Bachelorarbeit, 2011
33 Seiten, Note: 2,0
Vorwort
1. Einleitung
2. Zur Hermeneutik Schleiermachers
2.1. Die Zirkelbewegung im Ansatz Schleiermachers
3. Von Schleiermacher zu Heidegger
4. Erweiterung des Hermeneutikbegriffes bei Heidegger
4.1. Die Zirkelbewegung im Ansatz Heideggers
5. Gadamers Heidegger – Rezeption als Grundlage von „Wahrheit und Methode“
5.1. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Ansatz Schleiermachers
6. Zur Universalhermeneutik Gadamers
6.1. Der Universalitätsbegriff in „Wahrheit und Methode“
6.2. Gadamers argumentatives Vorgehen
7. Der Hermeneutische Zirkel in „Wahrheit und Methode“
8. Fazit
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung des „Hermeneutischen Zirkels“ von Schleiermacher über Heidegger bis hin zu Hans-Georg Gadamers Hauptwerk „Wahrheit und Methode“. Ziel ist es, Gadamers Position nicht isoliert, sondern als Teil einer philosophischen Tradition darzustellen und die spezifische Bedeutung der Zirkelbewegung für sein Verständnis von Verstehen und Universalhermeneutik herauszuarbeiten.
4.1. Die Zirkelbewegung im Ansatz Heideggers
In der Abhandlung des Zusammenhangs von „Verstehen und Auslegung“ (53) konstatiert Heidegger: „Das Verstehen betrifft als Erschlossenheit des Da immer das Ganze des In-der-Welt-seins. In jedem Verstehen von Welt ist Existenz mitverstanden und umgekehrt. Alle Auslegung bewegt sich ferner in der gekennzeichneten Vor-Struktur. Alle Auslegung, die Verständnis beistellen soll, muß schon das Auszulegende verstanden haben.“ (54) Und weiter: „Wissenschaftlicher Beweis darf nicht schon voraussetzen, was zu begründen seine Aufgabe ist. Wenn aber Auslegung sich je schon im Verstandenen bewegen und aus ihm her nähren muss, wie soll sie dann Wissenschaftliche Resultate zeitigen, ohne sich in einem Zirkel zu bewegen, zumal wenn das vorausgesetzte Verständnis überdies noch in der gemeinen Menschen- und Weltkenntnis sich bewegt?“ (55)
Da aber, so argumentiert Heidegger weiter, im Regelwerk der Logik der Zirkel grundsätzlich als Circulus Vitiosus angesehen wird, „bleibt das Geschäft der historischen Auslegung a priori aus dem Bezirk strenger Erkenntnis verbannt.“ (56) Dies hat dann zu (vergeblichen) Versuchen geführt, den Zirkel zu vermeiden oder in seiner Wirkung abzumildern, etwa, indem man sich mit weniger strengen Erkenntnismassstäben zufrieden gab etc. (57)
„Aber in diesem Zirkel ein vitiosum sehen und nach Wegen Ausschau halten, ihn zu vermeiden, ja ihn auch nur als unvermeidliche Unvollkommenheit „empfinden“, heißt das Verstehen von Grund auf missverstehen ...
Die Erfüllung der Grundbedingungen möglichen Auslegens liegt vielmehr darin, dieses nicht zuvor hinsichtlich seiner wesenhaften Vollzugsbedingungen zu verkennen. Das Entscheidende ist nicht, aus dem Zirkel heraus-, sondern in ihn nach der rechten Weise hineinzukommen.
Dieser Zirkel ist nicht ein Kreis, in dem sich eine beliebige Erkenntnisart bewegt, sondern er ist der Ausdruck der existenzialen Vorstruktur des Daseins selbst. Der Zirkel darf nicht zu einem vitiosum und sei es auch nur einem geduldeten herabgezogen werden. In ihm verbirgt sich eine positive Möglichkeit ursprünglichsten Erkennens, die freilich in echter Weise nur dann ergriffen ist, wenn die Auslegung verstanden hat, dass ihre erste, ständige und letzte Aufgabe bleibt, sich jeweils Vorhabe, Vorsicht und Vorgriff nicht durch Einfälle und Volksbegriffe vorgeben zu lassen, sondern in deren Ausarbeitung aus den Sachen selbst her das wissenschaftliche Thema zu sichern.“ (58)
1. Einleitung: Definiert den hermeneutischen Zirkel als zentrale geisteswissenschaftliche Problematik und skizziert das Ziel der Arbeit, ihn in den Kontext der Philosophie von Schleiermacher, Heidegger und Gadamer einzuordnen.
