Bachelorarbeit, 2011
58 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Der Mikrokredit als Instrument der Armutsbekämpfung
Konzepteille Überlegungen
2.1 Definition des Armutsbegriffs
2.2 Finanzielle Unterversorgung als Armutsursache
2.3 Ursachen der finanziellen Unterversorgung
2.3.1 Adverse Selektion
2.3.2 Moral Hazard
2.3.3 Fehlende Sanktionsmittel
2.3.4 Hohe Tansaktionskosten
2.4 Der Mikrokredit als Weg aus der Armut
2.4.1 Definition
2.4.2 Kreditvergabemechanismen
2.4.2.1 Gruppenkreditvergabe
2.4.2.2 Individualkreditvergabe
2.4.3 Potenzielle Auswirkungen
3 Der Mikrokredit als Instrument der Armutsbekämpfung
Empirische Evidenz
3.1 Einführung
3.2 Methodologische Herausforderungen
3.3 Evaluationsdesigns und Ergebnisse
3.3.1 Quasi-experimentelle Designs
3.3.1.1 Die Coleman Methode
3.3.1.1.1 Ergebnisse: Village Banks in Thailand
3.3.1.1.2 Ergebnisse: Gruppenkredite in den Philippinen
3.3.1.2 Vergleich zwischen Alt- und Neukunden
3.3.1.2.1 Ergebnisse: Gruppenkredite in Zimbabwe
3.3.1.2.2 Ergebnisse: Gruppenkredite in Peru
3.3.1.3 Instrumentalvariablen
3.3.1.3.1 Ergebnisse: Gruppenkredite in Bangladesh
3.3.2 Experimentelle Designs
3.3.2.1 Analytische Grundlagen
3.3.2.2 Grenzen der Randomisierung
3.3.2.3 Randomisierung auf Zweigstellenebene
3.3.2.3.1 Ergebnisse: Gruppenkredite in Indien
3.3.2.3.2 Ergebnisse: Gruppenkredite in Marokko
3.3.2.4 Randomisierung auf Individualkreditnehmerebene
3.3.2.4.1 Ergebnisse: Individualkredite in Südafrika
3.3.2.4.2 Ergebnisse: Individualkredite in Philippinen
3.3.2.4.3 Ergebnisse: Kapitalzuwendungen in Sri Lanka
4 Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Die Arbeit untersucht den Beitrag, den Mikrokredite zur Armutsbekämpfung leisten können, indem sie sowohl die konzeptionellen Grundlagen der Mikrofinanzierung als auch die empirische Evidenz aus verschiedenen Wirkungsstudien analysiert.
2.3 Ursachen der finanziellen Unterversorgung
Mit Blick auf die fundamentalen Annahmen der Ökonomie überrascht es, dass MSEs keine ausreichende Kapitalversorgung erhalten. Denn unter der Annahme des abnehmenden Grenznutzens müssten Unternehmungen mit wenig Kapital in der Lage sein, höhere Renditen als kapitalstärkere Unternehmen zu erzielen. Diese Schlussfolgerung beruht auf der Prämisse einer konkaven Produktionsfunktion (siehe Abbildung 2) Die Konkavität ergibt sich aus der plausiblen Erwartung, dass Tätigen von Investitionen (z.B. in Sachkapital) Produktivitätssteigerungen zur Folge haben, jedoch mit jeder weiteren Investition bzw. Einheit an Sachkapital geringer ausfallen. Dieser Sachverhalt möge anhand des folgenden Beispiels verständlich werden.
Angenommen, ein Schneider investiert seine ersten 100 € in eine Nähmaschine, mit welcher er immense Produktionssteigerung erzielt, wodurch er ebenfalls mehr Güter verkauft bzw. höheren Gewinn erwirtschaftet. Die nächste Investition in Höhe von 100€, z. B. in die Anschaffung von elektrischen Scheren erhöht zwar erneut die Produktivität bzw. den Gewinn, jedoch in geringerem Maß als die Erstinvestition bzw. die Nähmaschine. Da die marginale Kapitalrendite mit jeder zusätzlichen Einheit an Kapital abnimmt, müssten kapitalschwache Unternehmen in der Lage sein, höhere Renditen zu erzielen als kapitalstarke Firmen. Hiervon ausgehend, folgert Lucas (1990), dass Kreditnehmer in Indien fähig seien, 58mal mehr für Kapital zu zahlen als ihre vermögenderen Nachbarn in den USA. Daraus ergibt sich die Frage, warum profitorientierte Investoren und Kreditinstitute die MSEs der Entwicklungsländer nicht ausreichend mit Kapital versorgen?
