Magisterarbeit, 2009
105 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Geschichte von Blaubart
2.1. Motivgeschichte
2.1.1. Die Legende von dem heiligen Gildas – 6. Jahrhundert
2.1.2. Das Blaubart-Motiv bis zum 19. Jahrhundert
2.1.3. 19. Jahrhundert: Don Juan und Blaubart – Zwei Erotomanen, die sich in der Literatur ablösen
2.1.4. Das Motiv zum Ende des 19. Jahrhunderts – Diskussionen um Gilles de Rais
2.1.5. Blaubart im 20. Jahrhundert
2.2. Der Sündenfall als Zentralmythos
3. Charles Perrault – Blaubart
3.1. Inhaltsangabe
3.2. Das Märchen – Verschiebung von Machtverhältnissen
3.3 Die Ehe in den Zeiten der Aufklärung – Das Patriarchat und die Macht der Männlichkeit
3.4. Verführung – Reichtum und Galanterie als Werkzeuge der Macht
3.5. Die verbotene Kammer – Das Nachgeben der Neugier
3.6. Sexualität
3.6.1. Der Schlüssel zur Macht gibt Aufschluss über die Sexualität
3.7. Blaubart als strafender Patriarch – Konstruktion einer mächtigen Fassade
3.7.1. Segen oder Fluch des blauen Bartes?
3.7.2. Das mächtige Männliche in der Frühen Neuzeit
3.7.3. Gewaltanwendung zur Untermauerung der Herrschaftsverhältnisse und die Macht über den Tod
3.8. Das Ende – Die Erlösung von Mann und Frau
3.9. Die Moral von der Geschichte – Die beabsichtigte Botschaft des Märchens
3.10. Blaubart – mächtiger Patriarch oder ohnmächtiges Opfer seiner Misogynie?
4. Max Frischs Blaubart – Wenn jemand sich selbst den Prozess macht
4.1. Entstehung von Blaubart und Einordnung des Stücks in Frischs Spätwerk
4.2. Inhaltsangabe
4.3. Formaler Aufbau
4.4. Das Aufschließen der dunklen Kammer
4.4.1. Wie sich Schaads Leben mit dem Freispruch ändert
4.4.2. Dr. Schaad – ein Blaubart, der sich immer schuldig fühlt
4.5. Justierung der Macht durch die Ehe – Eifersucht als Motor der Ohnmacht
4.6. Rosalinde – Die Prostituierte
4.7. Sexualität
4.7.1. Unerträgliche Männerphantasien
4.8. Metaphern und Träume als Ausdruck der sich steigernden Krise
4.9. Sprache der Macht – Macht der Sprache
4.10. Ein Mann verliert sich in seiner Ohnmacht – Eine Geschichte krisenhafter Identität
5. Der moderne Blaubart als Hoffnung der Frauen bei Dea Loher
5.1. Dea Loher und ihr Theater
5.2. Entstehungsgeschichte
5.3. Inhaltsangabe
5.4. form follows function – Formaler Aufbau des Dramas
5.5. Es hat sich nicht ergeben – Konstitution mittelmäßiger Männlichkeit
5.6. Konstitution von Weiblichkeit
5.6.1. Blaubarts Frauen – Ein sozialer Querschnitt
5.7. Die Macht der Liebe
5.8. Erlösung
5.8.1. Blaubart als Befreier von den Sehnsüchten der Frauen
5.8.2. Die Blinde – Letzte Liebe und Erlöserin
5.9. Das Maß aller Dinge – Ein Blaubart der an der Definition des Idealen scheitert
6. Blaubart im Wandel der Zeit – Männlichkeit zwischen Macht und Ohnmacht
6.1. Die Grundkonflikte und -motive in den Blaubart-Texten
6.1.1. Orientierung an Männlichkeitsidealen
6.1.2. Fehlende Paternität
6.1.3. Ehe als Konfliktherd
6.1.4. Der Verführer und die Jungfrau
6.1.5. Geheimnis
6.2. Die Rolle der Frauen – Darstellung starker oder schwacher Weiblichkeit?
6.3. Männliches und weibliches Schreiben über den Blaubart-Komplex
6.4. Bedeutung der Liebe und der Sexualität für Blaubärte
6.5. Der Wendepunkt – Die Schlüsselfrage
6.6. Kompensation von Ängsten und Enttäuschungen durch Gewalt
6.7. Konstitution von Maskulinität und Herausbildung einer Geschlechtsidentität
6.8. Fazit – Äußere Macht vs. innere Ohnmacht
Das primäre Ziel dieser Magisterarbeit ist die Untersuchung der literarischen Figur des Blaubarts in drei ausgewählten Werken von Charles Perrault, Max Frisch und Dea Loher. Der Fokus liegt dabei auf der Konstitution von Männlichkeit und dem komplexen Spannungsverhältnis zwischen Macht und Ohnmacht, wobei analysiert wird, wie sich diese männliche Identitätskrise in destruktiven Verhaltensweisen gegenüber Frauen manifestiert.
3.5. Die verbotene Kammer – Das Nachgeben der Neugier
Die Erzählung dreht sich ganz zentral, und eigentlich mehr wie in einer Novelle als in einem Märchen, um das Paar und den verriegelten Raum. Aber diesmal ist es nicht so, daß die beiden zusammen in diesen Raum gehören, daß er ihr kleiner Kosmos wäre gegenüber dem Raum und der Ordnung aller andern. Vielmehr gehört das Zimmer nur dem Mann allein. Es ist der Frau verboten, unter der höchsten Strafe. Wenn sie die Tür öffnet, muß sie sterben.
