Magisterarbeit, 2011
130 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung – Die beschleunigte Gesellschaft
1.1. Vorstellung und Relevanz des Forschungsvorhabens
1.2. Aktueller Forschungsstand
1.3. Zielstellung und Forschungsfragestellung
2. Grundannahmen zur Betrachtung der Zeit
2.1. Zeit als Zeitbestimmung (Norbert Elias)
2.2. Zeit als Faktor ‚sozialer Beschleunigung’ (Hartmut Rosa)
2.2.1. Kritik der Sozialwissenschaften
2.2.2. Drei Ebenen des temporalen Vermittlungsprozesses
2.2.3. Die Paradoxien der Zeit
2.2.4. Soziale Beschleunigung
2.3. Zwischenfazit und Spezifizierung
3. Mechanischer Zeitbegriff
3.1. Objektive Natur-Ursprünglichkeit der Zeit
3.2. Der absolute und relative Zeitbegriff in den Naturwissenschaften
3.3. Die mechanische Zeit – Uhrzeit und Kalender
3.4. Zusammenfassung
4. Hermeneutischer Zeitbegriff
4.1. Mystische Zeitbestimmung und Chronotheologie
4.2. Philosophische Bestimmung der Zeit
4.2.1. Die Zeitvorstellung der Vorsokratiker bis zur Neuzeit
4.2.2. Die Zeit in der Philosophie der Neuzeit
4.2.3. Die Philosophie der Zeit im 20. Jahrhundert
4.3. Zusammenfassung
5. Psychologie der Zeit
5.1. Pionierzeit der Zeitpsychologie
5.2. Psychologie der Zeit heute
5.2.1. Zeitbewusstsein und Zeitwahrnehmung
5.2.2. Zeitperspektiven und Identität
5.3. Zusammenfassung und Ausblick
6. Kulturwissenschaftlicher Zeitbegriff
6.1. Kulturelle Zeitwahrnehmung
6.1.1. Biologische Zeit
6.1.2. Objektive Zeit
6.1.3. Subjektive Zeit
6.2. Soziale Zeit - Kultureller Umgang mit der Zeit
6.2.1. Zeitkultur und Zeitstruktur
6.2.2. Zeitnutzung im Kulturvergleich
6.2.3. Soziales Lebenstempo im Kulturvergleich
6.2.4. Wirkungen des sozialen Lebenstempo
7. Sozialer Wandel durch Beschleunigung
7.1. Symptome der ‚sozialen Beschleunigung’
7.1.1. Zeitnot und Innovation
7.1.2. Flexibilisierung und Synchronisationsbedarf
7.1.3. Mobilisierung und Medialisierung
7.1.4. Raum-zeitliche Entgrenzung und Selbstverlust
7.2. Auswirkungen der ‚sozialen Beschleunigung’
7.2.1. Privatheit und Beziehungen
7.2.2. Erziehung und Bildung
7.2.3. Nanokultur und Gleichzeitigkeit
7.2.4. Ökologie der Zeit statt Zeitökonomie
7.2.5. Zeitpolitik und Macht
7.3. Beschleunigungsbedingte Verhaltensregulierung
7.3.1. Zeitliche Handlungsregulierung
7.3.2. Zeitgestaltungskompetenz: Bewältigung statt Management
7.3.3. Entschleunigung
7.4. Prognosen zum sozialen Wandel der Zeitkultur
8. Fazit und ein Ausblick
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Phänomen der „sozialen Beschleunigung“ innerhalb der westlich-industrialisierten Gesellschaft kulturwissenschaftlich zu systematisieren und den faktischen Gehalt hinter alltagssprachlichen Phrasen zum Thema „Zeit“ zu ergründen. Die Forschungsfrage untersucht, wie sich die soziale Konstruktion von Zeit auf das individuelle, gesellschaftliche und interkulturelle Leben auswirkt.
