Magisterarbeit, 2001
168 Seiten, Note: sehr gut
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Einleitung und Problemstellung
I. Grundlagen einer Systemtheorie der Interaktion
1. Interaktion: Eine begriffstheoretische Fixierung
2. Konstitutions- und Grenzbildungsprinzipien von Interaktionssystemen
2.1 Anwesenheit
2.2 Reflexive Wahrnehmung
2.3 Themen
3. Interaktion und Kommunikation
3.1 Kommunikation als elementare Operation alles Sozialen
3.2 Interpenetration: Zum Verhältnis von Kommunikation und Bewußtsein
4. Die Sinndimensionalität von Interaktionen
4.1 Die Sachdimension
4.2 Die Sozialdimension
4.3 Die Zeitdimension
4.4 Die Raumdimension
5. Gesellschaftstheoretische Perspektiven
5.1 Die Nichtidentität von Gesellschaft, Organisation und Interaktion
5.2 Rollendifferenzierung
II. Formanalytische und funktionssystemspezifische Dimensionen politischer Kommunikation
6. Macht als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium
7. Politische Codierung und Programmierung
8. Die Funktion und die Binnendifferenzierung des politischen Systems
III. Interaktion im politischen System der funktional ausdifferenzierten Gesellschaft
9. Parteienkommunikation
10. Politische Wahlen
11. Verwaltungskommunikation
11.1 Gesetzgebungsverfahren
11.2 Parlamentskommunikation
11.3 Regierungskommunikation
11.4 Kommunikation in der öffentlichen Verwaltung
12. Die Lobby und der Runde Tisch
Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Funktion politischer Kommunikation unter Anwesenden aus einer systemtheoretischen Perspektive. Ziel ist es, die mikrologischen Prozesse im politischen System mit Hilfe des systemtheoretischen Begriffsapparates zu rekonstruieren, um den Beitrag dieser Interaktionen zur Selbstproduktion und Aufrechterhaltung der Autopoiesis des Gesamtsystems zu bestimmen.
Die Sinndimensionalität von Interaktionen
Die folgenden Ausführungen greifen eine Thematik auf, die an Abstraktion kaum zu überbieten ist. Wir werden versuchen, sie für unser Anliegen auf eine verstehbare Stufe herunterzubrechen. Das Phänomen Sinn, und es ist in der Tat mehr eine Erscheinung als ein greifbarer Tatbestand, kann als Gegenstand wissenschaftlicher Zuwendung auf eine lange Karriere zurückblicken. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist so alt wie die Philosophie selbst und hat bis heute kein allgemeingültiges Paradigma hervorgebracht.
Aber auch die sozialwissenschaftliche Tradition hat die Relevanz dieses Phänomenbereichs erkannt und als Schlüsselbegriff, mit dem man soziale Vorgänge erklären und verstehen kann, hochstilisiert. Max Weber war daran interessiert, den subjektiv gemeinten Sinn, den Handelnde ihren Handlungen beilegen, nicht nur aktuell, sondern auch erklärend bzw. motivational verstehen zu können. Alfred Schütz ging diesbezüglich einen Schritt weiter und unterschied grundsätzlich zwischen dem subjektiv gemeinten Sinn, den der Handelnde seinem Handeln zugrunde legt, und dem objektiven Sinn, den ein anderer oder man selbst den appräsentierten Handlungszusammenhängen zurechnen kann. Für George Herbert Mead ist Sinn objektiv immer dann zurechenbar, wenn die Handlungsofferte von Ego sowie die darauffolgende Reaktion von Alter Ego den weiteren Verlauf der Handlungsphasen mitbestimmt.
Einleitung und Problemstellung: Hinführung zur Fragestellung, wie politische Kommunikation unter Anwesenden systemtheoretisch zu erfassen ist und welche Relevanz sie für das politische System hat.
I. Grundlagen einer Systemtheorie der Interaktion: Systematische Erarbeitung der theoretischen Basis, insbesondere der Konstitutionsbedingungen (Anwesenheit, Wahrnehmung) und der Sinndimensionen von Interaktionen.
II. Formanalytische und funktionssystemspezifische Dimensionen politischer Kommunikation: Analyse der Medialität des politischen Systems, insbesondere durch das Medium Macht, binäre Codierung und spezifische Entscheidungsprogramme.
III. Interaktion im politischen System der funktional ausdifferenzierten Gesellschaft: Anwendung der erarbeiteten Theorie auf spezifische Felder wie Parteienkommunikation, Wahlen, Verwaltung und Lobbyismus.
Systemtheorie, Interaktion, politische Kommunikation, Niklas Luhmann, Autopoiesis, Macht, Sozialsysteme, Sinndimensionen, Interpenetration, Entscheidungsfindung, funktionale Differenzierung, politische Organisation, Lobbyismus, Politik, Verwaltung.
Die Arbeit untersucht die Funktion und Relevanz politischer Interaktionen unter Anwesenden für die Aufrechterhaltung der Autopoiesis des politischen Systems innerhalb der modernen Gesellschaft.
Zentrale Themen sind die systemtheoretischen Grundlagen von Interaktion, die Analyse des politischen Systems als Funktionssystem und die Rolle von Kommunikation in diesem Gefüge.
Die zentrale Frage lautet: Welchen Beitrag leistet und welche Funktion hat die politische Kommunikation unter Anwesenden für das politische System und wie ist sie in die Selbstproduktion des Gesamtsystems eingebunden?
Die Arbeit basiert auf der Systemtheorie nach Niklas Luhmann und nutzt eine formanalytische Vorgehensweise, um soziale Prozesse interaktionstheoretisch zu rekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Interaktion, die Analyse machtpolitischer und parapolitischer Kommunikationsformen sowie spezifische Anwendungsfälle wie Parteien, Wahlen und Verwaltung.
Neben der Systemtheorie und Autopoiesis sind insbesondere Macht, Inklusion/Exklusion, Sinndimensionalität und der Begriff der Interpenetration entscheidend für die Argumentation.
Das Publikum wird nicht als Organisation, sondern als komplementäre Einheit definiert, die durch die Teilnahme an Wahlen und anderen Interaktionen Einfluss auf das politische System nimmt, ohne selbst formale Mitgliedschaftsregeln oder eine operative Geschlossenheit im Sinne von Organisationen zu besitzen.
Der Raum wird als vierte Sinndimension eingeführt, da physische Kopräsenz und die Besetzung von Stellen im Raum die Interaktion identifizierbar, markierbar und von anderen Systemen abgrenzbar machen.
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