Seminararbeit, 2011
25 Seiten, Note: 5.5 (Schweiz)
1. Einleitung
2. Einführung in die Zeit Konstantins
2.1. Der historische Hintergrund
2.2. Der Weg Konstantins zum Alleinherrscher
2.3. Die Christenpolitik der Kaiser
2.4. Die Quellen zu Konstantin
2.5. Die spätere Beurteilung von Konstantin
3. Ein Vergleich deutschsprachiger Forschungsliteratur
3.1. Jacob Burckhardt - Die Zeit Constantins des Grossen (1853)
3.2. Joseph Vogt - Constantin der Grosse und sein Jahrhundert (1949)
3.3. Jochen Bleicken - Constantin der Grosse und die Christen (1992)
3.4. Klaus Martin Girardet - Der Kaiser und sein Gott (2010)
4. Fazit
Diese Arbeit untersucht die wissenschaftliche Forschungsdiskussion zur Konstantinischen Wende, indem sie die verschiedenen Perspektiven prominenter Historiker über einen Zeitraum von 160 Jahren gegenüberstellt. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, ob Konstantin das Christentum aus persönlicher Überzeugung oder aus rein machtpolitischem Kalkül förderte und welche Rolle sein Wirken für den Aufstieg des Christentums zur Weltreligion spielte.
3.4. Klaus Martin Girardet - Der Kaiser und sein Gott (2010)
Girardet sieht den Aufstieg des Christentums nicht als unaufhaltsam oder irreversibel an, hier unterscheidet er sich deutlich von Burckhardt, der von der geschichtlichen Notwendigkeit des Erfolges des Christentums sprach. Girardet sieht die Rolle Konstantins als entscheidend an im Aufstieg des Christentums zur Weltreligion. Der Argumentation Burckhardts, die er bis zum heutigen Tag für das Konstantinbild der nationalen und internationalen Forschung als ausserordentlich wirkungsvoll hält, kann sich Girardet nicht anschliessen. Woher diese geschichtliche Notwendigkeit kommen sollte, würde Burckhardt nämlich gar nicht erklären.
Girardet fragt, was es gewesen sein könnte, das den Sieg des Christentums aus „prinzipiellen Gründen“ notwendig gemacht hätte: „So etwas wie die ,turmhohe‘ Überlegenheit des Christentums? Oder Gottes Wirken in der Geschichte?“ Er kommt dann zum Schluss: „Nichts, das für den Historiker wissenschaftlich greifbar wäre, spricht für diese Ansichten.“
Girardet vertritt die These, dass Konstantin weder als Machtpolitiker noch als gläubiger Christ beschrieben werden kann, sondern, dass beides zusammen zutrifft, ja das diese Unterscheidung zwischen Politik und Religion zu der Zeit gar nicht möglich war. „Das Religiöse ist immer politisch, das Politische immer religiös.“ Ob Konstantin das Christentum aus persönlicher Frömmigkeit oder aus politischem Kalkül gefördert und begünstigt hat, ist demnach eine Frage, die nicht zu beantworten ist, „da die in der Frage formulierte Alternative in der Antike nicht existierte“. Da Konstantins Handlungen, die zum Teil sehr skrupellos und brutal waren, nicht zu den ethischen Werten des Christentums passen, sah sich ein Teil der modernen Historiker dazu veranlasst zu bestreiten, dass Konstantin jemals ein Christ gewesen sei.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsdiskussion zur Konstantinischen Wende ein und umreißt die zentrale Problematik bezüglich der Motivation hinter Konstantins Hinwendung zum Christentum.
2. Einführung in die Zeit Konstantins: Dieses Kapitel liefert den historischen Kontext, von der tetrarchischen Ordnung über den Aufstieg Konstantins zum Alleinherrscher bis hin zur Analyse zeitgenössischer Quellen.
3. Ein Vergleich deutschsprachiger Forschungsliteratur: Hier werden die Forschungsansätze von vier Historikern – Burckhardt, Vogt, Bleicken und Girardet – detailliert dargestellt und kritisch verglichen.
4. Fazit: Das Fazit resümiert die unterschiedlichen Interpretationsansätze der Historiker und reflektiert die Rolle Konstantins sowie die Herausforderung, Geschichte unvoreingenommen zu beurteilen.
Konstantin der Große, Konstantinische Wende, Christentum, Spätantike, Machtpolitik, Religionsgeschichte, Jacob Burckhardt, Joseph Vogt, Jochen Bleicken, Klaus Martin Girardet, Kirchenpolitik, Historische Forschung, Christogramm, Römische Geschichte, Religionsfreiheit
Die Arbeit analysiert, wie moderne deutschsprachige Historiker über die letzten 160 Jahre die „Konstantinische Wende“ interpretiert haben und warum die Bewertung von Konstantins Motivation so stark divergiert.
Die zentralen Felder sind die historische Einordnung der Regierungszeit Konstantins, die kritische Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur und die Untersuchung des Verhältnisses von Religion und staatlicher Macht.
Ziel ist es, die wissenschaftliche Debatte anhand vier repräsentativer Werke zu vergleichen, um aufzuzeigen, wie persönliche Hintergründe und Zeitgeister die Geschichtsschreibung beeinflussen.
Es handelt sich um eine historiografische Vergleichsanalyse, bei der Fachliteratur kritisch auf ihre Prämissen, Argumentationsstrukturen und methodischen Ansätze hin untersucht wird.
Der Hauptteil widmet sich in chronologischer Reihenfolge den Werken von Jacob Burckhardt, Joseph Vogt, Jochen Bleicken und Klaus Martin Girardet und deren jeweiliger Sichtweise auf Konstantin.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Konstantin der Große, Machtpolitik, christliche Überzeugung, historische Notwendigkeit und die Trennung von Religion und Politik.
Die Einschätzungen reichen von der Annahme einer tatsächlichen Bekehrung bei Vogt bis hin zur Interpretation als später christianisiertes Symbol oder rein politisches Kalkül bei Bleicken und Burckhardt.
Girardet argumentiert, dass diese Kategorien in der Antike untrennbar miteinander verwoben waren, weshalb die Frage nach „rein religiösen“ oder „rein politischen“ Motiven historisch nicht sinnvoll beantwortbar ist.
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