3.2. Der absolute und relative Zeitbegriff in den Naturwissenschaften
„War die Vergeschichtlichung und Verzeitlichung der Natur eine der erkenntnistheoretischen Voraussetzungen des Evolutionsgedankens, so war es umgekehrt die Evolutionstheorie, die unsere Vorstellungen von Geschichte und Zeit in der Natur maßgeblich beeinflußt hat.“ (Wuketits 1993: 123)
Wuketits trifft eine hilfreiche Unterscheidung, indem er die organische von der kulturellen Evolution trennt. Erstere zeichnet sich durch Fehlen einer Zielintention aus, während die zweite auf einem „‚zwecksetzenden Bewußtsein’“ beruht (ebd.: 125). Weiterhin grenzt er die „technische“ als Sonderfall der „kulturellen“ von der „organischen“ Evolution ab: „In der Technik kann man heute zumindest im Prinzip die Funktion einer neuen Maschine oder Apparatur voraussagen, noch bevor diese gebaut ist und zum Einsatz kommt. [...] Demgegenüber macht sich die Wirkung evolutiver Änderungen im Bereich des Organischen erst sehr spät bemerkbar“ (ebd.: 126), wobei sich in der Postmoderne mehr denn je herausstellt, dass sich auch unvorhergesehene technischen Folgen menschlichen Handelns erst spät, manchmal zu spät, zeigen. Ein gutes Beispiel für die anhaltende Überschätzung der subjektiven Möglichkeiten zu Gunsten der Rechtfertigung des Objektivitätsanspruchs der Naturwissenschaften soll hier kurz angeführt werden. In: „Ursprüngliche und physikalische Zeit“ stellt Richter mit Weizsäckers Arbeiten zum „Aufbau der Physik“, die „Zeit in der mathematischen Naturwissenschaft“ hinsichtlich ihrem Zeitverständnis als ‚dichotom’ dar (Richter 1996). So führt er Weizsäckers ‚Prinzip der semantischen Konsistenz’ (Weizsäcker 2002: 221) an, welches besagt, dass ein „Vorverständnis über Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft [...] immer schon benutzt“ (Richter 1996: 71) wird. Richter (ebd.: 71ff.; Herv.i.O.) stellt diese Zeitmodi in 5 Thesen dar: 1) „Die Zukunft ist möglich“ und „nicht vorbestimmt“, denn bereits bevor sie physikalisch betrachtet wird, wissen wir „um sie“. 2) „Die Vergangenheit ist faktisch“, denn der „Wahrscheinlichkeitsbegriff [ist auf sie] von vornherein nicht sinnvoll anwendbar.“ 3) Dies gilt im „Sinne der semantischen Konsistenz“ (ebd.: 72; Herv.i.O.). Mit der These 4) will er die subjektive Erfahrungen als objektiv deklarieren, indem er meint: „daß das, was die Physik aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen will, ein notwendig Allgemeingültiges ist, so daß ich jederzeit und auch jedermann dieselben gesetzlichen Verbindungen herstellen kann.“
1. Einleitung – Die beschleunigte Gesellschaft: Einführung in die Relevanz der Zeitforschung und Skizzierung des Ziels, die soziale Konstruktion von Zeit als Phänomen der beschleunigten Gesellschaft zu untersuchen.
2. Grundannahmen zur Betrachtung der Zeit: Vorstellung zentraler theoretischer Ansätze von Norbert Elias und Hartmut Rosa, um die Problematik der sozialen Beschleunigung begrifflich zu fassen.
3. Mechanischer Zeitbegriff: Diskussion der objektiven, physikalischen Zeitauffassung sowie der Bedeutung von Uhrzeit und Kalender für die menschliche Alltagswelt.
4. Hermeneutischer Zeitbegriff: Analyse der historisch-philosophischen Bedeutung von Zeit, von der antiken Mythologie bis zu modernen Ansätzen.
5. Psychologie der Zeit: Untersuchung der subjektiven Zeitwahrnehmung, des Zeitbewusstseins und der Rolle von Zeitperspektiven für die Identitätsbildung.
6. Kulturwissenschaftlicher Zeitbegriff: Systematisierung der Zeit als kulturelles Phänomen, unter Berücksichtigung von biologischen, objektiven, subjektiven und sozialen Dimensionen sowie interkulturellen Vergleichen.
7. Sozialer Wandel durch Beschleunigung: Darstellung der Symptome und Auswirkungen sozialer Beschleunigung sowie Analyse von Strategien der Verhaltensregulierung wie Zeitmanagement und Entschleunigung.
8. Fazit und ein Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und kritische Reflexion über die Möglichkeiten eines bewussten Umgangs mit der Zeit in der Moderne.
Soziale Beschleunigung, Zeitmanagement, Kulturwissenschaft, Zeitwahrnehmung, Beschleunigungsgesellschaft, Zeitphilosophie, Zeitpsychologie, Identität, Zeiterfahrung, soziale Konstruktion, Zeitkultur, Chronobiologie, Lebenszeit, Weltzeit, Entschleunigung.
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema „Zeit“ und untersucht deren Auswirkungen auf das moderne Leben. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf dem Konzept der „sozialen Beschleunigung“ in der westlichen Gesellschaft.
Zentrale Themen sind der soziokulturelle Wandel der Zeitdeutung, der Einfluss der Zeitmessung auf das menschliche Verhalten, sowie der Vergleich zwischen individuellen Zeitperspektiven und kollektiven Zeitstrukturen.
Das Ziel ist eine systematische Aufarbeitung des Forschungsstandes zur Zeit, um das Gefühl der ständigen Zeitknappheit in unserer Gesellschaft als kollektives und nicht bloß als individuelles Versagen zu verstehen.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären kulturwissenschaftlichen Ansatz, der Theorien aus der Soziologie, Psychologie, Philosophie und Physik kombiniert, um ein umfassendes Verständnis der sozialen Konstruktion von Zeit zu entwickeln.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Zeit (Elias, Rosa), eine Untersuchung der unterschiedlichen Zeitbegriffe (mechanisch, hermeneutisch, psychologisch, kulturwissenschaftlich) und eine kritische Auseinandersetzung mit Beschleunigungsfolgen und Bewältigungsstrategien.
Zu den prägenden Begriffen gehören soziale Beschleunigung, Zeitmanagement, Zeitwahrnehmung, Identität, Beschleunigungsfalle, Zeitkultur und Zeitökologie.
Die Arbeit argumentiert, dass die Uhrzeit als mechanisches Instrument die menschliche Wahrnehmung von Zeit als autonom, quantitativ und teilbar geprägt hat, was wiederum den Druck zur ständigen Effizienzsteigerung verstärkt.
Im Gegensatz zum Zeitmanagement, das auf die Kontrolle und Optimierung der Zeit nach ökonomischen Prinzipien abzielt, fokussiert die Zeitbewältigung auf eine wechselseitige Anpassung des Individuums an die Umwelt, um Handlungsfähigkeit in einer dynamischen Welt zu erhalten.
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