Magisterarbeit, 2006
100 Seiten, Note: 1,7
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1. Einleitung
2. Havanna als Großstadt in der Literatur: Theoretische Vorüberlegungen
2.1. Charakteristika der kolonialen Großstadt
2.2. Die Großstadt in der Literatur
2.2.1. Darstellungstendenzen der Großstadt im lateinamerikanischen Roman
2.2.2. Literaturwissenschaftliche Ansätze zur Analyse von Großstadtliteratur
3. Die Stadt Havanna in ihrer geschichtlichen Entwicklung
Das Havanna der 40er und 50er Jahre
4. Havanna als Textstadt
4.1. Die Beziehung der Autoren zu Havanna
4.2. Erzählweise und narrative Entfaltung
4.2.1. Einführung des Lesers in das Havanna der Romane
4.2.2. Erzählerische Darstellung in den nichtkubanischen Romanen
4.2.3. Besonderheiten der Erzählweise und Romanstruktur: Tres tristes tigres im Kontrast zu den übrigen Romanen
Wechselwirkungen zwischen Stadt- und Romanstruktur in Tres tristes tigres
4.3. Die Stadtlandschaft Havannas: Raum und Atmosphäre der Stadt
4.4. Die Stadt als gesellschaftliches Phänomen
4.4.1. Stadtkultur und -gesellschaft Havannas aus fremder und einheimischer Perspektive
4.4.2. Auswirkungen der fremden Erwartungen auf die Stadt
4.4.3. Die Bedeutung der Stadt für die Romancharaktere
Musik und Nachtleben als Identitätskomponenten der Stadt – im Kontrast zum fremden Blick
4.4.4. Havanna im Spiegel der gesellschaftlichen und politischen Probleme der Zeit
4.4.4.1 Das Problematische innerhalb der Stadtgesellschaft
4.4.4.2. Auswirkung der politischen Spannungen auf die Textstadt
5. Schlussbetrachtung
6. Ausblick: Das postrevolutionäre Havanna
Die vorliegende Magisterarbeit analysiert und kontrastiert ausgewählte Romane, die sich mit dem Havanna der letzten Jahrzehnte vor der kubanischen Revolution von 1959 befassen. Ziel ist es, das in diesen Werken erzeugte Bild Havannas sowie die Identität der Stadt zu untersuchen, wobei ein besonderer Fokus auf dem Vergleich zwischen einheimischen und fremden literarischen Perspektiven liegt.
4.2.1. Einführung des Lesers in das Havanna der Romane
Bevor die Erzählweise und die narrativen Strategien untersucht werden, die angewendet werden, um Havanna in den Romanen darzustellen, soll hier zunächst betrachtet werden, wie der Leser in verschiedene Romane eingeführt und ihm die erzählte Stadt nahe gebracht wird. Andererseits soll auch untersucht werden, inwiefern sich bereits im Romananfang erste Hinweise auf die Darstellung, Funktion oder Bedeutung der Stadt im gesamten Roman finden lassen.
Die Stadt wird in den hier untersuchten Texten nicht auf eine konventionelle Art und Weise eingeführt. Auf eine traditionelle Exposition des Setting Stadt durch eine auktoriale Erzählperspektive wird verzichtet, so dass in keinem der untersuchten Romane ein direkt ablesbares Bild der Stadt entsteht. Die Autoren verzichten darauf, dem Leser eine explikative Hilfe zu leisten, indem sie das Setting ‚erklären‘ und den Leser auf diese Weise von außen in die Stadt einführen.
In der Regel weist der Textanfang einen hohen Informationsgehalt auf. Oft enthält sogar schon der Titel des Textes die erste Signalisierung, dass die Großstadt einen hohen Stellenwert im Roman einnimmt und das fiktive Geschehen in einer ‚realen‘ Stadt situiert wird (Mahler 1999: 14). Dies ist bei den hier untersuchten Romanen nur in Our Man in Havana der Fall. Darüber hinaus erfolgt aber auch in diesem Roman die Konstitution des Schauplatzes Stadt nicht auf direkte Weise, sondern indirekt durch die Reflektorfigur Wormold. Dass die Szenerie eine subjektiv eingefärbte ist, wird immer wieder deutlich, z.B. wenn eine scheinbar neutrale Wiedergabe der Umgebung unvermittelt zu einer subjektiven wird:
A shutter across the way creaked open and then regularly blew to in the slight breeze from the sea, click clack like an ancient clock. Wormold said, ‚I must be off.‘ (OMH: 8).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Faszination Havannas als literarisches Sujet ein, umreißt die Forschungsfrage und stellt die zentralen zu analysierenden Romane vor.
