Bachelorarbeit, 2009
53 Seiten, Note: 1,00
1. EINLEITUNG: MOWGLI UND ORIENTALISMUS
1.1 EINFÜHRUNG IN DIE AUFGABENSTELLUNG DER BAKKALAUREATS-ARBEIT
1.2 SAID, BHABHA UND CO.: DIE THEORETISCHEN GRUNDLAGEN DER BAKKALAUREATS-ARBEIT
2. THE INDIANS ARE „IN EVERY WAY DIFFERENT.“ DAS BRITISCHE INDIENBILD VON DER ZWEITEN HÄLFTE DES 19. BIS ANFANG DES 20. JAHRHUNDERTS
3. “INDIA’S WOLF-CHILDREN FOUND IN CAVES.” INDISCHE WOLFSKINDER IN DER BRITISCHEN BERICHTERSTATTUNG VON 1850 BIS 1930
3.1 EINE KURZE EINFÜHRUNG IN DIE BEKANNT GEWORDENEN FÄLLE VON INDISCHEN WOLFSKINDERN
3.2 ART UND WEISE DER THEMATISIERUNG DER FERAL CHILDREN IN DER SACHLICHEN BERICHTERSTATTUNG
4. EIN „MOWGLI, […], DER AUF EINEN KIPLING WARTET[?]“ INDISCHE WOLFSKINDER IN DER BRITISCHEN BELLETRISTIK ENDE DES 19./ANFANG DES 20. JAHRHUNDERTS
4.1 DIE WOLFSJUNGEN DES RUDYARD KIPLING: INDISCHE FERAL CHILDREN IN DEN MOWGLI-GESCHICHTEN DER JUNGLE BOOKS (1894/5) UND IN DER KURZGESCHICHTE IN THE RUKH (1893)
4.2 VASHTI ODER DAS BIEST: DER INDISCHE PANTHERJUNGE IN SEXTON BLAKE’S ADVENTURES IN INDIA (1905) VON WILLIAM MURRAY GRAYDON
4.3 JUNGLE BOOK, RELOADED? JUNGLE-BORN (1925) VON JOHN SEYMOUR EYTON
5. DIE ‚WILDEN‘ UND DIE ‚ZIVILISIERTEN‘. ABSCHLIEßENDE BEWERTUNG DES BRITISCHEN WOLFSKIND DISKURSES IM 19./20. JAHRHUNDERT
5.1 DIE SPEZIFISCHEN CHARAKTERISTIKA DES DISKURSES: ERGEBNISSE DES VERGLEICHS ZWISCHEN SACHLICHER BERICHTERSTATTUNG UND BELLETRISTIK
5.2 DIE VERGESSENEN FERAL CHILDREN INDIENS – EIN AUSBLICK
6. BIBLIOGRAFIE
6.1 QUELLEN
7.2 SEKUNDÄRLITERATUR
Diese Arbeit untersucht, wie indische Wolfskinder in der britischen Publizistik zwischen der Mitte des 19. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts wahrgenommen und gedeutet wurden. Dabei wird analysiert, inwiefern diese Diskurse koloniale Herrschaftsstrukturen legitimierten und wie sich das Bild dieser „feral children“ zwischen sachlicher Berichterstattung und belletristischer Darstellung unterscheidet.
3.2 Art und Weise der Thematisierung der feral children in der sachlichen Berichterstattung
Mit diesen Sätzen kommentiert der Autor von Gulliver’s Travels, Jonathan Swift, in einem Brief an Thomas Tickell seine Begegnung mit dem ‚Wilden Peter‘ von Hameln im London des Jahres 1726. Die Bemerkung des Schriftstellers ist symptomatisch für die umfangreiche Berichterstattung zu dem im Jahre 1724 aufgefundenen und von George dem Ersten nach England gebrachten Wolfsjungen, der offenbar ohne die Unterstützung von tierischen Adoptiveltern in der Wildnis überlebt hat: Denn in der Regel wird Peter eher als idealisiertes Naturkind oder weiser, in Einklang mit der Umwelt lebender Mensch dargestellt – während die Artikel über die indischen feral children vollkommen anders gestaltet sind. Im Gegensatz zu dem im England des 18. Jahrhunderts sehr berühmten und von der britischen Hofgesellschaft als ästhetisches und pädagogisches Ideal gepriesenen Jungen, der noch im 19. Jahrhundert als anmutiger und gutmütiger Mensch Erwähnung in populären Kuriositätensammlungen findet, wird das Bestienhafte, Dumpfe, Rohe und Unmenschliche in durchweg allen Berichten über die Wolfskinder Indiens betont: Die Beschreibung eines 1858 gesichteten, 20-jährigen Wolfsjungen von Shahjahanpur, der in zwei verschiedenen Artikeln aus The Field und Lippincott’s Magazine als Mensch, der „in manners and habits a mere animal“ sei und sich nur mit Grunzlauten verständigen könne, vorgestellt wird, ist in dieser Hinsicht nur als exemplarisch zu bewerten. So grundverschiedene Journale wie das Sportmagazin Badminton oder die von dem Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland herausgegebene, stärker wissenschaftlich ausgerichtete Zeitschrift Anthropological Review betonen die Verrohung der indischen Wolfskinder in diversen Artikeln, indem sie deren Erscheinung als „forbidding […] coarse and brutalized“ oder deren „countenance“ als „repulsive“ und deren „habits“ als „filthy“ beschreiben. Hierbei wird neben dem Laufen auf vier Beinen stets auch das Essen von rohem Fleisch besonders herausgestellt – ein Motiv, das im Grunde als Variation des Stereotyps vom Kannibalismus der Überseevölker betrachtet werden kann, das von dem 16. bzw. 17. Jahrhundert bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Europa bei der Betrachtung des Fremden besonders weitverbreitet gewesen ist.
