Diplomarbeit, 2010
76 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Problemstellung
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
1.3 Rahmen und Abgrenzung
1.4 Begriffserklärung
1.5 Vorgehensweise
2 Grundlagen des Islams
2.1 Der Islam
2.2 Pflichten eines Moslems
2.2.1 Erste Säule: Das Glaubensbekenntnis
2.2.2 Zweite Säule: Das Gebet
2.2.3 Dritte Säule: Die soziale Pflichtabgabe
2.2.4 Vierte Säule: Fasten
2.2.5 Fünfte Säule: Pilgerfahrt nach Mekka
2.3 Helal und Haram
2.4 Unterschied Zakat und Sadaqa
2.5 Quellen des Islams: Koran und Sunna
2.5.1 Der Koran
2.5.2 Die Sunna
2.6 Scharia
2.6.1 Quellen der Scharia
2.6.2 Sharia Supervisory Board
2.7 Muslimische Bevölkerung in Zahlen
2.8 Islamisches Wirtschaftssystem
3 Grundlagen des Islamic Finance
3.1 Definition
3.2 Geschichtliche Entwicklung
3.3 Institutionen des Islamic Finance
3.3.1 Islamic Development Bank
3.3.2 Accounting and Auditing Organization for Islamic Financial Institutions (AAOIFI)
3.3.3 International Islamic Financial Market (IIFM)
3.3.4 Islamic Financial Services Board (IFSB)
3.3.5 International Islamic Rating Agency – (IIRA)
3.3.6 Islamische Banken
3.3.6.1 Unterschied zwischen islamischen und konventionellen Banken
3.4 Grundsätzliche Verbote
3.4.1 Riba
3.4.2 Gharar
3.4.3 Maisir/Qimar
3.5 Weitere Verbote der islamischen Finanzierung
3.5.1 Verbot des Verkaufs von Waren vor dem endgültig angestrebten Zustand
3.5.2 Verbot des zufälligen Erwerbs einer Ware
3.5.3 Verbot des Weiterverkaufs eines Kaufobjektes vor dessen Besitzergreifung
3.5.4 Verbot des Verkaufs eines Schuldverhältnisses gegen ein anderes Schuldverhältnis
3.5.5 Verbot von mehreren Kaufverträgen oder Kettenverträgen, die sich in einem Vertrag verbergen
3.5.6 Verbot des Verkaufs gegen eine Anzahlung
4 Instrumente und Methoden des Islamic Finance
4.1 Finanzierungsinstrumente auf der Grundlage des Fremdkapitals
4.1.1 Murabaha
4.1.2 Salam
4.1.3 Istisna
4.1.4 Arbun
4.1.5 Qard Hasan
4.2 Finanzierungsinstrument auf der Grundlage des Leasings
4.2.1 Ijara
4.3 Finanzierungsmöglichkeiten auf der Grundlage des Eigenkapitals
4.3.1 Mudaraba
4.3.2 Musharaka
4.3.2.1 Abnehmende Musharaka
4.4 Service
4.4.1 Wakala
5 Weiterentwickelte Produkte und Dienstleistungen
5.1 Islamischer Kapitalmarkt
5.1.1 Islamische Aktien
5.1.2 Islamische Anleihen (Sukuk)
5.1.2.1 Grundmodell eines Sukuks
5.1.2.2 Emissionierte Sukuks spezifiziert nach Ländern
5.1.2.3 Sukuk-al-Ijara
5.1.2.4 Sukuk-al-Musharaka
5.1.2.5 Sukul-al-Murabaha
5.1.2.6 Sukuk-al-Mudaraba
5.1.2.7 Sukuk-al-Salam
5.1.2.8 Sukuk-al-Istisna
5.1.3 Islamische Fonds
5.1.3.1 Aktienfonds
5.1.3.2 Immobilienfonds
5.1.3.3 Rohstofffonds
5.1.3.4 Hedgefonds
5.2 Islamische Versicherungen
5.2.1 Takaful
5.2.1.1 Takaful nach dem Mudaraba – Modell
5.2.1.2 Takaful nach dem Wakala – Modell
5.2.2 Retakaful
6 Islamic Finance in Deutschland
6.1 Marktpotenzial in Deutschland
6.2 Bisherige Entwicklung
6.3 Nichterfolgsgründe
7 Fazit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Darstellung der Philosophie und der operativen Instrumente des islamischen Finanzwesens. Dabei wird untersucht, wie schariakonforme Finanzmodelle ohne Zinsen und Spekulation funktionieren, warum sie in der aktuellen Wirtschaftswelt an Bedeutung gewinnen und welche Hürden bei der Einführung auf dem deutschen Markt bestehen.
3.4.1 Riba
Riba ist das wichtigste Verbot und benennt einen der größten Unterschiede zwischen der islamischen und der konventionellen Finanzierung. Das Wort Riba stammt aus dem Arabischen und heißt übersetzt „Überschuss“. Es ist im Zusammenhang mit Zinsen zu verstehen und bedeutet, dass das Nehmen von Zinsen auf einen Betrag verboten und haram ist.
Sofern ein Moslem jemand anderem Geld zur Verfügung stellt, ist es nicht angängig, darauf Zinsen zu erheben. Der Kapitalgeber hat sogar die Pflicht auf die Schulden, wenn der Kapitalnehmer seine Schulden nicht begleichen kann, zu verzichten.
Im Buch „Islamic Finance“ aus dem Jahre 2009 zeigt Mahlknecht die Koranstellen, in denen beschrieben wird, wo und wie der Koran zu Zinsen Stellung nimmt.