Die Neue Institutionenökonomik macht hierfür die Tatsache verantwortlich, dass der Kreditgeber weniger vertragsrelevante Informationen besitzt als der Kreditnehmer. Diese Informationsasymmetrie stellt Finanzintermediäre vor drei Schwierigkeiten: Adverse Selektion, Moral Hazard und hohe Transaktionskosten. Ein weiteres Problem ist das Fehlen geeigneter Sanktionsmittel zur Durchsetzung eines Darlehensvertrages.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Mikrokredite ein, erläutert die Vision Muhammad Yunus' und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des Beitrags von Mikrokrediten zur Armutsbekämpfung.
2 Der Mikrokredit als Instrument der Armutsbekämpfung: Dieses Kapitel widmet sich den theoretischen Ursachen finanzieller Unterversorgung und analysiert, wie Mikrokredite durch spezifische Mechanismen wie Gruppen- oder Individualkredite als Armutsbekämpfungsinstrument fungieren.
3 Der Mikrokredit als Instrument der Armutsbekämpfung: Der empirische Teil beleuchtet methodologische Hürden bei Wirkungsstudien und diskutiert detailliert die Ergebnisse verschiedener quasi-experimenteller sowie experimenteller Forschungsansätze weltweit.
4 Zusammenfassung und Schlussfolgerung: Das Abschlusskapitel resümiert die theoretischen und empirischen Erkenntnisse und ordnet das Potenzial von Mikrokrediten kritisch ein.
Mikrokredit, Armutsbekämpfung, Finanzielle Unterversorgung, Informationsasymmetrie, Adverse Selektion, Moral Hazard, Gruppenkreditvergabe, Individualkreditvergabe, Wirkungsstudien, Methodologische Herausforderungen, Entwicklungsländer, Mikrofinanzierung, Kapitalrendite, Evaluationsdesign, Randomisierung.
Die Arbeit untersucht, welchen Beitrag Mikrokredite zur Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern leisten können, wobei sowohl theoretische Konzepte als auch empirische Studien betrachtet werden.
Die zentralen Themen sind die ökonomischen Ursachen der finanziellen Unterversorgung von Kleinstunternehmern, die Funktionsweise von Kreditvergabemechanismen sowie die wissenschaftliche Bewertung ihrer Wirksamkeit anhand von Wirkungsstudien.
Das primäre Ziel ist es, durch eine Literaturübersicht fundierte Aussagen darüber zu treffen, inwiefern Mikrokredite tatsächlich dazu beitragen, die Einkommensarmut zu verringern und die Lebensumstände von Kreditnehmern nachhaltig zu verbessern.
Der Autor führt eine Literaturübersicht durch, in der er verschiedene ökonomische Wirkungsstudien (unter anderem solche mit quasi-experimentellen und experimentellen Forschungsdesigns) analysiert und vergleicht.
Im Hauptteil werden zunächst konzeptionelle Überlegungen zur Armut und zu Marktfeldern erläutert, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der empirischen Evidenz aus unterschiedlichen Regionen, um die Wirksamkeit der Mikrofinanzierung zu prüfen.
Zentrale Begriffe sind Mikrokredit, Armutsbekämpfung, Informationsasymmetrie, Adverse Selektion, Moral Hazard sowie die methodische Unterscheidung zwischen quasi-experimentellen und experimentellen Studien.
Der Autor differenziert zwischen Gruppenkrediten (Joint Liability Groups), die soziale Sicherungsmechanismen wie "Peer Selection" nutzen, und Individualkreditvergaben, die auf dynamischen Anreizsystemen basieren.
Das Konzept ist zentral, da es erklärt, warum Banken zögerlich bei der Kreditvergabe an Arme sind, da sie Probleme wie Adverse Selektion und Moral Hazard fürchten, die traditionell hohe Transaktionskosten verursachen.
Die Ergebnisse sind ambivalent: Während einige Studien positive Auswirkungen auf den Konsum oder Unternehmenswachstum feststellen, zeigen andere nur geringe oder keine signifikanten Effekte auf die Armutsreduzierung, was die Komplexität der Materie unterstreicht.
Der Autor erläutert Spillovers als das unerwünschte "Überschwappen" von Effekten der Kreditbehandlung auf die Kontrollgruppe, was die statistische Trennschärfe und damit die Aussagekraft von Wirkungsstudien gefährden kann.
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