Bachelorarbeit, 2011
103 Seiten, Note: 1,3
1. Forschungsinteresse an „Two and a Half Men“
2. Vorüberlegungen
2.1. Das Format Sitcom
2.2. Methodik und Vorgehensweise
3. Praktische Analyse
3.1. Semantische Grundordnung
3.2. Charlie Harpers moralische Fragwürdigkeit
3.2.1. Charaktermerkmal Dresscode
3.2.2. Verantwortungslosigkeit seiner Laster
3.2.3. Charlie Harper und die Frauen
3.3. Sympathieaufwertung durch Vergleiche
3.3.1. Werteänderung mittels Alan als Maßstab
3.3.2. Evelyns Rolle der schlechten Mutter im semantischen Raumgefüge
3.3.3. Sympathiestiftung im Kontext der semantischen Normabweichungen
4. Fazit
Die Arbeit untersucht die Mechanismen der Sympathielenkung bei einer moralisch fragwürdigen Hauptfigur in einer Sitcom. Basierend auf struktural-semiotischen Analysen wird erforscht, wie der Protagonist Charlie Harper trotz egoistischen Verhaltens und offensichtlicher Laster als sympathietragende Figur etabliert wird.
3.2.1. Charaktermerkmal Dresscode
Die formellen Bedingungen der Sitcom bestimmen eine besondere Zeichenhaftigkeit des Aussehens: Jede Episode soll ein eigenständiges Bedeutungskonstrukt bilden, in die begrenzte Erzählzeit passen und muss gleichzeitig neuen oder unregelmäßigen Zuschauern einen schnellen Zugang zu den Persönlichkeiten ermöglichen. Deshalb bietet das Äußere der Figuren, also ihre physische Erscheinung, Kleidung und Frisur, eine geeignete und standardisierte Möglichkeit um in kürzester Zeit über Charaktere zu urteilen. „They walk on the scene and you automatically know who they are by how they are dressed and […] what they look like.”47 Demgemäß ändern Figuren einer Sitcom selten bis nie ihr Erscheinungsbild, was für THM ebenso zutrifft. Einzelne Kleidungsstücke sind selbstverständlich austauschbar, aber nur innerhalb eines bestimmten Rahmens der Figurenkonzeption.
Der Dresscode des Protagonisten Charlie Harper bildet bestimmte Spezifika ab, dazu gehören seine Bowlinghemden, nicht in die Hose gesteckt und Cargoshorts. Sein Kleidungsstil ist auf zwei Ebenen bedeutungstragend. Einerseits ist aufgrund kulturellen Wissens zu argumentieren, dass Charlies legere Kleidung infantil und unseriös ist und aufgrund dieser Eigenschaften den Lebensbereich der ‚Freizeit’ abbildet, andererseits steht sie in Opposition zu Alans äußerlicher Darstellung mit zugeknöpften, oftmals karierten Hemden, die ordentlich in die Hose gesteckt sind, wodurch die Gegensätzlichkeit der beiden Brüder visualisiert wird (Siehe auch Kap. 3.3.1).
1. Forschungsinteresse an „Two and a Half Men“: Einleitung in den Erfolg der Serie und die paradoxe Ausgangslage, dass der Protagonist trotz moralischer Defizite beim Publikum beliebt ist.
2. Vorüberlegungen: Erörterung der genrespezifischen Merkmale der Sitcom und Festlegung der semiotischen Analyse-Methodik.
3. Praktische Analyse: Untersuchung der Weltordnung, der moralischen Mängel von Charlie Harper sowie der aufwertenden Vergleichsstrategien durch andere Charaktere.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, ob die identifizierten Sympathiefaktoren ausreichen, um das negative Verhalten des Protagonisten erfolgreich auszugleichen.
Two and a Half Men, Charlie Harper, Sitcom, Sympathielenkung, Semiotik, Charakteranalyse, Moralische Fragwürdigkeit, Medienwissenschaft, Figurenkonstellation, Narratologie, Situationskomödie, Filmsemiotik, Bindungsphobie, Fernsehanalyse.
Die Arbeit analysiert die US-Sitcom "Two and a Half Men" und erforscht, warum die Hauptfigur Charlie Harper, trotz seines moralisch verwerflichen Verhaltens und seiner Laster, vom Publikum als sympathisch empfunden wird.
Neben der Genredefinition der Sitcom liegt der Fokus auf der semantischen Weltordnung, der moralischen Evaluierung des Protagonisten sowie dem Einfluss von Vergleichsfiguren wie seinem Bruder Alan und seiner Mutter Evelyn.
Ziel ist es, die semiotischen Strukturen zu identifizieren, die den Zuschauer trotz der antipathischen Verhaltensweisen des Protagonisten zur Identifikation oder Sympathie bewegen.
Die Arbeit verwendet primär eine struktural-semiotische Analyse, um Bedeutungszusammenhänge innerhalb des filmischen Textes zu erschließen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der "moralischen Fragwürdigkeit" (Dresscode, Laster, Frauenbild) und eine Untersuchung der Sympathieaufwertung durch Kontrastfiguren.
Zentrale Begriffe sind die "semantische Grundordnung", die "Merkmalsannahme", der "Dresscode" als Charakteristikum sowie der "Mutterkomplex" als Erklärungsmuster.
Alan fungiert als semantische Kontrastfigur; seine "überkandidelte" Verantwortungslosigkeit und sein neurotisches Verhalten lassen Charlie im Vergleich oft gelassener, ehrlicher und somit sympathischer erscheinen.
Evelyn verkörpert den "Extrempunkt" des negativen Verhaltens. Durch sie wird Charlie einerseits zum "Opfer" seiner Erziehung stilisiert, was Mitleid evoziert, und andererseits wirkt ihr Verhalten noch extremer als das des Sohnes.
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