Bachelorarbeit, 2012
39 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Illusion der Echtheit: Glaubhaft Angst machen
2.1 Form: Tagebuch, Briefroman oder Montage?
2.2 Explizite Marker im Text
2.3 Glaubwürdigkeit auf Personenebene: Harker, Mina, Seward
2.4 Evidenz der Aktualität: Phonograph, Fahrrad und Hypnose
2.5 Expliziter Aufruf zu glauben? We ask none to believe us!
3. Unmittelbarkeit: Zeitlich und sprachlich
4. Van Helsing als Vorreiter des Lesers: Keep an open mind
5. Manipulation durch Rede: Rhetorik zwischen Hetzen und Hoffnung machen
6. Fokalisierung und Multiperspektivität: Ich über mich und andere
7. Spannung I: Schauer durch Vorankündigung
8. Spannung II: Struktur des Romans – Rausch durch Unterbrechung
9. Selbstreferenzialität und Autorenstimme: Erzählen über Erzählen, Schreiben über Schreiben – Maximierung des Schauereffekts
10. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht narratologisch, wie Bram Stokers Roman Dracula durch eine spezifische Erzählweise Schauer erzeugt, den Leser einbindet und dabei ein Gefühl der Unmittelbarkeit sowie Authentizität konstruiert.
2.2 Explizite Marker im Text
Gleich mit der Vorrede (die in der deutschen Übersetzung beispielsweise gar nicht vorhanden ist), auf deren Autorschaft und Stimme ich im Weiteren noch zu sprechen komme, unterstreicht das Buch seinen Anspruch auf wahrheitsgemäßes Protokollieren der Ereignisse: "There ist throughout no statement of past events wherein memory may err, for all the records chosen are exactly contemporary […]" (8) "But it is the truth" (52), bemerkt Harker als er abwägt, ob er alles in sein Tagebuch schreiben sollte, was ihm widerfährt.
Besondere Brisanz in narratologischer Hinsicht bekommt eine rhetorische Frage Van Helsings, gestellt während einer Ansprache über die Möglichkeiten, den Vampir zu bekämpfen: "A year ago which of us would have received such a possibility, in the midst of our scientific, sceptical, matter-of-fact nineteenth century?" (285) Es ist unklar, wessen Stimme hier erklingt. Ist es die Van Helsings selbst oder die Minas, die als fiktive Autorin dieses Tagebucheintrags ihre Verwunderung über ihr durch die jüngsten Ereignisse fundamental verändertes Weltbild zum Ausdruck bringt? Oder ist es die eines namenlosen Herausgebers, der die Editorfassung zu verantworten hat? Oder aber ist es gar die Stimme des Lesers, der den Satz im Kopf automatisch abwandelt und sich fragt: "A year ago which of us had believed such a story?" Die Stelle verdichtet, was im gesamten Roman häufig passiert: Überlegungen der Vernunft und der Glaube an etwas Unglaubliches werden gegenübergestellt und es wird versucht, die Unglaublichkeit erklärbar bzw. plausibel zu machen.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung von Dracula als archetypische Schauerliteratur ein und formuliert die Forschungsfrage nach den narrativen Werkzeugen, die den schauerlichen Effekt und die Leserbindung steuern.
2. Illusion der Echtheit: Glaubhaft Angst machen: Es wird analysiert, wie durch die Form des Brief- und Tagebuchromans sowie durch die Einbindung moderner Technologien eine Suggestion von Wirklichkeit erzeugt wird.
3. Unmittelbarkeit: Zeitlich und sprachlich: Dieses Kapitel beleuchtet, wie durch die zeitliche Nähe zwischen Ereignis und Niederschrift sowie die authentische Wiedergabe von Sprache und Dialekten eine unmittelbare Leserbindung entsteht.
4. Van Helsing als Vorreiter des Lesers: Keep an open mind: Die Analyse zeigt, wie Van Helsing als Identifikationsfigur dient, die den Leser dazu anregt, seine rationalen Vorurteile abzulegen und sich dem Übernatürlichen zu öffnen.