1. EINLEITUNG: MOWGLI UND ORIENTALISMUS: Einführung in die Thematik der Wolfskinder und deren Bedeutung für die Aufklärung und Kolonialforschung unter Einbezug postkolonialer Theorieansätze.
2. THE INDIANS ARE „IN EVERY WAY DIFFERENT.“ DAS BRITISCHE INDIENBILD VON DER ZWEITEN HÄLFTE DES 19. BIS ANFANG DES 20. JAHRHUNDERTS: Analyse der sich wandelnden britischen Wahrnehmung Indiens und der zunehmenden Indophobie nach 1857.
3. “INDIA’S WOLF-CHILDREN FOUND IN CAVES.” INDISCHE WOLFSKINDER IN DER BRITISCHEN BERICHTERSTATTUNG VON 1850 BIS 1930: Dokumentation und Untersuchung der realen Fallberichte in den Medien und der Diskreditierung indischer Zeugenaussagen.
4. EIN „MOWGLI, […], DER AUF EINEN KIPLING WARTET[?]“ INDISCHE WOLFSKINDER IN DER BRITISCHEN BELLETRISTIK ENDE DES 19./ANFANG DES 20. JAHRHUNDERTS: Literarische Analyse von Werken Kiplings, Graydons und Eytons, die Wolfskinder als Spiegelbild kolonialer Ängste und Wünsche inszenieren.
5. DIE ‚WILDEN‘ UND DIE ‚ZIVILISIERTEN‘. ABSCHLIEßENDE BEWERTUNG DES BRITISCHEN WOLFSKIND DISKURSES IM 19./20. JAHRHUNDERT: Synthese der Forschungsergebnisse über die Instrumentalisierung des Wolfskind-Diskurses zur Festigung kolonialer Identität.
6. BIBLIOGRAFIE: Vollständiges Verzeichnis der verwendeten Quellen und der Sekundärliteratur.
Wolfskinder, Indische Wolfskinder, Orientalismus, Kolonialismus, Imperialismus, Rudyard Kipling, Mowgli, Postkoloniale Theorie, Britische Publizistik, Indienbild, Stereotypen, Feral Children, Rassenideologie, Kulturkontakt, Indophobie.
Die Arbeit untersucht, wie das Phänomen „indischer Wolfskinder“ in der britischen Berichterstattung und Literatur zwischen 1850 und 1930 gedeutet wurde.
Die Themen umfassen koloniale Wahrnehmung, postkoloniale Identitätskonstruktionen, das Indienbild der Briten sowie die Abgrenzung zwischen „Zivilisierten“ und „Wilden“.
Ziel ist es zu zeigen, dass die Berichte über Wolfskinder nicht nur Tatsachenberichte waren, sondern der Legitimation kolonialer Herrschaft und der Unterdrückung indischer kultureller Identität dienten.
Die Autorin nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, gestützt durch postkoloniale Theorien wie die von Edward Said und Homi K. Bhabha, um Diskurse in Sach- und literarischen Texten zu vergleichen.
Der Hauptteil analysiert sowohl reale Medienberichte als auch belletristische Werke wie Kiplings „Jungle Books“, „Sexton Blake’s Adventures in India“ und Eytons „Jungle-Born“.
Wolfskinder, Orientalismus, Kolonialismus, indische Kultur, koloniale Stereotype und britische Identitätskonstruktion.
Während die Medienberichte oft eine bloße „Verwilderung“ und den Bedarf nach britischer Zivilisation betonten, nutzten literarische Werke die Figur des Wolfskindes komplexer, etwa als Identifikationsfigur für die Zerrissenheit der Briten in Indien.
Der Aufstand fungierte als Trauma, das die Sicht der Briten nachhaltig prägte und zu einer negativen, rassistisch aufgeladenen Darstellung indischer Menschen führte, die sich auch in den Wolfskind-Berichten widerspiegelte.
Die Analyse zeigt, dass im britischen Diskurs der Zeit weibliche „wilde“ Kinder kaum ein Interesse hervorriefen, da das Frauenbild der Epoche Tugend und häusliche Unterordnung betonte, was mit einer „wilden“ Identität schwer zu vereinbaren war.
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