Hausarbeit, 2012
21 Seiten
1. Einleitung
2. Der Übergang zur Legitimation durch Wohlstand
3. Die Ökonomisierung des Denkens
3.1 Begriff und Möglichkeit
3.2 Ausmaß und Effekte
3.3 Das BIP als universeller Maßstab von Gesellschaften
4. (Un-)Zufriedenheit mit dem demokratischen System
5. Die Rennaissance der Autokratie?
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht die These, dass eine schleichende Ökonomisierung des Denkens die demokratische Legitimation in westlichen Gesellschaften gefährdet, indem sie das politische Wohlbefinden einseitig auf materiellen Wohlstand und Wirtschaftswachstum reduziert. Vor dem Hintergrund des Aufstiegs autoritärer Staaten wird analysiert, wie diese Verengung des Blickwinkels die Zufriedenheit mit demokratischen Systemen untergräbt.
3.2 Ausmaß und Effekte
Analysen zu Ausmaß und Effekten der Ökonomisierung einzelner gesellschaftlicher Teilbereiche sind in großem Maße verfügbar, kommen jedoch teilweise zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Kirchgässner beispielsweise schlussfolgert, dass „das Gespenst des Ökonomismus weit weniger bedrohlich ist, als es häufig wahrgenommen wird“ (Kirchgässner 1997: 147) und stellt zudem in Frage, ob eine Ökonomisierung denn überhaupt negative Auswirkungen hätte. So hatte zum Beispiel die Durchsetzung eines finanziellen Ausgleichs zur Wiederherstellung der Ehre nach einer Beleidigung im Vergleich zum vorher üblichen Duell mit möglicherweise tödlichem Ausgang erheblich positive soziale Folgen (Kirchgässner 1997: 143).
Bergmann hingegen steht exemplarisch für einen eher gemäßigten Befund der Auswirkungen ökonomomischen Einflussgewinns. Als Hypothese für die Mikro-Ebene des so genannten Arbeitskraftunternehmers behauptet er eine „Ausrichtung des alltäglichen Lebenshintergrundes auf die Erwerbssphäre [...], insofern eine bewusst entwickelte und effizient organisierte Alltagsorganisation Orientierungen an traditionellen familiären oder Freizeit-orientierten Werten ablöst“ mit der Folge einer umfassenden Rationalisierung des Handelns auf Basis zeitökonomischer Mechanismen und einer zunehmenden Aufhebung der Trennung von Arbeit und Privatspähre (Bergmann 2011: 49/50). Im Ergebnis stellt er zwar durchaus eine verstärkte Orientierung an Effizienz und Leistungsvergleichen mit Anderen, aber insgesamt auch die relativ hohe Wertschätzung der Privatsphäre gegenüber ökonomischen Prinzipien „trotz oder gerade wegen Ökonomisierungstendenzen in [der] gesellschaftlichen Umwelt“ fest (Bergmann 2011: 180/181).
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die verschiedenen Bedrohungen der Demokratie und führt in die zentrale Problemstellung der zunehmenden Ökonomisierung des Denkens als Bedrohung der demokratischen Grundwerte ein.
2. Der Übergang zur Legitimation durch Wohlstand: Dieses Kapitel erläutert den historischen Wandel demokratischer Legitimation, die sich zunehmend von Partizipationsrechten auf die Erzielung ökonomischer Output-Erfolge verlagert hat.
3. Die Ökonomisierung des Denkens: Das Kapitel analysiert, wie ökonomische Logiken in nicht-ökonomische Teilsysteme eindringen, wobei insbesondere die Rolle des BIP als dominanter, aber unzureichender Wohlstandsindikator kritisch hinterfragt wird.
4. (Un-)Zufriedenheit mit dem demokratischen System: Hier wird der Zusammenhang zwischen ökonomischer Performance und der Zufriedenheit der Bürger mit dem demokratischen System sowie der damit verbundenen sinkenden politischen Partizipation untersucht.
5. Die Rennaissance der Autokratie?: Das Kapitel beleuchtet den Systemwettbewerb mit aufstrebenden Schwellenländern und diskutiert, inwiefern der Erfolg autokratischer Modelle eine Herausforderung für westliche Demokratien darstellt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine Neudefinition des Wohlstandsbegriffs, um der schleichenden Demokratieentleerung entgegenzuwirken.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen Quellen.
Ökonomisierung, Demokratie, Legitimation, Wohlstand, Bruttoinlandsprodukt, BIP, Wirtschaftswachstum, Systemwettbewerb, politische Partizipation, Politikverdrossenheit, Autokratie, Wohlfahrt, gesellschaftlicher Fortschritt, Neoliberalismus, soziale Integration.
Die Arbeit befasst sich mit der Bedrohung der modernen Demokratie durch eine fortschreitende Ökonomisierung des gesellschaftlichen Denkens.
Zentrale Themen sind die Legitimation durch wirtschaftlichen Wohlstand, die Kritik am BIP als Maßzahl und der Wettbewerb zwischen Demokratien und autokratischen Systemen.
Das Ziel ist es zu ergründen, ob und wie die einseitige Ausrichtung gesellschaftlichen Handelns an ökonomischen Indikatoren die Stabilität und Zufriedenheit mit demokratischen Systemen gefährdet.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und Literaturrecherche politikwissenschaftlicher und soziologischer Ansätze zur Legitimation und Systemtheorie.
Der Hauptteil analysiert den Prozess der Ökonomisierung, die Problematik des BIP-Indikators sowie die empirisch nachweisbare Unzufriedenheit innerhalb westlicher Demokratien.
Die wichtigsten Begriffe umfassen Ökonomisierung, demokratische Legitimation, Wohlstandsbegriff, BIP-Kritik und den Systemwettbewerb mit autokratischen Staaten.
Das BIP ignoriert nicht-monetäre Tätigkeiten, soziale Schäden und defensive Ausgaben, weshalb es eine Wohlfahrt suggeriert, die mit der tatsächlichen Lebensqualität nicht übereinstimmt.
Ihr wirtschaftlicher Erfolg bei gleichzeitigem Verzicht auf demokratische Strukturen stellt das liberale Modell in Frage und bietet eine attraktive, autoritäre Alternative im Systemwettbewerb.
Die Arbeit schlägt eine Neudefinition des Wohlstandsbegriffs vor, die soziale und nicht-ökonomische Faktoren stärker einbezieht, warnt jedoch gleichzeitig vor der Trägheit neoliberaler Denkmuster.
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