Masterarbeit, 2012
100 Seiten, Note: 1,3
1 Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Begriffsbestimmung
2 Grundzüge des Ratinggeschäfts
2.1 Entstehungsgeschichte der Ratingagenturen
2.2 Wettbewerbssituation
2.3 Markführende Unternehmen
2.4 Funktionen von Ratings und Ratingagenturen
2.4.1 Funktionen aus Sicht der Marktakteure
2.4.2 Funktionen aus Sicht der Aufsichtsbehörden
2.5 Ratings als Instrumente der Kapitalmarktregulierung in den USA
2.5.1 Beginn der Regulierung
2.5.2 Regulativer Boom
2.5.3 Retardierendes Moment
2.6 Ratingagenturen als Quasi-Regulierer
2.7 Zusammenfassung
3 Ratingprozess
3.1 Ratingarten
3.1.1 Emissionsrating und Emittentenrating
3.1.2 Solicited Rating und Unsolicited Rating
3.1.3 Debt Rating und Equity Rating
3.1.4 Branchenrating und Länderrating
3.2 Ablauf des Ratingverfahrens
3.2.1 Vorphase
3.2.2 Quantitative Kriterien und deren Analyse
3.2.3 Qualitative Kriterien und deren Analyse
3.2.4 Ratingfestlegung und Überwachung
3.3 Ratingskalen und Ausfallwahrscheinlichkeiten.
3.4 Unterschiede in der Ratingpraxis der Marktführer
3.5 Vergleich von Ratingurteilen
3.6 Zusammenfassung
4 Effizienzprobleme im Ratingmarkt
4.1 Ratingagenturen in der Principal-Agent-Betrachtung
4.2 Potentielle Interessenkonflikte und Ineffizienzen
4.2.1 Ratingshopping
4.2.2 Ratingagenturen beurteilen nach Umsatz
4.2.3 Herdenverhalten
4.2.4 Unsolicited Ratings als strategisches Mittel
4.2.5 Konformitätsdruck durch Ratings
4.2.6 Prozyklische Konzeption des Ratings
4.2.7 Haftung der Ratingagenturen
4.3 Der Einfluss von Ineffizienzen auf das Ratingergebnis
4.4 Zusammenfassung
5 Verhalten von Ratingagenturen in ausgewählten Krisen
5.1 Finanzmarktkrise
5.1.1 Entstehen der US-Immobilienkrise
5.1.2 Verbriefung und Weitergabe von Krediten
5.1.3 Zusammenbruch des Verbriefungsmarkts
5.1.4 Kritische Würdigung der Rolle der Ratingagenturen
5.2 Staatsschuldenkrise im Euroraum
5.2.1 Entstehung der Krise
5.2.2 Kritische Würdigung der Rolle der Ratingagenturen
5.3 Zusammenfassung
6 Zukunftsszenarien des Ratings
6.1 Staatliche europäische Ratingagentur
6.2 Reformierung und Regulierung des Ratingmarkts
6.2.1 Marktinitiativen mit dem Ziel der Selbstregulierung
6.2.2 Initiativen der Gesetzgeber
6.3 Europäischer Ratingfonds als alternative Lösung
6.4 Zusammenfassung
7 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Ratingagenturen auf den internationalen Finanzmärkten, analysiert deren Ratingprozess, identifiziert Effizienzprobleme im Ratingmarkt und bewertet kritisch das Verhalten der Agenturen in der Finanzmarktkrise sowie der Staatsschuldenkrise, um abschließend mögliche Zukunftsszenarien und Reformansätze aufzuzeigen.
