Examensarbeit, 2002
88 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Annäherung an den Begriff des Mythos
3. Die Problematik der Darstellung von „Klassikern“ im Kinder- und Jugendtheater
4. Die Funktionalisierung der Medea des Euripides in Medeas Kinder
4.1. Handlung und Analyse
4.2. Die Wiederherstellung der alten Katharsisfunktion
4.3. Ergebnisformulierung
5. Iphigenie Königskind: Euripides Klassiker als eine Geschichte vom Erwachsenwerden.
5.2. Analyse der dramatis personae
5.2.1. Die Spaltung der Figur der Iphigenie
5.2.2. Die Darstellung der Erwachsenenfiguren
5.3. Für wen geht Iphigenie in den Tod?
5.4. Zur Funktion der attischen Tragödie im Drama
5.5. Zum Sprachgebrauch
5.6. Ergebnisformulierung
6. Von der Möglichkeit, das Tragische der antiken Stoffe auch für die „ganz Kleinen“ zumutbar zu machen: Ikarus! oder der Himmel ist blau und auch das Meer
6.1. Die theatralische Präsentation des antiken Stoffes
6.1.1 Aufbau und Inhalt
6.1.2. Die Affinität zum Kinderspiel
6.1.3 Die Wahrung der Balance zwischen Betroffenheit und Distanz
6.2. Die Abwendung von der Frage nach der Schuld
6.2.1. Der Freispruch des Ikarus
6.2.2. Der Freispruch des Vaters
6.2.3. Klärung der Schuldfrage
6.3. Ergebnisformulierung
7. Ödipus 2000: Eine Parabel vom postmodernen Menschen
7.1. Quelle und Inhalt
7.2. Der Schreibwettbewerb zu Ödipus 2000.
7.3. Vom Auffangen der pessimistischen Weltsicht der Jugendlichen
7.4. Möglichkeiten zur Identifikation
7.5. Ergebnisformulierung
8. Europa am Strand: Ein Stück vom Erwachen und Erleben der ersten Liebe
8.1. Quelle und Inhalt
8.2. Die Bedeutung der Mythendeutung C.G. Jungs für das Stück Europa am Strand
8.2.1. Die Mythendeutung nach Carl Gustav Jung
8.2.2. Die symbolische Deutung nach Jung am Beispiel des Märchens „La Belle et la Bête“
8.2.3. Übertragung der symbolischen Deutung nach C.G. Jung auf das Drama Europa am Strand
8.2.4. Die Bedeutung der Verwandlung des Zeus in Hinblick auf die psychologische Interpretation
8.2.5. Zusammenfassung der Ergebnisse der psychologischen Interpretation
8.3. Das Stück als Parodie auf den Egoismus des postmodernen Menschen
8.4. Schlussbemerkung
9. Zusammenfassung und Schlussbemerkung
Ziel der Arbeit ist es, die Rezeption antiker griechischer Mythen in modernen Stücken für das Kinder- und Jugendtheater zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Autoren diese klassischen Stoffe bearbeiten, welche inhaltlichen oder formalen Veränderungen sie vornehmen und ob diese Adaptionen für das junge Publikum zugänglich sind.
4.1. Handlung und Analyse
Da das Stück Medeas Kinder die Handlung der Tragödie aus der Perspektive der Kinder schildert, reduziert sich die Anzahl der Schauspieler von neun auf fünf Personen.
Schon bei der Aufführung des Personals des Stückes stehen die Figuren KLEIN-JASON, ein fünfjähriger Junge und KLEIN-MEDEA, ein neunjähriges Mädchen, der Bedeutung nach an erster Stelle, da ihre Perspektive der Geschehnisse die wichtigste ist. Dieser Perspektivenwechsel kommt bereits im Titel des Stückes zum Ausdruck. Die Kinder rücken ins Zentrum des Geschehens. JASON, der Vater der Kinder, wird als „vormals Held“ bezeichnet. Diese Formulierung verweist bereits auf die ironisch kritische Perspektive, aus der die Eltern dargestellt werden.
Dem eigentlichen Dramentext ist eine Übersicht über das gesamte Stück vorangestellt, in der bereits der ständige Wechsel zwischen Kinder- und Klassikerebene deutlich wird. Diese zwei Ebenen bestehen aufgrund der Funktionalisierung der Sprache in der „Kindertragödie“ sowie aus dramaturgischen Gründen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz antiker Mythen für die junge Generation und führt in das Untersuchungsziel ein, die Rezeption dieser Stoffe im Kinder- und Jugendtheater zu analysieren.
