Bachelorarbeit, 2011
44 Seiten, Note: 1,7
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
1 Einleitung
2 Marginalviertel
3 Situation in Brasilien
4 Favela – Allgemeines/Verbreitung
5 Leben in der Favela
5.1 Bewohner
5.2 Infrastruktur
5.3 Bildung
5.4 Arbeitsmarkt
5.5 Soziales
5.6 Gewalt/Drogen
6 Sanierungsprojekte/Sozialprogramme
7 Wahrnehmung Favelas
8 Zusammenfassung/Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die Favela als spezifische brasilianische Form des Marginalviertels. Ziel ist es, über die oft einseitige mediale Darstellung von Gewalt und Drogen hinauszugehen und eine fundierte sozioökonomische sowie städtebauliche Analyse der Lebensbedingungen und der Geschichte dieser Siedlungsformen zu erarbeiten.
5.6 Gewalt/Drogen
„Die brasilianischen Favelas haben den Ruf, Heimat der Drogenszene sowie skrupelloser und gewaltbereiter Bewohner zu sein“ (Deffner 2011:110). Drogenhandel und organisiertes Verbrechen haben in den achtziger und neunziger Jahren in den Favelas zugenommen. Dadurch etablierte sich in der Öffentlichkeit das Bild der Favelas als No-go-areas, als Nährboden für Gewalt und Kriminalität (Deffner 2011:110-112). Lanz (2007:198) begründet diese Zunahme an Gewalt folgendermaßen:
Die heutige Form des Drogenkomplexes resultiert aus dem seit den frühen achtziger Jahren vollzogenen Übergang vom eher kleinkriminellen organisierten Marihuanahandel zum äußerst ertragreichen Kokainhandel, dessen hohe Profite durch schwerere Bewaffnung und einen komplexeren Organisationsgrad der beteiligten Akteure gesichert werden mussten.
Auch durch erfolgreiche Filme wie „City of God“ oder „City of Men“, in denen die Gewalt und das Thema Drogen betont werden, sowie Schilderungen von Hart (1997:109), der beispielsweise von jährlich 10.000 Morden in Rio de Janeiro spricht, wird schnell dieser von Deffner geschilderte Eindruck erweckt. Laut Lanz (2007:197) partizipieren aber nur rund ein bis zwei Prozent der Bewohner in den Favelas Rio de Janeiros direkt und willentlich an dem System der gewalttätigen Drogenökonomie. Trotzdem liegt in den großen Favelas Brasiliens die Kontrolle nahezu vollständig in der Hand der Drogenkommandos (Deffner 2008:35), welche innerhalb der Favelas auch als „Bewegung“ bezeichnet werden (Lanz 2007:196).
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Marginalviertel und die Zielsetzung der Arbeit, die Favela über die gängigen Stereotype hinaus zu betrachten.
2 Marginalviertel: Theoretische Grundlagen und sozialgeographische Kennzeichnung der Armut in randstädtischen Siedlungsflächen.
3 Situation in Brasilien: Darstellung der extremen Wohlstandsungleichheit in Brasilien und deren Auswirkungen auf die städtische Raumstruktur.
4 Favela – Allgemeines/Verbreitung: Historische Entstehung des Begriffs Favela in Rio de Janeiro und die Verbreitung dieser Siedlungsform.
5 Leben in der Favela: Detaillierte Untersuchung der sozioökonomischen Realität, einschließlich Infrastruktur, Bildung, Arbeitsmarkt und der Rolle der Bewohnervereine.
6 Sanierungsprojekte/Sozialprogramme: Analyse staatlicher Interventionen wie das Favela-Bairro Programm zur städtebaulichen Integration.
7 Wahrnehmung Favelas: Analyse der Stigmatisierung der Bewohner und die Rolle der medialen Inszenierung bei der Konstruktion eines Angstraums.
8 Zusammenfassung/Fazit: Synthese der Ergebnisse, die eine langfristige Verbesserung der Lebensverhältnisse an eine Reduktion der Armut koppelt.
Favela, Marginalviertel, Brasilien, Stadtentwicklung, Soziale Ungleichheit, Armut, Informeller Sektor, Infrastruktur, Stigmatisierung, Sozialprogramme, Rio de Janeiro, Favelados, Segregation, Wohnungsbau, Kriminalität.
Die Arbeit behandelt die sozioökonomischen Lebensbedingungen in brasilianischen Favelas und ordnet diese in den Kontext städtischer Marginalität ein.
Schwerpunkte sind die historische Genese der Favelas, die sozioökonomische Struktur, die Arbeitsmarktsituation, das Bildungssystem sowie die Auswirkungen staatlicher Sanierungsprogramme.
Das Ziel ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Phänomen Favela, um das einseitige, oft mediengeprägte Bild der reinen „Kriminalitätszone“ zu korrigieren.
Der Autor führt eine umfassende Literaturanalyse durch, die durch die Auswertung soziologischer und geographischer Studien sowie Statistiken untermauert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der sozioökonomischen Lebensbedingungen der Bewohner, der kritischen Analyse der Infrastruktur und Bildungschancen sowie der Rolle von Gewalt und staatlichen Programmen.
Wesentliche Begriffe sind Marginalviertel, Soziale Ungleichheit, Informeller Sektor, Favela-Bairro und soziale Stigmatisierung.
Die ungleiche Zugangsmöglichkeit zum Bildungssystem wird als zentraler Faktor für die soziale Exklusion und mangelnde berufliche Chancen identifiziert.
Bewohnervereine organisieren kollektive Selbsthilfe, etwa durch das Mutirao-Prinzip, um infrastrukturelle Defizite in Eigenleistung zu minimieren.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

