Diplomarbeit, 2003
113 Seiten, Note: 1,3 (sehr gut minus)
0 Einleitung
1 Borderline-Persönlichkeitsstörung
1.1 Diagnostik, Symptomatik und Komorbidität
1.2 Prävalenz und Krankheitsbeginn
1.3 Ätiologische Aspekte
1.3.1 Biologische Befunde
1.3.2 Psychologische Einflussfaktoren
1.3.3 Soziale Faktoren
1.3.3.1 Familienstudien
1.3.3.2 Frühe Interaktionen in der Mutter-Kind-Dyade
1.3.3.2.1 Spiegelung positiver Affekte und Intersubjektivität
1.3.3.2.2 Containment negativer Affekte und Mentalisierung
1.3.3.2.3 Bindung
1.3.4 Resümierende Überlegungen
2 Selbstverletzendes Verhalten
2.1 Klassifikation, Definitionen, Übersicht
2.2 Offene Selbstverletzung bei BPS
2.2.1 Definition und Krankheitsbild
2.2.2 Prävalenz und Krankheitsbeginn
2.2.3 Auslöser und Ablauf der Selbstverletzung
2.2.4 Psychodynamik und Funktionen selbstverletzenden Handelns
2.2.4.1 Intrapersonale Bedeutungen und Funktionen
2.2.4.2 Interpersonale Bedeutungen und Funktionen
3 Offene Selbstverletzung bei BPS – Ein Fallbeispiel
3.1 Biographie: Alexa B.
3.1.1 Die ersten sechs Lebensjahre
3.1.2 Schulzeit
3.1.3 Erwachsenenalter
3.2 Borderline: Ein Leben ohne Beständigkeit und Identität
3.2.1 Pseudohalluzinationen und intensive Phantasietätigkeit
3.2.2 Selbstverletzendes Verhalten
3.3 Diskussion
3.3.1 Geteilte Umwelterfahrungen
3.3.2 Ungeteilte Umwelterfahrungen
3.3.3 Kindheits- und Bindungserfahrungen der Eltern
3.3.4 Protektive Faktoren
3.3.5 Psychopathologie
4 Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des selbstverletzenden Verhaltens im Kontext der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). Ziel ist es, den komplexen Zusammenhang zwischen der Grunderkrankung und den selbstschädigenden Symptomen zu klären, insbesondere im Hinblick auf die psychodynamischen Funktionen und die entwicklungsgeschichtliche Genese dieses Verhaltens.
2.2.4 Psychodynamik und Funktionen selbstverletzenden Handelns
Der Psychiater und Psychotherapeut Ulrich SACHSSE ist nach mehrjähriger Behandlung von selbstverletzenden, meist Borderline-Patientinnen zu dem Schluss gekommen, dass das Symptom eine Reihe von Ich-schützenden, selbsterhaltenden Funktionen beinhaltet, die sich wie eine „Plombe“ über die defizitären Bereiche des Ichs legen, um es vor weiteren Schäden und noch größerer Labilität zu bewahren.
Psychodynamisch gesehen ist die Situation vor der Verletzung dergestalt, dass die Betroffenen dem Ansturm verschiedener negativer Affekte aufgrund mangelnder Regulationsfähigkeit nicht gewachsen sind und damit Gefahr laufen, aus ihrem Zustand höchster Erregung, nicht wieder herauszufinden:
Der Selbstschädigungsimpuls ist ein Signal dafür, dass das Ich zu dekompensieren droht. Es ist aufgrund seiner niedrigen Frustrations-, Angst- und Ambivalenztoleranz nicht mehr in der Lage, innerseelische oder interpersonelle Konflikte zu ertragen und Kompromisse zu schließen zwischen den innerseelischen Instanzen und den Anforderungen der Realität. ... [Den Patientinnen] droht ... in Überlastungssituationen eine Fragmentierung.
Mit Hilfe der Selbstverletzung werden beginnende Ich-Dekompensationen abrupt beendet, die Patientinnen finden wieder zu sich selbst und erreichen eine – wenn auch meist nur vorläufige – Beseitigung ihrer unangenehmen Affekte. „Selbstverletzung ist als ein archaisches Aktionsmuster aufzufassen, das simultan mehrere Zwecke erfüllt“.
0 Einleitung: Vorstellung der Thematik des selbstverletzenden Verhaltens als psychosoziales Phänomen und Darlegung des Fokus auf die Borderline-Persönlichkeitsstörung.
1 Borderline-Persönlichkeitsstörung: Umfassende Analyse der Symptomatik, Diagnostik und ätiologischen Konzepte unter Berücksichtigung biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren.
2 Selbstverletzendes Verhalten: Definition und Klassifikation von selbstverletzendem Verhalten sowie detaillierte Untersuchung der Funktionen und der Psychodynamik aus intrapersonaler und interpersonaler Perspektive.
3 Offene Selbstverletzung bei BPS – Ein Fallbeispiel: Fallanamnese von Alexa B. zur praktischen Anwendung und Diskussion der theoretischen Erkenntnisse bezüglich Identität, Bindung und Psychopathologie.
4 Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung der Hypothese, dass selbstverletzendes Verhalten komplexe selbsterhaltende Funktionen erfüllt.
Borderline-Persönlichkeitsstörung, Selbstverletzendes Verhalten, Psychodynamik, Bindungstheorie, Mentalisierung, Affektregulation, Trauma, Identitätsstörung, Containment, Ich-Funktionen, Kindheitsentwicklung, Impulskontrolle, Suizidalität, Fallbeispiel, Psychopathologie.
Die Arbeit untersucht das offene selbstverletzende Verhalten bei Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und beleuchtet die Hintergründe dieser Symptomatik.
Die Arbeit behandelt die Genese der Borderline-Störung, die Bedeutung von Bindungserfahrungen, die Funktion des Selbstschädigungsverhaltens sowie die psychodynamischen Aspekte der Symptomatik.
Das Ziel ist es, aufzuklären, inwiefern das selbstverletzende Verhalten als notwendige Bewältigungsstrategie oder „selbsterhaltende Funktion“ für betroffene Individuen zu verstehen ist.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die durch eine ausführliche Einzelfallanalyse (Fallbeispiel Alexa B.) empirische und klinische Konzepte illustriert und diskutiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Ätiologie der Borderline-Störung, eine Analyse der Psychodynamik des selbstverletzenden Verhaltens und eine intensive Diskussion anhand der Biographie einer Betroffenen.
Zentrale Begriffe sind neben Borderline-Persönlichkeitsstörung vor allem Bindung, Mentalisierung, Affektregulation, traumatische Kindheitserfahrungen und das Konzept des Containments.
Die Arbeit postuliert, dass Störungen in der frühen dyadischen Interaktion, wie mangelnde Spiegelung oder fehlendes Containment negativer Affekte, die Entwicklung einer stabilen Ich-Identität massiv behindern können.
Das selbstverletzende Verhalten wird als archaisches Aktionsmuster beschrieben, das bei drohender Ich-Fragmentierung in akuten Stresssituationen entlastend wirkt und dem Patienten hilft, Spannungszustände vorübergehend zu regulieren.
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