Magisterarbeit, 2008
87 Seiten
1. Einleitung
2. Grundlagen zu Thomas Manns frühen Erzählungen
2.1 Biographisches
2.2 Zeitgeist
2.3 Dekadenz
2.4 Dilettantismus
3. Der Philosophische Hintergrund: Schopenhauer und Nietzsche als Vordenker
3.1 Schopenhauers Pessimismus
3.2 Nietzsches lebensstarker Mensch
3.3 Verquickung beider Theorien durch Thomas Mann
4. Lebensschwäche mit Todesfolge bei Thomas Manns frühen Figuren
4.1 Beispiele für Dekadente im Frühwerk Thomas Manns
4.1.1 Paolo Hofmann („Der Wille zum Glück“), 1896
4.1.2 „Der kleine Herr Friedemann“, 1897
4.1.3 „Der Bajazzo“, 1897
4.1.4 „Tobias Mindernickel“, 1898
4.1.5 Rechtsanwalt Jacoby („Luischen“), 1900
4.1.6 Hanno Buddenbrook („Buddenbrooks“), 1901
4.2 Die hypersensiblen Lebensschwachen und ihr Verhältnis zu Kunst und Leben
4.2.1 Künstlerproblematik
4.2.1.1 Die Antagonie Kunst – Leben
4.2.1.2 Entfremdung der Empfindsamen von den Vitalen und Asozialität
4.2.2 Stellenwert der Musik für die Lebensschwachen
4.2.2.1 Die Wirkung Wagners auf die Lebensschwachen
4.2.2.2 Thomas Mann und Richard Wagner
4.3 Untersuchungen zum Tod der hier behandelten Figuren
4.3.1 Suizid
4.3.2 Der nicht selbst verschuldete Tod
4.4 Krankheit und Genie
5. Fazit
Die vorliegende Magisterarbeit analysiert das Frühwerk von Thomas Mann unter der zentralen Fragestellung, inwiefern ein vorherrschender Pessimismus und Determinismus seine Protagonisten unausweichlich in die Lebensschwäche und den frühen Tod treibt. Ziel ist es zu erörtern, ob die hypersensible Künstlerdisposition in einer bürgerlichen Gesellschaft zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist.
4.1.2 „Der kleine Herr Friedemann“, 1897
„Die Amme hatte die Schuld“ – so lautet der erste Satz der Novelle „Der kleine Herr Friedemann“. Der Lebenslauf der Titelfigur ist somit schon von Beginn an angedeutet: Etwas Schreckliches ist ihm zugestoßen und schon in frühester Kindheit – als Säugling in (Miss-) Obhut der Amme – wurden die Weichen für sein Schicksal gestellt.
Was dem kleinen Johannes Friedemann bei dem Sturz vom Wickeltisch eigentlich passiert ist, bleibt offen. Der Arzt, der zu Rate gezogen wird, stellt – wie so oft die Ärzte bei Thomas Mann – seine Inkompetenz zur Schau, indem er nichts weiter angibt, als dass „die leichte Gehirnaffektion gänzlich behoben“ sei, dass weitere Besserung sich einstelle und nichts anderes übrig bleibe als „das Beste hoffen, wie gesagt, das Beste hoffen“.
Johannes Friedemann hat einen hässlichen Körper, eine „spitze[...] und hohe[...] Brust, [einen] weit ausladenden Rücken und [...] viel zu lange[...], magere[...] Arme[...]“. Jedoch: „Seine Hände und Füße aber waren zartgeformt und schmal, und er hatte große, rehbraune Augen, einen weichgeschnittenen Mund und feines, lichtbraunes Haar. Obgleich sein Gesicht so jämmerlich zwischen den Schultern saß, war es doch beinahe schön zu nennen.“
1. Einleitung: Einführung in das Thema des frühen Todes und der Lebensschwäche bei Thomas Manns frühen Figuren sowie Formulierung der Forschungsfrage.
2. Grundlagen zu Thomas Manns frühen Erzählungen: Betrachtung biographischer Bezüge, des zeitgenössischen Zeitgeistes sowie der Begriffe Dekadenz und Dilettantismus.
3. Der Philosophische Hintergrund: Schopenhauer und Nietzsche als Vordenker: Untersuchung der philosophischen Einflüsse auf Thomas Mann und wie dieser Schopenhauers Pessimismus mit Nietzsches Lebensbejahung verknüpft.
4. Lebensschwäche mit Todesfolge bei Thomas Manns frühen Figuren: Detaillierte Fallstudien zu verschiedenen Protagonisten und deren Scheitern sowie die Analyse der Bedeutung von Musik und Krankheit.
5. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der Ausgangsthese, dass ein Pessimismus das Schicksal der Protagonisten bestimmt und eine Integration in das gesunde Leben aufgrund ihrer Lebensschwäche unmöglich ist.
Thomas Mann, Lebensschwäche, Dekadenz, Determinismus, Pessimismus, Schopenhauer, Nietzsche, Richard Wagner, Künstlertum, Dilettantismus, Außenseiter, Krankheit, Tod, Buddenbrooks, Hypersensibilität.
Die Arbeit untersucht das Frühwerk Thomas Manns, insbesondere die Darstellung von Figuren, die aufgrund einer angeborenen Lebensschwäche und Künstlernatur dem Untergang geweiht sind.
Die Themen umfassen den Zusammenhang von Krankheit und Genie, die philosophischen Grundlagen durch Schopenhauer und Nietzsche sowie die zerstörerische Kraft der Musik.
Es soll geklärt werden, ob die Protagonisten einem unentrinnbaren Determinismus unterliegen, der sie von Geburt an in den frühen Tod führt, und warum sie nicht in der Lage sind, ein erfülltes Leben zu führen.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die biographische Kontexte, zeitgenössische Theorien und eine textnahe Interpretation der Erzählungen sowie des Romans „Buddenbrooks“ kombiniert.
Im Hauptteil werden sechs spezifische Figuren (Paolo Hofmann, Herr Friedemann, der Bajazzo, Tobias Mindernickel, Rechtsanwalt Jacoby und Hanno Buddenbrook) analysiert, um ihre Lebensuntüchtigkeit und das Scheitern an der bürgerlichen Gesellschaft aufzuzeigen.
Die wichtigsten Begriffe sind Dekadenz, Determinismus, Lebensschwäche, Künstlertum, Pessimismus und die philosophischen Vordenker Nietzsche und Schopenhauer.
Das Zittern fungiert als Leitmotiv, das immer dann auftritt, wenn Friedemann mit Ereignissen konfrontiert wird, die seine kontrollierte, künstliche Lebenswelt bedrohen.
Musik wird bei den lebensschwachen Figuren als Narkotikum eingesetzt, das sie zwar kurzzeitig befreit, sie aber gleichzeitig von der Realität entfremdet und als "feindselige Macht" zum psychischen und physischen Zusammenbruch beiträgt.
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