Magisterarbeit, 2010
131 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
2 Forschungsstand
3 Vorgehensweise
4 Das Doppelperfekt
4.1 Die Funktion des Doppelperfekts Indikativ in der Gegenwartssprache
4.1.1 Das Doppelperfekt als Plusquamperfektersatz
4.1.2 Die Bedeutung ‚abgebrochener Zustand’
4.1.3 Die aspektuelle Bedeutung und die ‚weiter geltende Resultativität’
4.1.4 DPf zur Bezeichnung der „einfachen Vergangenheit“
4.2 Systeminterne Voraussetzung für das DPf: Das einfache Perfekt
4.3 Perfekt, Präteritum und Präteritumschwund
4.4 Analyse der historischen Doppelperfekt-Belege
4.5 Zusammenfassung zum Doppelperfekt
5 Das Doppelplusquamperfekt
5.1 Die Funktion des Doppelplusquamperfekts in der Gegenwartssprache
5.1.1 Die Bedeutung ‚Vor-Vorvergangenheit’
5.1.2 Die Funktion „einfache Vorzeitigkeit“
5.1.3 Die Bedingung „versetzter Referenzpunkt“
5.1.4 „Abgebrochener Zustand“ oder „abgebrochene Vollendung“
5.2 Systeminterne Voraussetzung: Das einfache Plusquamperfekt
5.3 Analyse der historischen Doppelplusquamperfekt-Belege
5.4 Zusammenfassung zum Doppelplusquamperfekt
6 Afinite Doppelformen
6.1 Allgemeines zum Vorkommen afiniter Konstruktionen
6.2 Afinite Doppelformen in der linguistischen Forschung
6.3 Analyse der historischen afiniten Doppelformen
6.4 Zusammenfassung zur afiniten Doppelform
7 Schlussfolgerung
8 Ausblick
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Entstehung, Entwicklung sowie die synchrone Bedeutung und Funktion von Doppelperfekt- und Doppelplusquamperfektbildungen im Deutschen diachron zu untersuchen und zu erklären. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Ursachen für das Auftreten dieser komplexen Perfektformen, insbesondere im Kontext von Sprachwandelprozessen wie dem Präteritumschwund.
4.4 Analyse der historischen Doppelperfekt-Belege
Insgesamt konnten anhand des Korpus 28 Doppelperfekte (von 38 finiten Doppelformen) mit sein und haben ermittelt werden. Die diachrone Verteilung stellt sich folgendermaßen dar:
Der früheste Beleg stammt demnach aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts:
(13) Item in desem Sexterne sall men vynden die geschychte ind verhandelunge, die van den ghenen, die sych noement van den geslechten, bynnen Coelne vurtzijtz verhandelt haint, darumb dat vplouffe ind mancherleye vngelucke bynnen der Stat van Coelne vntstanden gewest synt. [16]
Es handelt sich hier um ein sein-DPf aus dem Ripuarischen (Wmd.), also gerade nicht aus dem favorisierten Obd. Das doppelte Perfekt steht in einem Nebensatz und ist von einem terminativen bzw. ingressiven Verb gebildet. Aus der beschriebenen Handlungsfolge und den verwendeten Verbformen ergibt sich folgende Zeitstruktur:
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der doppelten Perfektbildungen und Zielsetzung der Arbeit.
2 Forschungsstand: Überblick über bisherige linguistische Ansätze und Theorien zur Entstehung und Funktion der untersuchten Formen.
3 Vorgehensweise: Beschreibung der Erstellung der diachronen Belegsammlung und der methodischen Herangehensweise.
4 Das Doppelperfekt: Detaillierte Analyse der Funktion, der systeminternen Voraussetzungen und der historischen Belege für das Doppelperfekt.
5 Das Doppelplusquamperfekt: Untersuchung der Funktionen und der historischen Beleglage speziell für das Doppelplusquamperfekt.
6 Afinite Doppelformen: Analyse der seltener behandelten afiniten Doppelformen und ihres Vorkommens in historischen Texten.
7 Schlussfolgerung: Zusammenführung der Ergebnisse und Einordnung in den theoretischen Kontext des Sprachwandels.
8 Ausblick: Vorschläge für zukünftige Forschungsarbeiten und noch offene Fragen.
Doppelperfekt, Doppelplusquamperfekt, Sprachwandel, Diachronie, Präteritumschwund, Aspekthypothese, Resultativität, Verbalkomplex, Tempussystem, Partizip II, Grammatikalisierung, Historische Linguistik, afinite Doppelformen, Resultativkonstruktion, Vorzeitigkeit.
Die Magisterarbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung der sogenannten doppelten Perfektbildungen (Doppelperfekt und Doppelplusquamperfekt) im Deutschen aus einer diachronen, also historisch-sprachwissenschaftlichen, Perspektive.
Zentrale Themen sind die synchrone Bedeutung und Funktion dieser Formen, deren diachrone Herausbildung sowie der Einfluss von Faktoren wie dem Präteritumschwund und verschiedenen Aktionsarten von Verben auf deren Gebrauch.
Ziel ist es, zu klären, warum und wie sich diese doppelten Perfektformen entwickelt haben und welche semantischen oder funktionalen Lücken sie im Tempussystem des Deutschen schließen.
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Analyse einer selbst erstellten diachronen Belegsammlung, die durch die Durchsicht historischer Korpora (wie dem BFnhdC und GerManC) gewonnen wurde, ergänzt durch eine theoretische Auseinandersetzung mit existierenden Forschungshypothesen.
Im Hauptteil werden das Doppelperfekt, das Doppelplusquamperfekt sowie die afiniten Doppelformen in separaten Kapiteln analysiert, unterteilt in ihre synchrone Bedeutung, systeminterne Voraussetzungen und die Analyse historischer Belege.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Doppelperfekt, Sprachwandel, Diachronie, Präteritumschwund, Resultativität und Grammatikalisierung aus.
Die Analyse zeigt, dass die Bedeutung der Doppelformen oft eng mit der Aktionsart der verwendeten Verben (terminativ vs. durativ) verknüpft ist, was für die Unterscheidung von Zustands- und Vorgangslesarten entscheidend ist.
Afinite Doppelformen – bei denen das finite Hilfsverb fehlt – machen einen bedeutenden Teil der Belegsammlung aus. Die Arbeit ordnet sie als elliptische Formen ein, die oft pragmatisch motiviert sind oder der stilistischen Bewahrung der Afinitheit im Nebensatz dienen.
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