2. Annäherung an den Begriff des Mythos: Dieses Kapitel erörtert die theoretische Komplexität des Mythosbegriffs und die Herausforderung einer eindeutigen Definition im wissenschaftlichen Kontext.
3. Die Problematik der Darstellung von „Klassikern“ im Kinder- und Jugendtheater: Hier werden die kontroversen Diskussionen zur Verständlichkeit und didaktischen Vermittlung klassischer antiker Stoffe in der Theaterpraxis für Kinder und Jugendliche thematisiert.
4. Die Funktionalisierung der Medea des Euripides in Medeas Kinder: Das Kapitel analysiert, wie das Stück die Medea-Tragödie durch den Perspektivenwechsel auf die Kinder und eine spezifische sprachliche Gestaltung funktionalisiert.
5. Iphigenie Königskind: Euripides Klassiker als eine Geschichte vom Erwachsenwerden.: Hier steht die psychologische Aufarbeitung der Iphigenie-Figur sowie die Darstellung des Vaters im Vordergrund, wobei das Stück als Parabel auf das Erwachsenwerden gedeutet wird.
6. Von der Möglichkeit, das Tragische der antiken Stoffe auch für die „ganz Kleinen“ zumutbar zu machen: Ikarus! oder der Himmel ist blau und auch das Meer: Dieses Kapitel zeigt auf, wie durch Rollenspiel und den Einsatz von Alltagsrequisiten ein schwerer antiker Stoff für Kinder ab vier Jahren zugänglich gemacht wird.
7. Ödipus 2000: Eine Parabel vom postmodernen Menschen: Das Kapitel untersucht die moderne Adaption des Ödipus-Mythos, die sich mit gesellschaftlichen Ängsten und dem pessimistischen Weltbild heutiger Jugendlicher auseinandersetzt.
8. Europa am Strand: Ein Stück vom Erwachen und Erleben der ersten Liebe: Hier wird die psychologische Deutung der Sexualitäts- und Identitätsentwicklung anhand der Europa-Geschichte erläutert.
9. Zusammenfassung und Schlussbemerkung: Die abschließende Betrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Fähigkeit der behandelten Stücke, antike Stoffe für die heutige Lebenswelt produktiv nutzbar zu machen.
Antike Mythen, Kinder- und Jugendtheater, Medea, Iphigenie, Ikarus, Ödipus, Europa, Rezeption, Adaption, Katharsis, Psychologie, Erwachsenwerden, Schuldfrage, Identifikation, Theaterpädagogik.
Die Arbeit analysiert, wie moderne Kinder- und Jugendtheaterstücke antike griechische Stoffe aufgreifen, bearbeiten und für ein junges Publikum neu interpretieren.
Die Themen umfassen die Funktionalisierung antiker Tragödien, die Bedeutung von Kindheit und Erwachsenwerden, die Bewältigung von Familiendramen sowie die psychologische Entwicklung in der Pubertät.
Ziel ist es, Methoden zu beschreiben, wie Autoren mythische Vorlagen verändern, um sie für Jugendliche "brauchbar" zu machen und ihre aktuelle Relevanz herauszuarbeiten.
Es handelt sich um eine textimmanente Dramenanalyse, ergänzt durch psychologische Interpretationsansätze, insbesondere unter Rückgriff auf C.G. Jung und Freud.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen spezifischer Stücke, darunter "Medeas Kinder", "Iphigenie Königskind", "Ikarus!...", "Ödipus 2000" und "Europa am Strand".
Wichtige Begriffe sind antike Mythen, Rezeption, Theaterpädagogik, Katharsis, Identifikation und psychologische Entwicklung.
Das Stück vollzieht einen Perspektivenwechsel auf die Kinderfiguren und nutzt eine funktionale Trennung zwischen Kinder- und Erwachsenensprache, um den elterlichen Konflikt aus der Sicht der Kinder erfahrbar zu machen.
Die Autorin spaltet die Iphigenie-Figur in ein Kind und eine erwachsene Iphigenie auf; der Prozess, in dem sie ihre kindliche Seite ablegt, symbolisiert die notwendigen, aber schmerzhaften Schritte zum Erwachsenwerden.
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