Diplomarbeit, 2011
59 Seiten
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Spracherwerbstheorien
2.2 Regelhafte Sprachentwicklung
2.2.1 Frühkindliche Sprachentwicklung
2.2.2 Sprachentwicklung nach dem 24. Lebensmonat
2.3 Gestörte Sprachentwicklung
2.3.1 Spezifische Sprachentwicklungsstörung
2.3.2 Sprachentwicklungsverzögerung – Late Talkers
2.3.3 Ursachen und Prädiktoren der Sprachentwicklungsverzögerung
2.3.3.1 Das auditive Gedächtnis
2.3.4 Entwicklungsverläufe bei Late Talkers
2.3.5 Intervention bei Sprachentwicklungsverzögerung
2.4 Das Heidelberger Elterntraining
2.5 Die Heidelberger Sprachentwicklungsstudie
2.6 Fragestellung
3 Hypothesen
4 Methode
4.1 Stichprobe
4.1.1 Late Talkers
4.1.1.1 Interventionsgruppe
4.1.1.2 Wartegruppe
4.1.2 Kontrollgruppe
4.2 Erhebungsverfahren
4.2.1 Messzeitpunkt T1 (Prätest)
4.2.1.1 ELFRA-2
4.2.1.2 SETK-2
4.2.1.3 BSID-II-NL
4.2.2 Messzeitpunkt T4
4.2.2.1 AWST-R
4.2.2.2 SETK 3-5
4.2.2.3 K-ABC
4.2.2.4 SON-R 2.5-7
4.3 Datenauswertung
5 Ergebnisse
5.1 Kontrollanalysen
5.1.1 Soziodemographische Unterschiede zwischen Kontrollgruppe und Late Talkers
5.1.2 Unterschiede in nonverbalen kognitiven Fähigkeiten
5.2 Unterschiede zwischen sprachgesunden Kindern und Late Talkers mit 4 Jahren
5.2.1 Unterschiede im Sprachentwicklungsstand
5.2.2 Unterschiede in auditiver Gedächtnisleistung
5.3 Unterschiede zwischen den Aufholern in auditiver Gedächtnisleistung
5.4 Logopädische Behandlung
6 Diskussion
6.1 Befunde zum Sprachentwicklungsstand
6.2 Befunde zur auditiven Gedächtnisleistung
6.3 Befunde zur auditiven Gedächtnisleistung der Aufholer
6.4 Befunde zur logopädischen Behandlung
6.5 Methodik und Stichprobe
6.6 Künftige Forschungsfragen
7 Fazit
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die langfristige Effektivität des "Heidelberger Elterntrainings" (HET) zur Förderung von Late Talkers. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob sich ehemalige Late Talkers, deren Eltern eine elternzentrierte Frühintervention durchlaufen haben, im Alter von 4 Jahren hinsichtlich ihrer sprachlichen Fähigkeiten und ihrer auditiven Gedächtnisleistung von einer nicht intervenierten Wartegruppe sowie einer Kontrollgruppe sprachgesunder Kinder unterscheiden.
2.3.2 Sprachentwicklungsverzögerung – Late Talkers
Late Talkers sind Kinder mit verzögerter umschriebener Sprachentwicklung. Die Diagnose Late Talker wird in einem Alter von 2 bis 3 Jahren gestellt. Viele Late Talkers haben eine altersentsprechende Sprachrezeption, einige fallen jedoch durch Verzögerungen in Rezeption und Expression auf. Mit Prävalenzraten zwischen 10 und 20% (Klee et al., 1998; Rescorla, Grosfeld, West & Vane, 1989; Vigil, Hodges & Klee, 2005) sind Sprachentwicklungsverzögerungen eine der am häufigsten auftretenden Störungen im Kindesalter.
Die betroffenen Kinder fallen dadurch auf, dass sie sich entweder in den expressiven oder den rezeptiv-expressiven sprachlichen Fähigkeiten verzögert entwickeln. Diese Kinder haben keine neurologische Erkrankung, keine Hörstörung, keine Beeinträchtigung der Sprechorgane (zum Beispiel Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten), keine allgemeine Entwicklungsverzögerung (motorisch, kognitiv) und keine tief greifende Kommunikationsstörung (Autismus). Eine Sprachentwicklungsverzögerung muss von einer Sprachentwicklungsstörung unterschieden werden, welche üblicherweise erst im Alter von 3 Jahren diagnostiziert wird.