5. Manipulation durch Rede: Rhetorik zwischen Hetzen und Hoffnung machen: Untersucht wird die rhetorische Funktion längerer Monologe, die sowohl vom Grafen zur Einschüchterung als auch von Van Helsing zur Führung der Truppe genutzt werden.
6. Fokalisierung und Multiperspektivität: Ich über mich und andere: Das Kapitel erläutert, wie der Wechsel der Perspektiven dem Leser eine Wissenshoheit verleiht, während er gleichzeitig die eingeschränkte Sicht der Figuren teilt.
7. Spannung I: Schauer durch Vorankündigung: Es wird dargelegt, wie das Tagebuchformat durch Retrospektive und Prolepse eine kontinuierliche Vorankündigung von Gefahr ermöglicht.
8. Spannung II: Struktur des Romans – Rausch durch Unterbrechung: Dieses Kapitel diskutiert die Auswirkungen der Kapiteleinteilung und der bewussten Unterbrechungen auf den Spannungsaufbau und den Rauschzustand des Lesers.
9. Selbstreferenzialität und Autorenstimme: Erzählen über Erzählen, Schreiben über Schreiben – Maximierung des Schauereffekts: Die Arbeit analysiert die zahlreichen Verweise auf das Schreiben selbst und reflektiert, wer die Fäden der Editorfassung in der Hand hält.
10. Schluss: Die Untersuchung fasst zusammen, dass Dracula ein wohlüberlegtes Spiel mit der Fiktionalität ist, bei dem der Leser durch die Ohnmacht seines Wissens selbst Teil des Schauererlebnisses wird.
Dracula, Bram Stoker, Schauerliteratur, Narratologie, Tagebuchroman, Multiperspektivität, Unmittelbarkeit, Authentizität, Van Helsing, Spannung, Suspense, Gothic Novel, Rhetorik, Fiktionalität, Vampirmythos
Die Arbeit analysiert narratologische Aspekte des Romans Dracula von Bram Stoker, um zu verstehen, wie der Autor durch spezifische Erzähltechniken ein intensives Schauererlebnis beim Leser erzeugt.
Im Zentrum stehen die Illusion von Echtheit, die zeitliche und sprachliche Unmittelbarkeit der Darstellung, der Einsatz von Rhetorik in Monologen sowie die Wirkung von Multiperspektivität und Spannungsaufbau.
Das Ziel ist es, das narrative "Werkzeug" des Schauers in Dracula freizulegen und zu zeigen, wie Stoker den Leser durch das Spiel mit Fiktion und Wahrheit sowie gezielte Informationssteuerung an das Werk bindet.
Es handelt sich um eine narratologische Untersuchung, die Begriffe der Erzähltheorie (wie Fokalisierung, Modus, extradiegetisches Erzählen) anwendet und dabei moderne Forschungsliteratur einbezieht.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Form des Brief- und Tagebuchromans, die Bedeutung der technologischen Marker (Phonograph), die Rolle einzelner Charaktere wie Van Helsing als "Vorreiter des Lesers" und die Funktion der Kapitellogik für die Spannungskurve.
Die wesentlichen Begriffe sind Schauerliteratur, Multiperspektivität, Unmittelbarkeit, Authentizität, Suspense und Selbstreferenzialität.
Der Phonograph dient als Symbol für Wahrheit und Authentizität. Da er die Stimme des Sprechers direkt einfängt, umgeht er die "Zensur" des Schriftdenkens und verleiht den Schilderungen eine gesteigerte Glaubwürdigkeit, die Mina als Editorin dann in Textform überträgt.
Das Wissen des Lesers, das oft über das der fiktiven Figuren hinausgeht, erzeugt eine spezifische Ohnmacht. Der Leser erkennt die Gefahr, kann aber nicht eingreifen, was die Spannung (Suspense) und den "Genuss" des Schauers massiv erhöht.
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