Bachelorarbeit, 2011
59 Seiten
1. Einleitung
2. Eingrenzung des Begriffs Staatsverschuldung
2.1 Algebra der expliziten Staatsverschuldung
2.2 Implizite Staatsverschuldung
2.3 Tragfähigkeit der Staatsschulden
I. THEORIE
3. Ricardianisches Äquivalenztheorem
3.1 Kritik an dem ricardianischen Äquivalenztheorem
3.2 Ricardo-Barro-Äquivalenztheorem
4. "Neue Orthodoxie" und Buchanans Kritik
4.1 "Neue Orthodoxie"
4.1.1 Differenzierung zwischen privaten und öffentlichen Schulden
4.1.2 Differenzierung zwischen Inland- und Auslandstaatsverschuldung
4.1.3 Lastentragung der öffentliche Schulden durch verursachende Generation
4.2 Buchanans Kritik
4.2.1 Analogie zwischen privaten und öffentlichen Schulden
4.2.2 Betrachtung der Inland- und Auslandstaatsverschuldung
4.2.3 Lastentragung der öffentlichen Schuld durch zukünftige Generationen
5. Stellvertretertheorie
6. Die konventionelle Sicht: kurzfristige und langfristige Wirkung von öffentlichen Schulden
7. "Ponzi-Spiel"
II. EMPIRIE
8. Entwicklung und Schranken der Staatsverschuldung
8.1 Maastricht-Kriterien und Stabilitäts- und Wachstumspakt
8.1.1 No-Bail-Out-Klausel (Nichtbeistandsklausel)
8.1.2 Analyse der Schuldenproblematik Griechenlands
8.2 Sonstige Begrenzungsvorschläge
8.2.1 "Goldene Regel"
8.2.2 Insolvenzrecht für Staaten
9. Fazit
Die Arbeit analysiert theoretisch und empirisch die Staatsverschuldung innerhalb der europäischen Währungsunion, um zu untersuchen, unter welchen Bedingungen Verschuldung tragfähig ist und welche Auswirkungen sie auf makroökonomische Variablen sowie die intergenerationelle Lastenverteilung hat.
2.1 Algebra der expliziten Staatsverschuldung
Was unter Staatschulden zu verstehen ist, lässt sich am besten formal an der Budgetrestriktion zeigen. Staatschulden sind formal die akkumulierten Budgetdefizite der vorherigen Perioden zuzüglich Zinszahlungen. Ein Budgetdefizit ist die Differenz zwischen Schuldenstand am Ende der Periode t (Dt) und Ende der Periode t-1 (Dt-1).
∆D = Dt – Dt-1 = Budgetdefizit (Veränderung der Staatsverschuldung) [1]
Grundsätzlich kann das Budgetdefizit durch die Emission von Staatsanleihen auf dem Kapitalmarkt finanziert werden. Für die bisherig akkumulierten Budgetdefizite müssen Zinsen mit dem Zinssatz (i) an die Gläubiger bezahlt werden, da diese eine Entschädigung für ihre Opportunitätskosten verlangen. Dies wird durch das Produkt iDt-1 ausgedrückt. Der Term iDt-1 wird als Sekundärdefizit bezeichnet. Desweiteren besteht für manche Staaten die Möglichkeit, ihre Ausgaben über die monetäre Autorität (Zentralbank) direkt zu finanzieren. Dabei kauft diese Staatsanleihen und stellt dem Emittenten (Staat) das entsprechende Ausmaß an Zentralbankgeld, das real dem Betrag ∆M/P entspricht, zur Verfügung. ∆M bezeichnet das zusätzliche Geld und P das Preisniveau. Es bestehen für den Staat letztlich drei Einnahmemöglichkeiten: Steuern, Verschuldung am Kapitalmarkt und Notenbankfinanzierung. Es wird in den folgenden Ausführungen angenommen, dass die Zentralbank in der EWU, aufgrund der historischen Erfahrung des Missbrauchs, unabhängig von den Mitgliedstaaten agiert, und ausschließlich für die Geldversorgung zuständig ist und somit in den folgenden algebraischen Herleitungen nicht weiter berücksichtigt wird. Den aus den Anleihen resultierenden Zinszahlungen und Ausgaben für Güter und Dienstleistungen (G) stehen die direkten fiskalischen Einnahmen, beispielsweise Steuern (T) und Gebühren gegenüber. Transferzahlungen werden im Folgenden von den Steuern direkt abgezogen.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Staatsverschuldung innerhalb der Europäischen Währungsunion und Skizzierung des methodischen Vorgehens.