Erste Wörter werden von Late Talkers zwischen dem 18. und dem 24. Lebensmonat gebildet, bei normaler Sprachentwicklung tun Kinder dies zwischen dem 10. und 14. Lebensmonat (Penner, 2000). Auch der aktive Wortschatz vergrößert sich im Entwicklungsverlauf der Late Talkers nur sehr langsam. Die oben beschriebene Wortschatzexplosion bleibt entweder ganz aus oder tritt deutlich verzögert ein. Zum Zeitpunkt des zweiten Geburtstages sprechen Late Talkers nur wenige Einzelwörter und nutzen stattdessen oft vermehrt Mimik, Zeigegesten und symbolische Gesten zur Kommunikation. Da der aktive Wortschatz auch in der weiteren Entwicklung sehr langsam wächst, sprechen diese Kinder oft erst im Alter von 3 Jahren in Zwei- oder Dreiwortkombinationen. Buschmann et al. (2008) konnten zeigen, dass 20 bis 30% der Late Talkers zusätzlich zur verzögerten Sprachentwicklung auch Beeinträchtigungen im Sprachverständnis aufweisen.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Sprachentwicklungsverzögerungen ein und begründet die Relevanz der Untersuchung des Heidelberger Elterntrainings als präventive Maßnahme für Late Talkers.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen des Spracherwerbs, definiert Störungsbilder wie Late Talkers und beschreibt das Heidelberger Elterntraining sowie die Bedeutung des auditiven Gedächtnisses.
3 Hypothesen: Hier werden die Erwartungen an die langfristigen Auswirkungen der Intervention auf die sprachlichen Fähigkeiten und das auditive Gedächtnis der ehemaligen Late Talkers formuliert.
4 Methode: Dieses Kapitel beschreibt das Studiendesign, die Stichprobengruppen (Intervention, Warte, Kontrollgruppe) sowie die eingesetzten psychologischen Testverfahren zur Erfassung von Sprache und Kognition.
5 Ergebnisse: Die statistischen Auswertungen der Messungen zum Zeitpunkt T4 werden hier dargestellt, einschließlich der Analysen zum Sprachentwicklungsstand, der auditiven Gedächtnisleistung und der logopädischen Behandlung.
6 Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, in Bezug auf die Hypothesen bewertet, methodische Einschränkungen reflektiert und zukünftige Forschungsfragen abgeleitet.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Evidenz für die Wirksamkeit des Elterntrainings zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit frühzeitiger Diagnostik und Intervention.
Late Talkers, Sprachentwicklungsverzögerung, Heidelberger Elterntraining, HET, Sprachentwicklungsstörung, auditive Gedächtnisleistung, Frühintervention, Spracherwerb, Sprachdiagnostik, Langzeitstudie, phonologisches Gedächtnis, Interventionsgruppe, Wartegruppe, Sprachförderung, Prävention.
Die Arbeit untersucht die langfristige Effektivität des "Heidelberger Elterntrainings" (HET) bei Kindern, die im Alter von etwa 2 Jahren als Late Talkers identifiziert wurden.
Zentrale Themen sind die frühkindliche Sprachentwicklung, die Identifikation von Risikokindern, die Wirksamkeit elternzentrierter Frühinterventionen und die Rolle des auditiven Gedächtnisses für den Spracherfolg.
Die Forschungsfrage lautet, ob sich der Sprachentwicklungsstand und die auditive Gedächtnisleistung ehemaliger Late Talkers, deren Eltern am HET teilgenommen haben, 3 Jahre später von denen einer nicht intervenierten Wartegruppe und einer Kontrollgruppe unterscheiden.
Es handelt sich um eine kontrollierte Längsschnittstudie, bei der die Kinder zu verschiedenen Zeitpunkten mit standardisierten Testverfahren (wie SETK 3-5, K-ABC, AWST-R) untersucht und mittels univariater und multivariater Varianzanalysen statistisch ausgewertet wurden.
Der Hauptteil behandelt den theoretischen Hintergrund des Spracherwerbs, die detaillierte Beschreibung der Stichprobe und des HET-Programms sowie die methodische Durchführung und die statistische Auswertung der Ergebnisse.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Late Talkers, Sprachentwicklungsverzögerung, Heidelberger Elterntraining, auditive Gedächtnisleistung und Frühintervention charakterisieren.
Die Studie prüft die Theorie der "illusory recovery", wonach Kinder zwar in der Spontansprache unauffällig wirken können (Aufholer), aber dennoch verdeckte Defizite in komplexeren Bereichen wie der auditiven Gedächtnisleistung aufweisen.
Das auditive Gedächtnis gilt als grundlegende Voraussetzung für den erfolgreichen Erwerb von Wortschatz und Grammatik; die Autorin untersucht, ob Interventionen auch diesen kritischen Bereich nachhaltig verbessern können.
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