Masterarbeit, 2010
130 Seiten, Note: 3
ZUSAMMENFASSUNG
1 EINLEITUNG
1.1 Material
1.2 Focus und die Fragestellung der Arbeit
1.3 Methode
1.4 Aufbau der Arbeit
2 SEINER ZEIT VORAUS
2.1 Johann Wolfgang von Goethe und Metamorphose der Pflanze
2.2 Georg Lakon und Goethes Pflanzenmetamorphose
2.3 Friedrich Gundolf und sein Absatz Natur in dem Buch Goethe
3 REZEPTIONSTHEORETISCHE ANSÄTZE
3.1 Rezeptionsvorgang und Wertung
3.2 Rezeption als Terminus und Konzept
3.3 Die Geschichte der Rezeption
3.4 Rezeptionsästhetik
3.5 Was versteht man unter dem Begriff Wertung?
3.6 Das Verlangen nach Konkretisation
3.7 Naturwissenschaftliche Begriffserläuterungen
3.8 Zur Theorie der Rezeptionspraxis
4 EMPIRISCHE ANALYSE
4.1 Methodologische Vorgehensweisen
4.2 Analyse von Lakons Realisation
4.3 Analyse von Gundolfs Realisation
4.4 Das Dialogische beim Gundolf
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption von Goethes Prosaabhandlung "Versuch die Metamorphose der Pflanze zu erklären" durch den Botaniker Georg Lakon und den Literaturwissenschaftler Friedrich Gundolf. Das primäre Ziel ist es, die zentrale Auffassung der Rezeptionstheorie zu überprüfen, nach der die Bedeutung eines Textes nicht statisch in ihm enthalten ist, sondern erst im Wechselspiel zwischen dem Text und der Aktivität des Lesers gebildet wird, und dabei zu klären, welche Rolle der Leser für das geschichtliche Leben eines Werkes spielt.
1 EINLEITUNG
Es gibt dreierlei Arten Leser; eine, die ohne Urteil genießt, eine dritte, die ohne zu genießen urteilt, die mittlere die genießend urteilt und urteilend genießt; diese reproduziert eigentlich ein Kunstwerk aufs neue […]. (Goethe 1991: 456)
„[Z]u einer Zeit, in welcher das wahre Wesen der Pflanzenernährung nicht einmal in seinen gröbsten Zügen erkannt war“ (Lakon 1919: 159), entstand im Jahre 1790 durch die morphologische Naturbetrachtung Goethes seine Prosaabhandlung Versuch die Metamorphose der Pflanze zu erklären. In dieser Schrift ging es Goethe um den Nachweis eines organischen Aufbaus der Naturphänomene und einer prozesshaften Entwicklung, die er Metamorphose nannte. Bei Goethes Zeitgenossen fand der Aufsatz jedoch keine Resonanz, was man verstehen kann, „sobald man sich auf Grund der Literatur auf das Niveau der wissenschaftlichen Botanik gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts stellt […]“ (Lakon 1919: 158). Auch im Vortrag Mays aus dem Jahr 1904 wird ersichtlich, dass Goethes „geniale naturwissenschaftliche Arbeiten“ (May 1904: 51) bei der großen Mehrzahl der Fachgelehrten seiner Zeit „Spott und Hohn“ (May 1904: 52) fanden. Nach Darwin sei das anders geworden, berichtete er. Er vertrat die Meinung, dass die damalige Wissenschaft um 1904 „vom Geist Goethischer Forschung“ (May 1904: 52) durchdrungen sei, da sich Darwins gefesselte rohe Empirie erst durch Goethes dichterischen Phantasieflug befreite. Was Goethe begann, vollendete Darwin und wo Goethe unterlag, siegte Darwin, meinte May und sah Goethe als Prophet und Darwin als seinen Erfüller. (May 1904: 52) Dem gegenüber berichtete Bliedner noch im Jahre 1901, es gäbe zwar von dem namhaften Haeckel im Jahre 1882 einen Vortrag über die Naturanschauung von Darwin und Goethe, jedoch drang von diesen nicht allzu viel an die Öffentlichkeit oder man beachtete ihn nicht sehr.
1 EINLEITUNG: Das Kapitel stellt das Forschungsziel, den Aufbau und das Material der Magisterarbeit vor und erläutert die zentrale Fragestellung zur Bildung von Textbedeutung im Rezeptionsprozess.
2 SEINER ZEIT VORAUS: Hier werden die Biographien von Goethe, Lakon und Gundolf skizziert und ihre jeweiligen Auseinandersetzungen mit der Metamorphose der Pflanze eingeführt.
3 REZEPTIONSTHEORETISCHE ANSÄTZE: Dieser Teil bearbeitet analytisch die für die Arbeit relevanten literatur- und naturwissenschaftlichen Hauptbegriffe sowie Theorien zum Rezeptionsvorgang.
4 EMPIRISCHE ANALYSE: Das Kapitel beinhaltet die methodische Untersuchung und Auswertung der Rezeptionen von Lakon und Gundolf anhand von Belegen unter rezeptionsästhetischen Aspekten.
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Die Ergebnisse der Arbeit werden zusammengefasst und die zentrale Auffassung der Rezeptionstheorie wird anhand der Analyseergebnisse bestätigt.
Rezeption, Rezeptionsgeschichte, Rezeptionsästhetik, Erwartungshorizont, Wertung, Dialogizität, Horizontverschmelzung, Reflexion, Kontemplation, Konkretisation, Metamorphose
Die Arbeit untersucht, wie verschiedene Rezipienten (der Botaniker Georg Lakon und der Literaturwissenschaftler Friedrich Gundolf) Goethes Werk "Versuch die Metamorphose der Pflanze zu erklären" aufgenommen und interpretiert haben.
Im Zentrum stehen die Rezeptionstheorie, die Konstituierung von Textbedeutung, die Rolle des Lesers sowie das Verhältnis zwischen Naturwissenschaft und Literatur.
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die Bedeutung eines Textes tatsächlich erst während der Rezeption im Wechselspiel zwischen dem Text und der Aktivität des Lesers gebildet wird.
Es werden Ansätze der Rezeptionstheorie (u.a. nach Jauß, Winko, Ingarden und Iser) herangezogen, um eine empirische Analyse von Textbelegen aus den Realisationen der beiden untersuchten Rezipienten durchzuführen.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt zur Rezeption sowie einen empirischen Teil, in dem Lakons und Gundolfs Analysen systematisch untersucht werden.
Neben dem zentralen Begriff der Rezeption sind dies insbesondere Erwartungshorizont, Konkretisation, Wertung, Dialogizität und die Metamorphose als zentrales Naturgesetz bei Goethe.
Lakon nähert sich dem Werk als Botaniker mit dem Ziel einer naturwissenschaftlichen Prüfung, während Gundolf das Werk als Literaturwissenschaftler in den geistesgeschichtlichen Kontext von Goethes gesamter Gestalt einordnet.
Die Arbeit bestätigt, dass die Bedeutung von Goethes Abhandlung nicht fixiert ist, sondern sich durch die unterschiedlichen wirkungsästhetischen Perspektiven der Rezipienten Lakon und Gundolf individuell entfaltet hat.
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