2. Zur Hermeneutik Schleiermachers: Erläutert Schleiermachers Ansatz, Hermeneutik als allgemeine Lehre zur Vermeidung von Missverständnissen zu konzipieren, und beleuchtet die Rolle der psychologischen Interpretation.
2.1. Die Zirkelbewegung im Ansatz Schleiermachers: Detailliert Schleiermachers Methode der Divination und Komparation als Rückgriff zwischen dem Besonderen und dem Allgemeinen.
3. Von Schleiermacher zu Heidegger: Beschreibt den Übergang vom Historismus und dem Dilthey’schen Verständnis der Hermeneutik hin zu Heideggers fundamentalontologischem Ansatz.
4. Erweiterung des Hermeneutikbegriffes bei Heidegger: Analysiert Heideggers Radikalisierung des Verstehens als Existenzial des in der Welt geworfenen Daseins.
4.1. Die Zirkelbewegung im Ansatz Heideggers: Zeigt auf, wie Heidegger den Zirkel von einer logischen Fehlerquelle zu einer ontologischen Vorstruktur des Verstehens umdeutet.
5. Gadamers Heidegger – Rezeption als Grundlage von „Wahrheit und Methode“: Untersucht den Einfluss Heideggers auf Gadamers Philosophie und seine Abkehr von der klassischen Methodenlehre.
5.1. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Ansatz Schleiermachers: Legt Gadamers Gründe für die Ablehnung des romantischen Hermeneutik-Konzepts dar.
6. Zur Universalhermeneutik Gadamers: Thematisiert Gadamers Ausweitung der Hermeneutik über die Geisteswissenschaften hinaus zu einem allgemeinen philosophischen Aspekt.
6.1. Der Universalitätsbegriff in „Wahrheit und Methode“: Beleuchtet die Bedeutung von Universalität und Sprache in Gadamers Denken.
6.2. Gadamers argumentatives Vorgehen: Beschreibt die methodische Vorgehensweise Gadamers und die zentrale Rolle des wirkungsgeschichtlichen Bewusstseins.
7. Der Hermeneutische Zirkel in „Wahrheit und Methode“: Führt die Analyse zusammen und untersucht Gadamers spezifische Ausarbeitung des Zirkelproblems in seinem Hauptwerk.
8. Fazit: Fasst die wesentlichen Transformationen des Begriffs des hermeneutischen Zirkels zusammen und resümiert dessen ontologische Bedeutung.
Hermeneutischer Zirkel, Hans-Georg Gadamer, Martin Heidegger, Friedrich Schleiermacher, Wahrheit und Methode, Verstehen, Auslegung, Wirkungsgeschichte, Vorurteil, Dasein, Universalhermeneutik, Faktizität, Ontologie, Existenzial, Geisteswissenschaften.
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung und die philosophische Bedeutung des Begriffs des „Hermeneutischen Zirkels“ im Kontext der Werke von Schleiermacher, Heidegger und Gadamer.
Zentrale Themen sind die Transformation des Hermeneutikbegriffs von einer methodischen Kunstlehre hin zu einer ontologischen Grundstruktur des menschlichen Daseins.
Das Ziel ist es, Gadamers Position zum hermeneutischen Zirkel im Rahmen der wirkungsgeschichtlichen Entwicklung darzustellen und aufzuzeigen, wie er den Zirkel als positive Struktur des Verstehens neu bewertet.
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche, hermeneutische Analyse, die zentrale Texte der genannten Philosophen komparativ und interpretativ auswertet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der hermeneutischen Ansätze von Schleiermacher und Heidegger, gefolgt von einer detaillierten Untersuchung der Heidegger-Rezeption bei Gadamer und seinem spezifischen Verständnis des Zirkels in „Wahrheit und Methode“.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hermeneutischer Zirkel, Vorurteil, Wirkungsgeschichte, Ontologie und Verstehen als Existenzial charakterisiert.
Während Schleiermacher den Zirkel als methodisches Regelwerk zur Vermeidung von Missverständnissen zwischen Subjekt und Objekt sieht, lehnt Gadamer diese Trennung ab und begreift den Zirkel als Ineinanderspiel zwischen der Bewegung der Überlieferung und dem Interpreten.
Der Zeitenabstand ermöglicht laut Gadamer erst die Unterscheidung zwischen wahren und falschen Vorurteilen, da er die Produktivität der Wirkungsgeschichte für das Verständnis eines Textes offenlegt.
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