2. Eingrenzung des Begriffs Staatsverschuldung: Formal-algebraische Betrachtung von expliziten und impliziten Schulden sowie die Bestimmung der Nachhaltigkeitsbedingungen.
3. Ricardianisches Äquivalenztheorem: Erläuterung der These, dass Kredit- und Steuerfinanzierung unter bestimmten Bedingungen identische Wirkungen haben, und deren kritische Reflexion.
4. "Neue Orthodoxie" und Buchanans Kritik: Analyse der "Neuen Orthodoxie" und die Gegenposition Buchanans zur Lastenverschiebung und Analogie von Privat- und Staatsschulden.
5. Stellvertretertheorie: Untersuchung der interpersonalen Verteilungseffekte der Staatsverschuldung unter der Annahme nicht perfekter Kapitalmärkte.
6. Die konventionelle Sicht: kurzfristige und langfristige Wirkung von öffentlichen Schulden: Analyse der Auswirkungen von Haushaltsdefiziten auf Kapitalstock, Wachstum und Leistungsbilanz unter Berücksichtigung des "Aggregate Investment Approach".
7. "Ponzi-Spiel": Diskussion der Nachhaltigkeit einer Politik, bei der Zinsen dauerhaft durch neue Kredite finanziert werden.
8. Entwicklung und Schranken der Staatsverschuldung: Empirische Untersuchung der Verschuldungsquoten in der EU sowie Analyse von Stabilitätsregeln wie dem Stabilitäts- und Wachstumspakt und der No-Bail-Out-Klausel.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Schuldenproblematik und ordnungspolitische Schlussfolgerungen zur Wiederherstellung tragfähiger Staatsfinanzen.
Staatsverschuldung, Europäische Währungsunion, Nachhaltigkeit, Ricardianisches Äquivalenztheorem, Defizitquote, Zins-Wachstums-Differential, Haushaltsstabilität, Stabilitäts- und Wachstumspakt, No-Bail-Out-Klausel, Schuldenquote, Intergenerative Verteilung, Crowding-out, Ponzi-Spiel, Fiskalpolitik, EZB
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und empirischen Analyse der Staatsverschuldung von Mitgliedstaaten innerhalb der europäischen Währungsunion, unter besonderer Berücksichtigung der Nachhaltigkeit der Schuldenaufnahme.
Die zentralen Felder umfassen Verschuldungstheorien, Konzepte der intergenerativen Lastenverteilung, Fiskalregeln der EU sowie die empirische Entwicklung der Schuldenquoten in Europa.
Das primäre Ziel ist es, die ökonomischen Mechanismen hinter der Staatsverschuldung aufzudecken, die Tragfähigkeit der Verschuldung unter verschiedenen Parametern zu prüfen und die Wirksamkeit von Begrenzungsmechanismen zu bewerten.
Es wird ein kombinierter Ansatz verfolgt: Zum einen eine theoretische Ableitung und Analyse anhand von Budgetrestriktionen und ökonomischen Modellen, zum anderen eine empirisch-deskriptive Auswertung von Statistiken.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der Verschuldungstheorien wie das Äquivalenztheorem und die "Neue Orthodoxie" behandelt, und einen empirischen Teil, der Entwicklung und Schranken der Schulden in der EWU beleuchtet.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Staatsverschuldung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Schuldenquote, Nachhaltigkeit und intergenerative Verteilung geprägt.
Das Verhältnis zwischen realem Zinssatz und der Wachstumsrate des BIPs entscheidet darüber, ob eine konstante Schuldenquote allein durch Primärüberschüsse oder -defizite erreicht werden kann; es ist ein zentraler Stellhebel für die fiskalische Stabilität.
Die "Neue Orthodoxie" lehnt die Analogie zwischen privaten und staatlichen Inlandsschulden ab und argumentiert, dass interne Staatsverschuldung keine reale Last auf zukünftige Generationen verschiebt, da der Gläubiger im Inland sitzt.
Griechenland dient als konkretes Fallbeispiel, um die Auswirkungen einer explodierenden Schuldenquote, die Sensitivität gegenüber Zinsänderungen und die Problematik der "Too Big to fail"-Wahrnehmung innerhalb der Währungsunion zu verdeutlichen.
Der Autor diskutiert ein Insolvenzrecht als mikroökonomischen Ansatz, um exzessiver Überschuldung entgegenzuwirken und geordnete Umstrukturierungsprozesse zu ermöglichen, die für Schuldner und Gläubiger klare Anreize setzen.
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