Kurz nachdem Blaubart seine Frau dahingehend verführt hat, ihn zu ehelichen und mit ihm auf sein Anwesen zu ziehen, will er seine ihm Angetraute nach altbewährter Manier auf die Probe stellen. Zu diesem Zwecke kündigt er an, eine Reise unternehmen zu müssen, übergibt ihr alle Schlüssel für sämtliche Räume und erteilt ihr die Erlaubnis, bis auf eine Kammer, jedes Zimmer betreten zu dürfen: „’Öffnet nur alles, geht überall hin, aber dieses kleine Zimmer verbiete ich Euch zu betreten, und ich verbiete es Euch mit allem Nachdruck; solltet Ihr es dennoch öffnen, so hättet Ihr alle erdenklichen harten Strafen von meinem Zorn zu gewärtigen.’“
Doch die Neugier, in literarischen Texten oft als typisch weiblicher Motivationsträger angeführt, macht auch die Frau in Blaubart zu einer Frevlerin an Blaubarts Regeln als Hausherr: „Aber die Versuchung war so groß, daß sie ihrer nicht Herr wurde; so nahm sie den kleinen Schlüssel und öffnete zitternd die Tür des Gemachs.“ Wie schon Eva ist auch die Protagonistin in Blaubart nicht dazu fähig, gehorsam zu sein und ihre niederen Bedürfnisse zu unterdrücken, obwohl sie mit dem Zorn des Gatten rechnen muss, äquivalent zur Bestrafung Evas durch Gott.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das facettenreiche Motiv des Blaubarts ein und skizziert das zentrale Untersuchungsziel, das Verhältnis von Macht und Ohnmacht bei der Konstitution männlicher Identität in den gewählten Werken.
2. Die Geschichte von Blaubart: Dieses Kapitel beleuchtet die kulturgeschichtliche Entwicklung des Motivs, von frühen Ursprungsmythen wie der Legende des heiligen Gildas bis hin zu den psychologischen Diskursen des 20. Jahrhunderts.
3. Charles Perrault – Blaubart: Die Analyse des Märchens fokussiert auf die Etablierung des Prototyps, die Rolle des Patriarchats im 17. Jahrhundert und die Funktion des blauen Bartes als Symbol einer defizitären Männlichkeit.
4. Max Frischs Blaubart – Wenn jemand sich selbst den Prozess macht: Dieses Kapitel untersucht die Transformation des Stoffes in die Moderne, wobei die Rhetorik der Wahrheitsfindung und die Darstellung eines „Durchschnittsmannes“ in einer persönlichen Identitätskrise im Mittelpunkt stehen.
5. Der moderne Blaubart als Hoffnung der Frauen bei Dea Loher: Hier wird die Inszenierung von Eros und Thanatos in Lohers Drama betrachtet, in dem Blaubart weniger als aktiver Mörder, sondern als überforderter Hoffnungsträger für eine weibliche Projektionsfläche erscheint.
6. Blaubart im Wandel der Zeit – Männlichkeit zwischen Macht und Ohnmacht: Das abschließende Kapitel fasst die Analysen zusammen und verdeutlicht, dass sich das Muster der ohnmächtigen Männlichkeit wie ein roter Faden durch alle untersuchten Texte zieht.
Blaubart, Männlichkeitskrise, Macht und Ohnmacht, Patriarchat, Gender, Sexualität, Gewalt, Identitätskonstitution, Literaturwissenschaft, Perrault, Max Frisch, Dea Loher, Weiblichkeit, Eifersucht, Transformation.
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Figur des Blaubarts und untersucht, wie in verschiedenen Epochen und durch unterschiedliche Autoren eine männliche Identität konstruiert wird, die zwischen dem Anspruch auf Macht und einer tief sitzenden Ohnmacht schwankt.
Es werden das Märchen „Blaubart“ von Charles Perrault, der Roman „Blaubart“ von Max Frisch sowie das Drama „Blaubart – Hoffnung der Frauen“ von Dea Loher analysiert.
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, inwieweit das „Männliche“ in den Blaubart-Texten als fragile Fassade fungiert, die durch Gewalt und Unterdrückung kompensiert werden muss, und wie diese Dynamik die Interaktion mit den weiblichen Protagonistinnen beeinflusst.
Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zur Männlichkeitsforschung, Psychoanalyse und geschlechtsspezifischen Machtanalysen.
Im Hauptteil erfolgen die detaillierte Einzelinterpretation der drei Primärtexte, die Analyse der Symbolik (z.B. Bartfarbe, verbotene Kammer, Schlüssel) sowie ein vergleichender Blick auf die Entwicklung des Männlichkeitsbildes über die Jahrhunderte.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Machtdynamik, Identitätsverlust, soziale Konstruktion von Geschlecht (Gender), patriarchale Strukturen und die Dialektik von Eros und Gewalt charakterisiert.
Die Kammer wird nicht nur als Tatort der Gewalt interpretiert, sondern symbolisch als Seelenkammer des Mannes verstanden, in der verdrängte Traumata und die eigene psychische Impotenz verborgen sind.
Im Gegensatz zur Perrault-Vorlage, in der Blaubart ein klassischer Serienmörder ist, zeichnet Frisch den Blaubart als psychisch krisenhaften „Durchschnittsmann“ des 20. Jahrhunderts, der sich in einem fiktiven Prozess gegen die eigenen Schuldgefühle zur Wehr setzen muss.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

