Bachelorarbeit, 2011
75 Seiten, Note: 1
1. Einleitung.
1.1 Die Geschichte der Österreichischen Volkspartei.
1.2 Relevanz des Themas.
1.3 Forschungsleitende Fragestellungen.
1.4 Arbeitshypothese.
1.5 Vorgehensweise.
2. Theoretische Einbettung.
2.1 Theorie der „Catch-all Party” von Otto Kirchheimer (1966).
2.2 Der Weg hin zur „Catch-all Party“.
3. Empirische Überprüfung.
3.1 Analyse der ÖVP an der „CAP“-Theorie Kirchheimers.
3.1.1 Teilaspekt: IDEOLOGIE.
3.1.2 Teilaspekt: INNERPARTEILICHE MACHTVERTEILUNG.
3.1.3 Teilaspekt: SOZIALE ZUSAMMENSETZUNG.
3.1.4 Teilaspekt: VERBINDUNG ZU INTERESSENGRUPPEN.
3.1.5 Teilaspekt: FUNKTION IM POLITISCHEN SYSTEM.
3.2 Resümee: ÖVP als „Erfinderin“ der „CAP“.
4. Wahlverluste von „Volksparteien“.
4.1 Theoretischer Hintergrund von Wahlverlusten.
4.2 ÖVP-spezifische Gründe für Wahlverluste.
4.2.1 Entideologisierung/ Entpolitisierung.
4.2.2 Innerparteiliche Machtverteilung/ organisatorische Struktur der ÖVP.
4.2.3 Personalisierung/ Personaldebatten.
4.3 Analyse der VP-Wahlverluste seit 1970.
4.4 Resümee: Wahlverluste von Volksparteien.
5. Die ÖVP im 21. Jahrhundert.
5.1 Aktuelle innenpolitische Situation der Volkspartei.
6. Resümee.
6.1 Beantwortung der Arbeitshypothese.
Die Arbeit untersucht, ob die Österreichische Volkspartei (ÖVP) das Modell einer „Volkspartei“ (Catch-all Party) im Sinne von Otto Kirchheimer erfüllt und inwieweit diese Ausrichtung sowie innerparteiliche Konflikte zu den seit den 1970er Jahren anhaltenden Wahlverlusten beigetragen haben.
3.1.1 TEILASPEKT: IDEOLOGIE.
„Die Großparteien haben ihre traditionelle Identität, die sie in der Vergangenheit zu dem gemacht hat, was sie waren, schrittweise eingebüßt; ihre traditionelle Identität, die oft in das Gegenteil des Gewohnten umschlägt, ist bis zur Unkenntlichkeit entstellt, ohne dass eine neue Identität und Kenntlichkeit sichtbar wäre oder sich auch nur ankündigte.“60
Müller61 führt für die These des „Endes der Ideologie“ drei Interpretationsansätze an, denn laut ihm kommt es zu einer erheblichen Anpassung der beiden österreichischen Großparteien, SPÖ und ÖVP, hinsichtlich ihrer ideologischen Positionen. Der erste der drei Interpretationsansätze von Müller bezieht sich dabei auf:
► DIE ENTSTEHUNG EINES IDEOLOGISCHEN KONSENS.
Im ersten halben Jahrhundert ihrer Existenz, waren die österreichischen Parteien, die die traditionellen Lager des Parteiensystems Österreichs beherrschten, klare Weltanschauungs- bzw. Klassenparteien. Sie erhoben aufgrund der fragmentierenden Konfliktlinien nur einen speziellen Vertretungsanspruch. Die Parteien sprachen für eine bestimmte Klasse oder Weltanschauung, nicht jedoch für die Gesamtheit der österreichischen Bevölkerung. Drei Lager spiegelten die drei Widersprüche in der Gesellschaft wieder. Der soziale Widerspruch drückte sich vor allem auf der Konfliktachse zwischen Bürgertum und Arbeiterklasse aus. Der nationale Widerspruch konnte als Widerspruch zwischen deutscher Dominanz und nicht deutschem Aufbegehren verstanden werden und der religiöse Widerspruch bestand vor allem in der Konfrontation zwischen dem politischen Katholizismus und den säkularen Tendenzen. Die christliche Partei spiegelte die konfessionelle Konfliktlinie wieder. All jene Teile der Bevölkerung, die dieser Weltanschauung nicht entsprachen beziehungsweise entsprechen wollten, wurden vom Programm der Christlichsozialen implizit ausgeschlossen.62
1. Einleitung: Stellt die Geschichte und Struktur der ÖVP dar, formuliert die Forschungsfrage zur Volkspartei-Eignung und die Arbeitshypothese.
2. Theoretische Einbettung: Erläutert das Konzept der „Catch-all Party“ nach Otto Kirchheimer als zentralen theoretischen Rahmen der Analyse.
3. Empirische Überprüfung: Analysiert die ÖVP detailliert anhand der Dimensionen der Catch-all Partei hinsichtlich Ideologie, Machtverteilung, Zusammensetzung, Interessenanbindung und politischer Funktion.
4. Wahlverluste von „Volksparteien“: Beleuchtet theoretische und ÖVP-spezifische Gründe für den Wählerverlust und analysiert die historische Entwicklung seit 1970.
5. Die ÖVP im 21. Jahrhundert: Beschreibt die aktuelle innenpolitische Situation, geprägt von Personaldebatten und der Bündestruktur, bis hin zum Rücktritt von Josef Pröll.
6. Resümee: Zieht Bilanz, verifiziert die Arbeitshypothese und bewertet die Zukunftsaussichten der Partei.
Österreichische Volkspartei, ÖVP, Volkspartei, Catch-all Party, Otto Kirchheimer, Parteistruktur, Bünde, Ideologie, Personalisierung, Wahlverluste, Innerparteiliche Machtverteilung, Politische Kommunikation, Parteiendemokratie, Wählermobilität, Interessenvertretungen.
Die Arbeit untersucht die historische und aktuelle Entwicklung der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) im Kontext des Modells der „Volkspartei“ oder „Catch-all Party“.
Zentrale Themen sind die organisatorische Struktur der ÖVP (Bünde), ihr ideologischer Wandel, der Prozess der Personalisierung sowie die Ursachen für die stetigen Wahlverluste seit den 1970er Jahren.
Die Kernfrage ist, ob die ÖVP überhaupt eine „Volkspartei“ im eigentlichen Sinne ist und warum sie trotz Erfüllung der entsprechenden Kriterien seit Jahrzehnten an Wählerzustimmung verliert.
Die Autorin nutzt eine theoretische Einbettung durch das Modell von Otto Kirchheimer und verifiziert bzw. falsifiziert ihre Arbeitshypothese anhand von Primär- und Sekundärquellen sowie statistischer Daten zur Wahlentwicklung.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Catch-all-Theorie und eine systematische empirische Überprüfung der ÖVP an diesen Kriterien, gefolgt von einer detaillierten Ursachenanalyse der Wahlverluste.
Wichtige Begriffe sind Catch-all Party, Bündesystem, Entideologisierung, Personalisierung und Dealignment.
Die Bünde (z.B. Bauernbund, Wirtschaftsbund, Arbeitnehmerbund) besitzen eine hohe Autonomie und prägen durch ihre Ressourcen und ihre „ständische“ Struktur maßgeblich die innerparteilichen Entscheidungsprozesse, was oft zu Konflikten führt.
Angesichts erodierender Ideologien und schwindender Milieus setzt die ÖVP verstärkt auf die Strahlkraft einzelner Führungspersonen („Parteiführer“), um Wähler anzusprechen, was jedoch bei Misserfolgen zu internen Personalquerelen führt.
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