2.1 Entstehungsgeschichte der Ratingagenturen
Die Wurzeln der drei bekanntesten Agenturen reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Während sich in den Vereinigten Staaten ein ausdifferenzierter Kapitalmarkt früh entwickelte, entstanden die ersten Ratingagenturen vergleichsweise spät. John Moody’s gründete 1909 mit Moody’s Investors Service die erste Rating Agentur der USA. Ein modernes Bankensystem sowie Märkte für Aktien und Anleihen bestanden zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als einhundert Jahren. Andererseits existierten die Vorläufer der Ratingagenturen, die Credit Reporting Agencies schon seit ca. 1830.20
Im Gegensatz zu den heutigen Ratingagenturen bewerteten diese nicht die Ausfallwahrscheinlichkeit von Emittenten beziehungsweise Kapitalprodukten, sondern verbreiteten, gegen Entgelt, Auskünfte über die Zahlungsmoral und Kreditwürdigkeit von Geschäftsleuten.21 Obwohl die Credit Reporting Agencies in der Antizipation der Wirtschaftskrise von 1837 scheiterten, stieg die Nachfrage nach Informationen über die Bonität von Unternehmen beziehungsweise Schuldnern. Grund für das gesteigerte Informationsbedürfnis war die Erkenntnis der Gläubiger, dass Kredite ausfallen könnten.22
Bevor es Ratings gab, standen Investmentbanken mit ihrem Image für die Solvenz der durch sie ausgegebenen Unternehmensanleihen ein. Dies war möglich, da die Banken entsprechende Informationen über die Finanzlage der betroffenen Unternehmen besaßen. Von der Sachlage, dass viele Investoren mit den Insiderinformationen der Banken unzufrieden waren und der Existenz einer ständig steigenden Nachfrage nach Bonitätsanalysen von Schuldnern, profitierte John Moody. Seine Idee war es, die umfassenden Bonitätsanalysen durch die Implementierung eines einfachen Rating Symbols – nämlich Buchstaben – vergleichbarer und verständlicher zu machen.23 Im 19. und 20. Jahrhundert wurden Credit Reporting Agencies und ihre Nachfolger, die Ratingagenturen, als rein private Akteure betrachtet, welche durch ihre Tätigkeit die Transparenz auf den Kapitalmärkten erhöhten.24
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung und zunehmende Macht der Ratingagenturen und stellt die Forschungsfrage nach der Berechtigung der Kritik an ihrem Handeln in Krisenzeiten.
2 Grundzüge des Ratinggeschäfts: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Agenturen, ihre oligopolistische Wettbewerbssituation und die vielfältigen Funktionen, die sie für Marktakteure und Regulierungsbehörden erfüllen.
3 Ratingprozess: Der dritte Abschnitt beschreibt detailliert die verschiedenen Ratingarten, den Ablauf des Ratingverfahrens von der Vorphase bis zur Überwachung sowie die Bedeutung von Rating-Skalen.
4 Effizienzprobleme im Ratingmarkt: Hier werden Interessenkonflikte wie Ratingshopping, Herdenverhalten und der Einfluss des Geschäftsmodells kritisch beleuchtet, welche die Qualität und Neutralität von Ratings gefährden können.
5 Verhalten von Ratingagenturen in ausgewählten Krisen: Das Kapitel analysiert die Rolle der Agenturen bei der Finanzmarktkrise 2007 und der Staatsschuldenkrise im Euroraum und würdigt die Kritik an ihrem Fehlverhalten.
6 Zukunftsszenarien des Ratings: Es werden verschiedene Lösungsansätze diskutiert, darunter eine staatliche europäische Ratingagentur sowie Reformen der Marktregulierung und die Etablierung eines europäischen Ratingfonds.
7 Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen, identifiziert die Agenturen als Mitverursacher der Finanzkrise und empfiehlt eine gezielte Reform des Ratingmarktes statt staatlicher Agenturlösungen.
Ratingagenturen, Finanzmärkte, Bonitätsbeurteilung, Finanzmarktkrise, Staatsschuldenkrise, Ratingshopping, Principal-Agent-Theorie, Ineffizienzen, Regulierung, Euro-Zone, Risiko, Kapitalallokation, Bonität, Investment Grade, Spekulative Grade.
Die Arbeit untersucht die Rolle und den Einfluss von Ratingagenturen auf das internationale Finanzsystem sowie deren Verhalten in Krisenzeiten.
Zu den Kernpunkten gehören die Funktionsweise von Ratingprozessen, die Principal-Agent-Problematik, die Marktmacht der drei großen Agenturen und deren Rolle in der Finanzmarkt- sowie Staatsschuldenkrise.
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die harte Kritik an den Ratingagenturen berechtigt ist und ob diese als Sündenbock für andere Probleme auf den Finanzmärkten fungieren.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, Statistiken, empirischen Studien und offiziellen Berichten basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Ratinggeschäfts, eine detaillierte Analyse des Ratingprozesses, eine Untersuchung von Marktineffizienzen und eine Fallstudie zu den Krisen ab 2007 bzw. 2010.
Die wichtigsten Begriffe sind Ratingagenturen, Finanzmarktregulierung, Bonitätsbewertung, Ineffizienzen, Principal-Agent-Beziehung und Zukunftsszenarien des Ratings.
Durch die regulatorische Verankerung von Ratings in Gesetzen und Aufsichtsregeln nehmen Agenturen de facto marktaufsichtliche Funktionen wahr, was ihnen einen quasi-öffentlichen Status verleiht.
Er könnte durch eine Trennung von Auftraggeber und ausführender Agentur Interessenkonflikte minimieren und so die Qualität und Unabhängigkeit der Bonitätsurteile verbessern.
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