Seminararbeit, 2012
24 Seiten, Note: 5.5 (Schweiz)
1. Einleitung
2. Die Rahmenerzählung im Poetischen Realismus
2.1. Funktionen von Rahmenerzählungen
3. „Die Hochzeit des Mönchs“ als historische Novelle
3.1. Die Konstruktion von Realität
4. Die Erzählsituation
4.1. Der Rahmen
4.2. Die Figur Dantes
5. Das Zusammenspiel von Rahmen- und Binnenerzählung
5.1. Erfindung
5.2. Spiegelung
6. Die Funktion der Rahmenerzählung
6.1. Erzähltes Erzählen
6.2. Identifikation vs. Illusion
6.3. Die Macht des Erzählers
6.4. Zuhörer vs. Leser
7. Fazit
Diese Arbeit untersucht die spezifische Funktion der Rahmenerzählung in Conrad Ferdinand Meyers Novelle „Die Hochzeit des Mönchs“. Dabei wird analysiert, wie Rahmen- und Binnengeschichte ineinandergreifen, welche Rolle Dante Alighieri als Erzähler einnimmt und wie das Werk das Erzählen selbst zum Gegenstand der Darstellung macht.
4.2. Die Figur Dantes
Die Wahl Dantes als Erzähler der Binnenerzählung brachte Meyer viel Kritik ein. Es sei respektlos so einen grossen Dichter zu instrumentalisieren. Er verwendete Dante, um einen Erzähler mit „unanfechtbarer Autorität“ zu besitzen. Paul Heyse schrieb an Meyer: „Nun haben Sie es gar gewagt, den grössten Epiker zum Erzähler zu wählen.“ Meyer sah sich darauf gezwungen, sich zu rechtfertigen, er schrieb an Heyse: „Mein Dante [...] ist nicht [...] der grosse Dichter, welchen ich in Ehrfurcht unberührt lasse, sondern eine typische Figur und bedeutet einfach: Mittelalter. [...] Er dient ferner dazu, das Thema herrisch zu formuliren, woran mir, dieses Mal, liegen musste.“
Meyer liess somit auch die Kritik nicht gelten, die Aussagen Dantes in seiner Novelle würden nicht mit der Haltung der historischen Figur Dante übereinstimmen. Es erregte Anstoss, dass man den Autor der „Divina comedia“ nicht in Meyers Rahmenerzählung wiedererkannte.
Dass Dante in „Die Hochzeit des Mönchs“ aber nicht bloss als Symbol für Mittelalter gelten kann, zeigen verschiedene Bezüge auf das literarische Werk Dantes und seine Herkunftsstadt Florenz. Cangrande nimmt mehrmals Bezug auf die „Divina Comedia“, er befragt Dante ganz direkt nach einzelnen Figuren darin. Durch die Figur des Goldschmiedes Niccolo Lippo, der aus Florenz vertrieben wurde, nimmt er Bezug auf seine eigene Verbannung, indem er betont, dass Lippo „durch einen feilen und ungerechten Urteilsspruch, wie sie am Arno gebräuchlich sind“ aus seiner Heimatstadt vertrieben wurde.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Besonderheit der Rahmenerzählung bei Meyer ein und umreißt die Forschungsfrage bezüglich des Zusammenspiels von Rahmen und Binnengeschichte.
2. Die Rahmenerzählung im Poetischen Realismus: Dieses Kapitel verortet Meyers Werk literaturgeschichtlich und definiert die zentralen Merkmale der Rahmenerzählung innerhalb der Epoche.
3. „Die Hochzeit des Mönchs“ als historische Novelle: Hier wird der Umgang mit historischem Material und die Konstruktion von Realität durch den Erzähler Dante analysiert.
4. Die Erzählsituation: Das Kapitel beleuchtet das Szenario des Geschichtenerzählens am Hof von Cangrande und die Rolle von Dante als Erzählerfigur.
5. Das Zusammenspiel von Rahmen- und Binnenerzählung: Es wird untersucht, wie die beiden Ebenen durch inhaltliche Erfindungen und strukturelle Spiegelungen miteinander verknüpft sind.
6. Die Funktion der Rahmenerzählung: Dieses Hauptkapitel analysiert das Verhältnis von Fiktion, Illusion und die Macht des Erzählers im Kontext der Wirkung auf Zuhörer und Leser.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Meyer die Funktion des Rahmens nicht zur Beglaubigung, sondern zur Thematisierung der Fiktionsbildung nutzt.
C. F. Meyer, Die Hochzeit des Mönchs, Rahmenerzählung, Poetischer Realismus, Dante Alighieri, Narratologie, Binnenerzählung, Fiktion, Illusion, Erzählerrolle, historische Novelle, Spiegelung, Macht des Erzählers, Literaturanalyse, Gattungstheorie
Die Arbeit untersucht die spezielle Funktion der Rahmenerzählung in Conrad Ferdinand Meyers Novelle „Die Hochzeit des Mönchs“ und analysiert deren Einfluss auf die Struktur der Geschichte.
Im Zentrum stehen das Zusammenspiel zwischen der Rahmen- und Binnenerzählung, das Verhältnis von historischer Faktizität und fiktionaler Gestaltung sowie die Rolle des Erzählers.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Meyer durch die Wahl Dantes als Erzähler die Künstlichkeit und Fabrikation des Erzählaktes selbst thematisiert, anstatt den Rahmen nur zur Beglaubigung zu nutzen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die narratologische Konzepte (z. B. nach Genette) mit historischen und biographischen Kontexten verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Erzählsituation, die Untersuchung des Zusammenspiels von Rahmen und Binnenhandlung sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den narrativen Funktionen wie Spiegelung und Identifikation.
Wichtige Begriffe sind Rahmenerzählung, Poetischer Realismus, Fiktionalität, Illusionsbildung, Erzählinstanz, Spiegelung und die literarische Inszenierung des Erzählens.
Dante dient nicht nur als historisches Signum für das Mittelalter, sondern seine Autoriät als Dichter wird gezielt instrumentalisiert, um die Macht des Erzählers und die Konstruktion von Wirklichkeit abzubilden.
Während die Zuhörer innerhalb der Rahmenhandlung durch die Spiegelung ihrer selbst persönlich involviert werden und der Illusionswirkung erliegen, reflektiert der Leser das Zusammenspiel der Erzählebenen und nimmt das Fiktionalitätssignal bewusster wahr.
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