Examensarbeit, 2011
61 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Jetzt fängt alles an: Terézia Moras Alle Tage
2.1. Verlust des zeitlichen Zusammenhangs als strukturgebendes Prinzip
2.2. Eine andere Ordnung: Erfassen des zeitlichen Umfangs
2.3. Verfahren der Einführung neuer Figuren
2.4. Strukturgebende Verfahren in der Narration
2.5. Im Rausch, aber nicht der Zeit
2.6. Hypothese über den Erzähler auf Basis der Zeitstruktur
2.7. Anders als chronologisch erzählen
3. Familiengeschichte erzählen in Houwelandt
3.1. Gleichzeitigkeit und Fortschreiten
3.2. Rückblicke in die Vergangenheit
3.3. Gegenwart gegenüber der Vergangenheit
4. Zeit und das Entdecken der Langsamkeit
4.1. Von Kindheit bis Lebensende
4.2. Selektion in der Erzählung
4.3. Franklins Problem mit der Zeit
4.4. Im „Hier und Jetzt“: Gegenwart und Zeitverständnis
5. Resümee: Repräsentation von Zeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Zeit als strukturgebendes Element in drei zeitgenössischen Romanen: Terézia Moras "Alle Tage", John von Düffels "Houwelandt" und Sten Nadolnys "Die Entdeckung der Langsamkeit". Ziel ist es zu analysieren, wie die Autoren durch narrative Verfahren wie Analepsen, Ellipsen oder Perspektivwechsel das Erzählen von Lebensbiographien jenseits rein chronologischer Abläufe gestalten und wie Zeit als Phänomen innerhalb dieser Werke repräsentiert wird.
2.1. Verlust des zeitlichen Zusammenhangs als strukturgebendes Prinzip
Wie im vorherigen Abschnitt angedeutet, ist die Narration in Alle Tage keine synthetische Erzählung, bei der Ereignisse gemäß ihrer natürlichen zeitlichen Reihenfolge erzählt werden, sondern eine analytische Erzählung, weil die Ereignisfolge der Erzählzeit von jener der erzählten Zeit abweicht. FRÖHLICH (2007: 70-71; 2006) konstatiert intertextuelle Anleihen von Alle Tage bei Ovids Metamorphose und Homers Odyssee in der Erzählstruktur und auch in hier nicht näher zu erwähnenden inhaltlichen Aspekten. Ähnlich diesen antiken Erzählungen ist in Alle Tage die Struktur, so FRÖHLICH (2007: 68), brüchig, mit Sprunghaftigkeit und Rissen, „als wäre der Raum aus der Zeit geraten“ (AT: 379). ERIKA HAMMER (2007: 86f) beschäftigt sich näher mit dem Bezug zwischen der Odyssee und Alle Tage und stellt dabei fest, dass Alle Tage „nur als Persiflage dieses Musters gelesen werden [kann]“ (eadem: 86), da das „alte Schema […] nur als Negativfolie vorhangen“ (ibid.) ist. Während Odysseus Bezugspunkte wie Heimat und Familie kennt, gibt es in Alle Tage „nur Scheinehen, Scheinfamilien und Ersatzmütter oder –väter, Umzüge und keinen Bezugspunkt“ (eadem: 87), woraus es zu einer gesteigerten Labyrinthartigkeit der Erzählung kommt.
Es soll nun darum gehen, das kohärenzstiftende Verfahren hinter Alle Tage zu erfassen und in einem im Rahmen dieser Arbeit zulässigen Ausmaß die erzählte Zeit soweit zu rekonstruieren, dass die vorliegenden Brüche geschlossen werden. Darüber hinaus sollen über den Weg einer zeitlich orientierten Interpretation Rückschlüsse auf die Erzählinstanz gemacht werden.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff des Erzählens und führt in die wissenschaftliche Fragestellung ein, wie zeitliche Strukturierung in biographischen Romanen zur Kohärenzbildung beiträgt.
