Magisterarbeit, 2006
98 Seiten, Note: 1,3 (sehr gut)
1.0 Einleitung
1.1 Forschungsinteresse und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2.0 Theoretische Grundlagen
2.1 Emotionspsychologische Grundlagen
2.1.1 Das funktionalistische Paradigma
2.1.2 Das sozio-kulturelle Paradigma
2.1.3 (Arbeits-)Definition von Emotionen
2.1.4 Zur Struktur von Emotionen
2.1.5 Appraisal-Theorien und medial vermittelte Emotionen
2.2 Emotionalität und Sprache
2.3 Sprechhandlungstheoretische Grundlagen
2.3.1 Zur Beschreibung und Interpretation von Sprechhandlungen
2.3.2 Erwartbare Sprechhandlungen im TV-Duell
2.4 ‚Interaktiv-phänomenologisches Emotionskonzept’ (nach Drescher)
2.4.1 Emotionen als diskursive Praxis
2.4.2 Darstellungsformen emotionaler Beteiligung
2.4.3 Interaktionssemantische Dimensionen
3.0 Politische Sprache und Kommunikation unter den Bedingungen des Massenmediums Fernsehen
3.1 Politiker in der ‚Leistungsrolle’ als Kommunikator
3.2 Inszenierte Unterhaltsamkeit und Formen der Selbstdarstellung im Rahmen von Wahlkampfstrategien
4.0 Emotionalität im TV-Duell Merkel – Schröder: Exemplarische Analysen des emotiven Sprachhandelns
4.1 Das TV-Duell als Korpus und Untersuchungsgegenstand
4.2 Methodisches Vorgehen
4.3 Analyse
4.3.1 Ausschnitt I
4.3.2 Ausschnitt II
4.3.3 Ausschnitt III
4.4 Kommunikative Techniken der Emotionsregulation
5.0 Schlussbetrachtungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das emotive Sprachhandeln der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Gerhard Schröder im Rahmen des TV-Duells von 2005. Das primäre Ziel ist es, sprachliche Indikatoren und kommunikative Strategien zu identifizieren, durch die Politiker im massenmedialen Kontext Emotionen darstellen und regulieren, um persuasive Ziele zu erreichen.
1.0 Einleitung
„[...] ich sags noch einmal, (-) sie LE:bt das (-) was sie sa:gt, (-) UND (.) ich füg hin´ZU:- (-) dass is nicht der zuletzt der grund (-) warum ich sie `LIEbe.“ (Bundeskanzler Schröder im TV-Duell, 04.09.2005)
Was aus Sicht der damaligen Opposition zunächst medienwirksam als „geschmacklos, plumper Wahlkampftrick und Instrumentalisierung“ (Spiegel Online, 06.09.2005) diskutiert wird, soll in dieser Arbeit als ein ungewöhnliches Beispiel emotiven Sprachhandelns aufgefasst werden. Die Liebeserklärung des Kanzlers im TV-Duell kann aus linguistischer Sicht als Emotionsmanifestation interpretiert werden, die als „öffentliches Phänomen in einer sozialen Situation interpersoneller Interaktion“ interessiert (Fiehler 1990, 1). Schröder wählt ein „kommunikatives Verfahren der Erlebensthematisierung“ (ebd., 98), das vom Publikum als authentischer Ausdruck eines Gefühls wahrgenommen werden soll. Er ist bemüht, „emotionale Glaubwürdigkeit“ (vgl. Roth 2004, 194) zu vermitteln. Doch auch Spitzenpolitiker haben zuweilen nur wenig Erfolg bei der Darstellung von Emotionen: Wie ein Autor der Tageszeitung Die Welt resümiert, haben führende CDU-Politiker vor allem eine „emotionale Ansprache der Wählerinnen und Wähler“ im Wahlkampf von Angela Merkel vermisst.
1.0 Einleitung: Dieses Kapitel stellt das Forschungsinteresse an der Emotionalität im TV-Duell dar und erläutert den Aufbau der Arbeit.
2.0 Theoretische Grundlagen: Hier werden emotionspsychologische sowie sprechhandlungstheoretische Ansätze und Konzepte der sozialen Realität von Gefühlen erläutert, um den Rahmen für die linguistische Analyse zu schaffen.
3.0 Politische Sprache und Kommunikation unter den Bedingungen des Massenmediums Fernsehen: Dieses Kapitel analysiert die strategischen Anforderungen an Politiker in Fernsehdebatten und diskutiert den Einfluss von Medien auf politische Inszenierungen.
4.0 Emotionalität im TV-Duell Merkel – Schröder: Exemplarische Analysen des emotiven Sprachhandelns: Im Hauptteil werden drei Gesprächsausschnitte linguistisch analysiert, um Organisationsformen des emotiven Sprachhandelns und Techniken der Emotionsregulation aufzuzeigen.
5.0 Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die kommunikativen Strategien der Kandidaten im Kontext der Ergebnisse.
Emotionalität, TV-Duell, Sprachhandeln, Emotionsregulation, politische Kommunikation, Sprechhandlungen, Diskurs, Inszenierung, Wahlkampf, Medienpsychologie, Diskursive Praxis, Appraisal-Theorien, Authentizität, Sprachwissenschaft, Politainment.
Die Arbeit untersucht das emotive Sprachhandeln der beiden Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Gerhard Schröder im TV-Duell 2005 aus einer linguistischen Perspektive.
Die zentralen Themenfelder sind die sprachliche Darstellung von Emotionen, die politische Kommunikation in Massenmedien und die Anwendung der Sprechakttheorie auf politische Streitgespräche.
Ziel ist es zu erfassen, wie Politiker in einer massenmedial vermittelten Situation Sprache nutzen, um Emotionen zu manifestieren und diese für ihre persuasiven Strategien zu regulieren.
Es werden gesprächsanalytische und sprechhandlungstheoretische Verfahren angewandt, die durch kognitionspsychologische und soziologische Theorien zur Emotionalität ergänzt werden.
Der Hauptteil beinhaltet eine detaillierte, exemplarische Analyse von drei transkribierten Ausschnitten des TV-Duells, in denen die rhetorischen und sprachlichen Mittel der Kandidaten untersucht werden.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Emotionalität, TV-Duell, Emotionsregulation, politische Sprache und diskursive Praxis charakterisieren.
Das TV-Duell wird gewählt, da es eine hochgradig inszenierte, mediale Kommunikationssituation darstellt, in der politische Akteure unter kritischer Beobachtung stehen und gezwungen sind, ihr Ausdrucksverhalten strategisch zu steuern.
Diese Sequenz dient als prominentes Fallbeispiel für eine geplante Inszenierung emotionaler Authentizität, die interaktiv verhandelt wird und das Ziel verfolgt, den Kanzler als „Anwalt der sozialen Schwächeren“ zu positionieren.
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