Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
23 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Ovid, Amores 1.9 mit metrischer Analyse
3 Interpretation
3.1 Einbindung von Am. 1.9 in Buch 1 und Gliederung des Gedichts
3.2 Interpretation der Verse 1-32
4 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gedicht 1.9 aus den Amores von Ovid, in dem der Autor die Liebe mit dem Kriegsdienst vergleicht. Ziel ist es, zu analysieren, ob dieser Vergleich lediglich als rhetorisches Motiv dient oder ob der Autor damit eine rechtfertigende Argumentation für seine eigenen dichterischen und Lebensideale verbindet, während er die Rolle des lyrischen Ichs kritisch hinterfragt.
3.2 Interpretation der Verse 1-32
Im ersten Distichon wird die These vorgestellt, zu deren Verteidigung das gesamte Gedicht dienen soll: der Liebende ist wie ein Soldat, er leistet Kriegsdienst. Diese Behauptung steht exponiert am unmittelbaren Anfang der Elegie und wird durch ihre Wiederholung im vierten Halbvers verstärkt. Zusätzlich lassen der gleichlaufende, schwere Rhythmus der fünf aufeinander folgenden Daktylen vor dem Spondeus an das Marschieren von Soldaten denken. Die Benennung eines direkten Adressaten kann ganz pragmatisch so interpretiert werden, dass die Figur des poeta, vielleicht auch tatsächlich Ovid selbst, einem realen Freund Atticus antwortet, etwa auf eine Art Anschuldigung der Untätigkeit. Wahrscheinlicher scheint es jedoch, dass diese Situation vom Dichter nur geschaffen wird, um den Rahmen für eben dieses Gedicht zu bereiten.
Et habet sua castra Cupido weiß der Dichter im vorhergehenden Am. 1,8 noch ganz anders darzustellen: Mars und Venus passen nicht zusammen. Noch deutlicher widerspricht er sich in Am. 1,10: nec Venus apta feris Veneris nec filius armis: / non decet inbelles aera merere deos. (Ov. Am. 1,10,19/20) Der kriegerische Charakter Amors wird allerdings auch noch in Am. 1,2 sowie 1,6 angesprochen, ist hier in 1,9 also nicht überraschend. Vielmehr wird deutlich, dass der Dichter bzw. Liebende die Tatsachen gern so interpretiert, wie sie ihm in der jeweiligen Situation den größten Nutzen bringen. Die auch in dieser Hinsicht auffällige Umrahmung durch Am. 1,8 und 1,10 unterstreicht jedenfalls die Bedeutung unserer Elegie.
Nun werden in 3-6 quasi als erste Argumentationsebene zwei Eigenschaften besprochen, die sowohl für Soldaten als auch für Liebende Voraussetzungen ihres Dienstes sind. Zunächst ist dies das rechte Alter in 3-4, welches in dreifachem Sinne notwendig ist: nicht nur in praktischer Hinsicht (habilis, convenit), sondern auch in ästhetischer und sittlicher (turpe). Die letztgenannten werden durch die Anapher und angeschlossene parallele Konstruktion in 4 besonders betont, als seien sie für den Künstler die gewichtigeren Argumente.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der militia amoris ein und stellt die Forschungsfrage, ob der Vergleich der Liebe mit dem Kriegsdienst eine tiefergehende Rechtfertigung der Lebensideale des Autors darstellt.
2 Ovid, Amores 1.9 mit metrischer Analyse: Dieses Kapitel präsentiert den lateinischen Originaltext des Gedichts inklusive einer metrischen Analyse der Verse.
3 Interpretation: Dieser Hauptteil analysiert die Einbindung der Elegie in den Zyklus der Amores und liefert eine detaillierte textnahe Auslegung der Verse 1 bis 32.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert, dass das Gedicht ein raffiniertes, weitgehend unpolitisches Spiel ist, das die traditionelle Vorstellung des Kriegsdienstes zugunsten einer Huldigung an die Kunst und Ästhetik umdeutet.
Ovid, Amores, Liebesdichtung, militia amoris, Elegie, Kriegsdienst, Liebhaber, Poetologie, Römische Gesellschaft, Liebeskonzept, Antike, Literaturinterpretation, persona, antike Dichtung, Versanalyse
Die Arbeit befasst sich mit einer Interpretation der Elegie 1.9 aus Ovids Amores, in der die Liebe als militärischer Dienst dargestellt wird.
Zentrale Themen sind die Militär-Metaphorik, die Rolle des Dichters als Liebender sowie die strukturelle Anordnung der Gedichte im ersten Buch der Amores.
Das Ziel ist die Erforschung der Ernsthaftigkeit des Vergleichs zwischen Liebhaber und Soldat sowie die Klärung, ob dieser Vergleich zur Verteidigung der dichterischen Ideale Ovids dient.
Die Arbeit nutzt eine textnahe philologische Interpretation, ergänzt durch metrische Analysen und den Vergleich mit zeitgenössischer Sekundärliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die Einbettung des Gedichts in den Kontext des ersten Amores-Buches und eine detaillierte Interpretation der ersten 32 Verse.
Ovid, Amores, militia amoris, Liebesdichtung, Poetologie und Elegie sind die prägenden Begriffe der Untersuchung.
Die Autorin argumentiert, dass der Sprecher eher als literarische Maske (persona) zu verstehen ist und warnt davor, eine direkte Identität zwischen dem historischen Ovid und dem lyrischen Ich anzunehmen.
Es wird aufgrund seiner inhaltlichen und strukturellen Position in der Mitte des Buches sowie seiner Funktion als Antwort auf gegensätzliche Liebeskonzepte in den umrahmenden Elegien als zentral betrachtet.
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