans Mayer als Grundlage jeden Zugangs zum Schaffen E. T. A. Hoffmanns. „Die Zweiteilung der Wirklichkeit als Dualität gegensätzlicher Raum- und Zeitvorstellungen“ bestimme als originärer Zug die Dichtung Hoffmanns (oder doch zumindest „gerade die wichtigsten Werke“) vom Erstling ‚Ritter Gluck’ bis zum ‚Meister Floh’ des Jahres 1822. Er veranschaulicht diese Einschätzung paradigmatisch am ‚Ritter Gluck’, denn „[d]ie Wirklichkeit Hoffmanns trägt im Gesamtwerk die gleichen Züge wie in dieser ersten meisterhaften Erzählung“:
Das Beunruhigende, nicht Aufzulösende dieser Erzählkunst liegt darin, daß beide Bereiche – die genau konturierte Wirklichkeit damaliger Zeit und die raum- und zeitlose Mythenwelt – stets unmittelbar miteinander und nebeneinander vorhanden sind. In der Berliner Wirklichkeit des Jahres 1809 kann es die Gegenwart des Komponisten Gluck nicht geben. In der mythischen Gegenwelt spricht nichts gegen diese Gegenwart […].
Es versteht sich wohl von selbst, dass Mayer die Hoffmannsche ‚Dualität’ auch in ‚Der goldene Topf’ findet.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Prominenz des ‚goldenen Topfes’ und die umfangreiche Forschung, die sich mit dem Werk beschäftigt hat, wobei sie die Notwendigkeit betont, eine eigene Zielstellung festzulegen.
2. Themensuche: Welten und Realitäten: Dieses Kapitel erörtert die verbreitete Auffassung, dass im ‚Topf’ zwei Welten – Wirklichkeit und Märchen – aufeinandertreffen, und stellt verschiedene Forschungspositionen dazu gegenüber.
3. Dualität, Dualismus, Duplizität – über einen Forschungstopos: Das Kapitel untersucht die etablierten Begriffe zur Beschreibung von Hoffmanns Weltbild und kommt zu dem Schluss, dass diese jenseits konkreter Texte schwer fassbar sind.
4. Eine Annäherung: das ‚Textweltmodell’: Hier wird das linguistische Konzept des Textweltmodells als Analysewerkzeug eingeführt, um zu zeigen, wie Fiktionen beim Lesen konstruiert werden, auch wenn sie uneindeutig bleiben.
5. Der ‚goldene’ und der ‚goldne’ Topf – zur Textgrundlage: Die Diskussion der Textgrundlage erörtert die Titelvarianten der ersten und zweiten Auflage und begründet die Entscheidung für die Erstausgabe von 1814.
6. Ein ‚Märchen’ in den ‚Fantasiestücken’ – einige Überlegungen zum Paratext: Dieses Kapitel widmet sich der Bedeutung des Paratextes, insbesondere der Rolle von Callot und des ‚Enthusiasten’, für die Wahrnehmung des Märchens innerhalb der ‚Fantasiestücke’.
7. ‚Der goldene Topf’: Das umfangreichste Kapitel führt eine detaillierte, vigilienweise Analyse durch, die das Wechselspiel von Wirklichkeit, Mythenwelt, Erzählerkommentaren und der Entwicklung von Anselmus und Veronika nachzeichnet.
8. Exkurs: eine Strukturfrage: Der Exkurs hinterfragt die chronologische Ordnung der Vigilien und diskutiert die ‚in sich verselbstständigten’ Teile des Werkes.
9. Exkurs: Die Rückkehr aus Atlantis: Dieser Abschnitt betrachtet intertextuelle Rückgriffe auf den ‚Topf’ in Hoffmanns weiteren Werken und die kurze Erzählung ‚Erscheinungen’.
10. Schluss: Das Fazit bekräftigt, dass das Werk keine eindeutige Lösung bietet, sondern durch eine systematische Ambivalenz geprägt ist, in der das Wunderbare durch ständige Relativierung ‚realer’ wird.
E. T. A. Hoffmann, Der goldene Topf, Phantastik, Realitätsebenen, Textweltmodell, Dualismus, Ambivalenz, Erzähltheorie, romantisches Kunstmärchen, Philister, Anselmus, Serpentina, Spiegelmotiv, Literaturgeschichte, Poetologie
Die Arbeit analysiert die Erzähl- und Realitätsebenen in E. T. A. Hoffmanns „Der goldene Topf“, um aufzuzeigen, wie das Werk eine systematische Ambivalenz zwischen Alltagswelt und mythischer Wunderwelt aufrechterhält.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Erzählstrukturen, dem Konzept des ‚Textweltmodells’, der Gattungsproblematik des Kunstmärchens sowie der Darstellung der Spannung zwischen Künstlertum und Philistertum.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass das Werk keine eindeutige Botschaft vermittelt, sondern durch ein ständiges Wechselspiel zwischen Illusion und Desillusionierung bewusst uneindeutig bleibt.
Die Arbeit nutzt narratologische und erzähltheoretische Ansätze, insbesondere das Konzept des Textweltmodells nach Schwarz-Friesel sowie Erkenntnisse der Erzähltheorie von Martinez und Scheffel, um die Textstruktur zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe (Dualismus, Textweltmodell) und eine detaillierte, vigilienweise Analyse des Primärtextes, ergänzt durch Exkurse zur Struktur und intertextuellen Bezügen.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Ambivalenz, Perspektivierung, Erzählerinstanz, Fiktionalität, ironische Brechung und die konstitutive Spannung der ‚doppelten Wirklichkeit’.
Der Philister wird nicht nur als soziales Klischee verstanden, sondern als Typus, der die Opposition zur poetischen Welt repräsentiert, wobei die Arbeit hervorhebt, dass Hoffmann seine Philister-Figuren durchaus differenziert und satirisch gezeichnet darstellt.
Die Arbeit arbeitet heraus, dass diese Differenzierung, wie sie bei Hoffmann angelegt ist, eine zentrale Rolle bei der Wahrnehmung und Einordnung der phantastischen Elemente durch die Figuren spielt und das Verständnis für die ‚doppelten Welten’ schärft.
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