Bachelorarbeit, 2010
49 Seiten, Note: 2,1
1 „Ich muß mich davon überzeugen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich“ - Einleitung
2 Die Stellung der Frau im Bismarck-Reich
2.1 Rechtsstellung der Frau im Preußischen Allgemeinen Landrecht
2.2 ‚Weiber weiblich, Männer männlich‘ – Frauen in der Gesellschaft
3 Frauenbilder in Fontanes Werken
3.1 Fontanes Frauenbild
3.2 „[…] die Geschichte der Frauen ist meist viel interessanter“ - Einige Romanfiguren
3.2.1 L’Adultera - Melanie van der Straaten und Effi Briest
3.2.2 Kranke Schönheit - Cécile
3.2.3 Einfache Leben - Lene und Stine
3.2.4 „Nebenfiguren sind immer das Beste“ - Frau Dörr und Pauline Pittelkow
3.3 Zwei, drei oder mehr Frauentypen?
4 Fontane - Realist und Gesellschaftskritiker? Vergleich von Realität und Werken
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Frauenrollen in ausgewählten Werken von Theodor Fontane vor dem Hintergrund der rechtlichen und gesellschaftlichen Lebenssituation von Frauen im Bismarck-Reich. Dabei wird analysiert, inwieweit Fontane mit seinen weiblichen Protagonisten realistische Frauenbilder zeichnet, Kritik an den patriarchalischen Strukturen übt oder idealisierte Charaktere schafft.
L’Adultera - Melanie van der Straaten und Effi Briest
Zwei junge Frauen geben sich einem ähnlichen Schicksal hin: Sie begehen Ehebruch, machen sich so vor der Gesellschaft schuldig und müssen mit den Folgen umgehen. Während Melanies Schicksal in L’Adultera 1882 mit scharfer Kritik und moralischer Entrüstung aufgenommen wurde, weckte Effi Briest 1895 Begeisterung und Lobeshymnen.
Die Hauptprotagonisten Melanie, „[ä]lteste Tochter Jean de Caparoux‘, eines Adligen aus der französischen Schweiz“, und ihr Ehemann Kommerzienrat Ezechiel van der Straaten werden im ersten Kapitel der Novelle einführend vorgestellt. Sie ist eine außergewöhnliche junge Frau, technisch und musikalisch gebildet, sprachlich begabt und auffallend schön: „Ihre heitere Grazie war fast noch größer als ihr Esprit und ihre Liebenswürdigkeit noch größer als beides. Alle Vorzüge französischen Wesens erschienen in ihr vereinigt.“ (LA 9) Doch Melanie empfindet „etwas wie Sehnsucht“, als sie gedankenverloren aus dem Fenster schaut, „als müsse es schön sein, so zu steigen und zu fallen und dann wieder zu steigen […]“ (LA 11). Nicht nur ein gewisses Freiheitsbedürfnis wird hieran deutlich, es ist auch als Vorausdeutung auf das Kommende zu verstehen. Melanie ist eine junge schöne Frau gesellschaftlich höheren Ranges, die für sich selbst den Anspruch auf Individualität einfordert, was - wie bereits herausgearbeitet - im 19. Jahrhundert nicht die Regel war, sondern geradezu mittels Gesetz versagt wurde.
1 „Ich muß mich davon überzeugen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich“ - Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach dem Konflikt zwischen weiblicher Individualität und gesellschaftlichen Konventionen vor und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2 Die Stellung der Frau im Bismarck-Reich: Dieses Kapitel analysiert die rechtliche Grundlage der Diskriminierung im Preußischen Allgemeinen Landrecht und das vorherrschende, durch Anstandsbücher und die Gesellschaft geprägte Frauenbild.
3 Frauenbilder in Fontanes Werken: Hier werden sieben ausgewählte Frauenfiguren aus Fontanes Romanen hinsichtlich ihres Charakters, ihrer Ehestellung und ihres Verhältnisses zur Gesellschaft analysiert.
4 Fontane - Realist und Gesellschaftskritiker? Vergleich von Realität und Werken: Dieses Kapitel bringt die Ergebnisse der vorangegangenen Teile zusammen, um zu klären, ob Fontane ein realistisches Gesellschaftsbild zeichnet oder idealisierte Vorbilder erschafft.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Frauenbilder zwar vordergründig ähneln, aber als Individuen auf unterschiedliche Weise an den gesellschaftlichen Normen scheitern oder (im Fall von Melanie) neue Wege finden.
Theodor Fontane, Frauenrollen, 19. Jahrhundert, Bismarck-Reich, Ehe, Gesellschaftskritik, Realismus, Ehebruch, Preußisches Allgemeines Landrecht, Frauenbewegung, Literaturanalyse, Weiblichkeit, Konventionen, Individualität, Romanfiguren.
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der gesellschaftlichen Stellung der Frau im 19. Jahrhundert und deren literarischer Darstellung in ausgewählten Romanen von Theodor Fontane.
Die Schwerpunkte liegen auf der rechtlichen Benachteiligung der Frau, den moralischen Konventionen des Bismarck-Reichs und der literarischen Gestaltung von Frauenfiguren, die aus den geltenden Rollenbildern auszubrechen versuchen.
Die Forschungsfrage lautet, ob Fontane mit seinen Frauenfiguren kritisch auf die sozialen Missstände seiner Zeit reagiert oder ob er lediglich idealisierte Wunschbilder erschafft.
Die Autorin nutzt eine textimmanente Analyse der Romane, kombiniert mit einer historischen Untersuchung des rechtlichen und soziokulturellen Kontextes der Zeit.
Der Hauptteil analysiert sieben zentrale Frauenfiguren, unterteilt in Gruppen wie Ehebrecherinnen, Arbeiterinnen und Nebenfiguren, und stellt diese in den Zusammenhang der zeitgenössischen Realität.
Die zentralen Schlagworte sind Frauenrollen, Fontane, Realismus, Ehe, Gesellschaftskritik und Konventionen.
Während Melanie es trotz des Ehebruchs schafft, ihre Identität zu wahren und sich in der Gesellschaft zu behaupten, zerbricht die kindlichere, stärker an Konventionen gebundene Effi Briest an ihrem Schicksal und dem gesellschaftlichen Ausschluss.
Cécile ist weder bloßes Opfer noch emanzipierte Rebellin; ihre Geschichte wird retrospektiv durch die Augen männlicher Protagonisten erzählt, was die verzerrte Wahrnehmung von Frauen durch gesellschaftliche Vorurteile verdeutlicht.
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