2. Jetzt fängt alles an: Terézia Moras Alle Tage: Dieses Kapitel analysiert das komplexe, nicht-lineare Zeitgefüge in Moras Roman, welches durch eine labyrinthartige Struktur und den ständigen Wechsel zwischen Gegenwart und assoziativen Rückblenden geprägt ist.
3. Familiengeschichte erzählen in Houwelandt: Hier wird untersucht, wie John von Düffel durch die multiperspektivische Darstellung gleichzeitiger Ereignisse einen Familienroman konstruiert, in dem die Vergangenheit die Gegenwart der Figuren maßgeblich determiniert.
4. Zeit und das Entdecken der Langsamkeit: Das Kapitel widmet sich Sten Nadolnys Roman und beleuchtet den Kontrast zwischen dem sozialen Diktat der Schnelligkeit und der besonderen, langsamen Wahrnehmung des Protagonisten John Franklin.
5. Resümee: Repräsentation von Zeit: Das Resümee führt die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass alle drei Romane zwar biographische Ansätze wählen, diese jedoch durch höchst unterschiedliche narrative Zeitkonzepte umsetzen.
Zeitstruktur, Erzähltheorie, Biographisches Erzählen, Anachronie, Analepse, Ellipse, Narratologie, Zeitbewusstsein, Identitätsbildung, Intertextualität, Perspektivität, Beschleunigung, Langsamkeit, Terézia Mora, John von Düffel, Sten Nadolny
Die Arbeit untersucht, wie Zeit in ausgewählten zeitgenössischen Romanen als strukturelles und thematisches Gestaltungsmittel eingesetzt wird, um menschliche Lebensläufe und Identitätsbildung zu erzählen.
Die zentralen Felder sind die narratologische Analyse von Zeitstrukturen (wie Analepsen und Ellipsen), das Verhältnis von Erzählzeit zu erzählter Zeit sowie die soziologische Bedeutung von Zeitbewusstsein (Schnelligkeit versus Langsamkeit).
Das Ziel ist es, die spezifischen Erzählverfahren in "Alle Tage", "Houwelandt" und "Die Entdeckung der Langsamkeit" freizulegen und aufzuzeigen, wie diese zur Sinngebung der jeweiligen Erzählungen beitragen.
Es wird eine erzähltheoretische Analyse angewandt, die sich primär auf Instrumente der klassischen Erzähltheorie (nach Genette u.a.) stützt, ergänzt durch literaturwissenschaftliche und philosophische Diskurse zum Thema Zeit.
Im Hauptteil werden die Romane einzeln in Unterkapiteln analysiert, wobei jeweils spezifische Zeitphänomene wie die "labyrinthische Struktur" bei Mora, die "multiperspektivische Gleichzeitigkeit" bei von Düffel und die "Wahrnehmung von Langsamkeit" bei Nadolny im Fokus stehen.
Die wichtigsten Schlagworte sind Zeitstruktur, Erzähltheorie, Biographisches Erzählen, Anachronie, sowie die Auseinandersetzung mit Beschleunigung und sozialem Zeitbewusstsein.
Es bildet eine Ausnahme, da es keine explizite Zeitstrukturierung durch Nummerierung aufweist und durch den Drogenrausch eine zeitlose, subjektive Wahrnehmung der Figur in den Mittelpunkt stellt, die sich der logischen Erzählung entzieht.
Die Pause dient in den Romanen als Ort für Reflexionen und Erinnerungen, in denen die äußere Handlung der Gegenwart stillsteht, um den Leser mit der vergangenen Identität und den Beweggründen der Figuren vertraut zu machen.
Franklins Langsamkeit ist nicht mit Ineffizienz gleichzusetzen, sondern wird als eine Form der vertieften Wahrnehmung interpretiert, die es ihm erlaubt, komplexere Entscheidungen nachhaltiger zu treffen, was ihn zu einer Machtfigur in seiner Umwelt macht.
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