2. Havanna als Großstadt in der Literatur: Theoretische Vorüberlegungen: Das Kapitel definiert Charakteristika lateinamerikanischer Metropolen im Kontrast zu europäischen Modellen und erörtert literaturwissenschaftliche Analyseansätze für Großstadtliteratur.
3. Die Stadt Havanna in ihrer geschichtlichen Entwicklung: Hier wird der historische Kontext Havannas als lateinamerikanische Metropole bis zur Revolution von 1959 dargestellt, inklusive der spezifischen soziopolitischen Prägung der 40er und 50er Jahre.
4. Havanna als Textstadt: Dies ist das Hauptkapitel der Arbeit, welches die literarische Vermittlung, die erzähltechnischen Besonderheiten, die Raumdarstellung und die gesellschaftliche Bedeutung Havannas in den ausgewählten Romanen detailliert untersucht.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, wie unterschiedlich die Autoren das Havanna der vorrevolutionären Ära literarisch verarbeitet haben.
6. Ausblick: Das postrevolutionäre Havanna: Dieser Abschnitt wirft einen kurzen Blick auf die literarische Verarbeitung des Wandels Havannas nach der Revolution und diskutiert neue Forschungsansätze.
Havanna, Tres tristes tigres, Guillermo Cabrera Infante, Großstadtliteratur, lateinamerikanischer Roman, Literaturwissenschaft, Stadtdarstellung, Erzählperspektive, kulturelle Identität, vorrevolutionäres Kuba, Narratologie, Stadtlandschaft, Mambo Kings, Our Man in Havana.
Die Arbeit analysiert, wie Havanna als urbane Kulisse in Romanen vor der kubanischen Revolution von 1959 dargestellt wird, wobei der Fokus auf dem Vergleich kubanischer und internationaler Perspektiven liegt.
Die zentralen Themen umfassen die literarische Konstruktion der Stadt als Raum, die Rolle der Erzählweise für die Wahrnehmung des Stadtraums sowie die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlicher Realität und deren fiktionaler Verarbeitung.
Das primäre Ziel ist es herauszuarbeiten, welches spezifische Bild Havannas in den untersuchten Romanen entworfen wird und inwiefern der einheimische Blick (insbesondere bei Cabrera Infante) von der fremden Wahrnehmung internationaler Autoren abweicht.
Die Arbeit nutzt eine komparatistische und literaturwissenschaftliche Herangehensweise, um erzähltechnische, strukturelle und atmosphärische Aspekte der Stadtdarstellung zu kontrastieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Erzählweisen (Einführung, Erzähler, Struktur), die Schilderung der Stadtlandschaft (Raum, Atmosphäre) und die Analyse der Stadt als gesellschaftliches Phänomen (Kultur, Politik, fremde vs. einheimische Perspektive).
Wichtige Begriffe sind Havanna, Cabrera Infante, Großstadtliteratur, Narratologie, Stadtdarstellung und kulturelle Identität.
Cabrera Infante bietet eine authentische Innensicht, die die Stadt als fragmentiertes Mosaik und nicht als bloßes exotisches Setting darstellt; er nutzt eine innovative Struktur, die von den Wahrnehmungsbedingungen des Kinos und der Sprache Havannas geprägt ist.
Während die politische Realität des Batistaregimes in vielen Romanen eher als Hintergrund auftritt, ist sie in Cabrera Infantes "Tres tristes tigres" atmosphärisch als Subtext der nahenden Revolution präsent, die das dargestellte "Nachtleben-Havanna" beendet.
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