Diese bekannten Stellen sind: „Sure 2 (‚Die Kuh’), Verse 275-280): Vers 275: ‚Die, welche Zins verzehren, sollen nicht anders dastehen als einer, den Satan erfasst und niedergeschlagen hat, Dies, weil sie sagen: ‚Kauf ist das Gleiche wie Zinsnehmen.’ Allah hat den Kauf erlaubt, aber das Zinsnehmen verboten. Wer eine Ermahnung (wie diese) von seinem Herrn erhält und dann mit Zinsnehmen aufhört, der darf das Erhaltene behalten. Seine Sache ist bei Allah. Wer es aber von Neuem tut – die sind die Bewohner des Feuers und werden ewig darin verweilen.’
Vers 276: ‚Allah lässt den Zins dahinschwinden: Verzinsen wird Er aber die Almosen. Und Allah liebt keinen Ungläubigen und Sünder.’
Vers 277: ‚Siehe, wer da glaubt und das Rechte tut und das Gebet verrichtet und die Steuer zahlt, deren Lohn ist bei ihrem Herrn; keine Furcht soll über sie kommen, und sie sollen nicht traurig sein.’ Was hat das mit Zins zu tun?
Vers 278: ‚O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah und verzichtet auf den noch ausstehenden Zins, wenn ihr (wirkliche) Gläubige seid.’
Vers 279: ‚Tut ihr es nicht, dann ist euch Krieg von Allah und Seinem Gesandten erklärt. Wenn ihr aber umkehrt, sollt ihr euer verliehenes Kapital (zum Nennwert) zurückerhalten. Tut nicht Unrecht, auf dass ihr nicht Unrecht erleidet.’
Vers 280: ‚Wenn jemand in (Zahlungs-)Schwierigkeiten ist, so übt Nachsicht, bis es ihm leicht fällt. Erlasst ihr ihm die Schuld aber als Almosen, so ist es für euch besser, wenn ihr es nur wüsstet.’
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die wachsende Bedeutung des islamischen Finanzwesens vor, erläutert die Forschungsziele und definiert den methodischen Rahmen der Arbeit.
2 Grundlagen des Islams: Dieses Kapitel vermittelt ein grundlegendes Verständnis der islamischen Religion, ihrer Säulen, der Quellen (Koran/Sunna) und der ethischen Prinzipien des Wirtschaftens.
3 Grundlagen des Islamic Finance: Hier werden das islamische Bankwesen, die relevanten internationalen Institutionen sowie die fundamentalen Verbote (Riba, Gharar, Maisir) detailliert erörtert.
4 Instrumente und Methoden des Islamic Finance: In diesem Teil werden die konkreten Finanzierungsinstrumente wie Murabaha, Salam, Istisna, Mudaraba und Musharaka sowie Leasingmethoden vorgestellt.
5 Weiterentwickelte Produkte und Dienstleistungen: Dieses Kapitel behandelt den Kapitalmarkt mit Sukuk-Anleihen, islamischen Fonds sowie das Versicherungswesen in Form von Takaful und Retakaful.
6 Islamic Finance in Deutschland: Hier wird das Marktpotenzial für muslimische Kunden in Deutschland untersucht, die bisherigen Erfahrungen reflektiert und Gründe für den bisher nur moderaten Erfolg analysiert.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Kernergebnisse der Untersuchung zusammen und gibt einen Ausblick auf die Zukunft des islamischen Finanzwesens als wachsenden Markt.
Islamic Finance, Scharia, Zinsverbot, Riba, Gharar, Takaful, Sukuk, Mudaraba, Musharaka, Murabaha, Islamisches Wirtschaftssystem, Finanzinstrumente, Kapitalmarkt, Ethik, Investition
Die Arbeit untersucht das islamische Finanzwesen (Islamic Finance) als alternative Form der Wirtschaftsführung, die streng auf den religiösen Grundsätzen der Scharia basiert.
Die zentralen Felder sind die islamische Rechtsgrundlage, ethische Verbote im Finanzsektor, die Struktur der islamischen Banken und die verschiedenen Instrumente zur schariakonformen Finanzierung und Versicherung.
Das Ziel ist die Darstellung der Philosophie und Instrumente islamischer Finanzierung, um Verständnis für dieses System zu schaffen und dessen Entwicklungspotenzial – insbesondere für den deutschen Markt – aufzuzeigen.
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse von Fachbüchern, Artikeln, historischen Quellen sowie auf ergänzende Gespräche mit Imamen und Personen aus dem muslimischen Umfeld.
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung der Grundlagen (Scharia-Konformität), die detaillierte Vorstellung der Finanzierungsinstrumente (Kredit, Leasing, Eigenkapital) sowie die Analyse von Anlageprodukten und Versicherungslösungen.
Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie Scharia, Riba, Gharar, Takaful, Sukuk und der Mudaraba-Partnerschaft, welche das Fundament für das gesamte islamische Wirtschaftssystem bilden.
Konventionelle Produkte basieren häufig auf Zinsgeschäften (Riba) oder spekulativen Elementen, die laut Scharia als "haram" (verboten) eingestuft werden, da sie den gemeinschaftlichen Nutzen gefährden können.
Takaful basiert auf dem Prinzip der gegenseitigen Garantie und Haftung der Mitglieder untereinander, wobei das Risikomanagement schariakonform gestaltet ist, anstatt auf Zinserträge aus Kapitalanlagen zu setzen.
Hauptprobleme sind der Mangel an Aufklärung, eine zu geringe Produktvielfalt, Vorurteile gegenüber dem Begriff "Islam" sowie das Fehlen von massenmarkttauglichen, leicht verständlichen Angeboten.
Ein Sukuk ist keine bloße Kreditvergabe, sondern verbrieft dem Investor einen Anteil an realen Vermögensgegenständen oder Projekten, wodurch der Investor direkt am wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg teilnimmt.
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