Bachelorarbeit, 2011
52 Seiten, Note: 1,7
1. EINFÜHRUNG: Ist die Zusammenarbeit ausreichend?
2. AD(H)S – Theoretische Annahmen und deren Bedeutung für die interdisziplinäre Zusammenarbeit
2.1 Definition und Bedeutung des Begriffs Interdisziplinarität für diese Bachelorarbeit
2.2 Klassifikation und Diagnosekriterien
2.2.1 Kategorisierung und Diagnosekriterien nach DSM-IV-TR
2.2.2 ICD-10 im Vergleich mit dem DSM-IV-TR
2.2.3 Epidemiologie und Prävalenz
2.2.4 Begründung der gewählten Abkürzung AD(H)S
2.2.5 Zusammenfassende und kritische Betrachtung der Klassifikationssysteme
2.3 Ätiologie
2.3.1 Ursachen aus biophysischer Sicht
2.3.2 Ursachen aus pädagogischer Sicht
2.3.3 Psychosoziale Einflussfaktoren
2.3.4 Zusammenfassende Betrachtung der Ätiologie unter Hinzunahme des biopsychosozialen Modells
2.4 Zusammenfassende Betrachtung und mögliche Auswirkungen der beschriebenen Klassifikation und Ätiologie von AD(H)S
3. Diagnostik
3.1 Konsequenzen für die interdisziplinäre Zusammenarbeit aus der medizinisch-psychiatrischen Diagnostik
3.2 Konsequenzen aus weiteren diagnostischen Verfahren
4. Interventionen
4.1 Medikamentöse Intervention
4.2 Psychoedukation der Eltern, Elterntraining, Elternberatung
4.3 Verhaltenstherapeutische Trainingsprogramme
4.4 Zusammenfassende Betrachtung der Interventionsansätze
5. Resümee
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der interdisziplinären Zusammenarbeit bei der Behandlung von Kindern mit diagnostiziertem AD(H)S im Grundschulalter. Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Sichtweisen unterschiedlicher Fachdisziplinen zu beleuchten und deren Einfluss auf die praktische Diagnostik und Interventionsplanung zu analysieren, um ein tieferes Verständnis für die Notwendigkeit einer vernetzten Kooperation zu schaffen.
2.3.1 Ursachen aus biophysischer Sicht
Laut HILLENBRAND ist „innerhalb des biophysischen Modells […] das Denken in klaren Abgrenzungen von gesund und krank, von gestört und nicht gestört gemeinsam“ (HILLENBRAND 2006, S. 66). Dementsprechend werden Kinder danach eingeordnet, ob sie gestört oder nicht gestört sind. Des Weiteren liegt das vordergründige Ziel in der Ursachenforschung darin, eindeutige Gründe für die Verursachung von AD(H)S zu finden, die auf eine organisch-physische Schädigung zurückzuführen sind. Zu der biophysischen Sichtweise werden teilweise in der Literatur auch der medizinische und der humanethologische Aspekt gezählt (vgl. MYSCHKER 2009, S. 91f). Nachfolgend werden hauptsächlich Sichtweisen und Annahmen vorgestellt, die aus der medizinischen Forschung entstammen, da deren Berücksichtigung fachbereichsübergreifend festzustellen ist.
Als weitestgehend manifest – im Rahmen der biophysischen Sichtweise – gilt zurzeit die Annahme, dass eine genetische Disposition für das Auftreten einer AD(H)S vorliegen muss. Es sind erhöhte Raten von AD(H)S-Symptomen bei Eltern von positiv diagnostizierten Kindern festgestellt worden. Zudem zeigen Zwillingsstudien auf, dass die Konkordanzrate zwischen 50 – 80% bei eineiigen Zwillingen liegt. Auch werden auf die Dopaminregelung einflussnehmende Gene als eine mögliche (Teil-)Ursache in Erwägung gezogen. Allerdings wird das erhöhte Risiko für eine AD(H)S als gering eingeschätzt, wodurch das „Auftreten einer ADHS nicht auf die Veränderung eines einzelnen Gens zurückzuführen ist“ (BUNDESÄRZTEKAMMER 2005, S. 21).
Als weitere Faktoren gelten im Bereich der Neurophysiologie Besonderheiten in einzelnen Hirnregionen. So wurde beispielsweise per bildgebende Verfahren festgestellt, dass Personen mit einer AD(H)S im Vergleich zu Personen ohne eine AD(H)S „eine verringerte Größe des Frontallappens, des Corpus Callosum und der Basalganglien“ (GAWRILOW 2009, S. 20) aufweisen. Diese Hirnbereiche gelten unter anderem als zuständig für exekutive Funktionen oder auch für die Planung von Verhalten.
1. EINFÜHRUNG: Ist die Zusammenarbeit ausreichend?: Das Kapitel beschreibt die Motivation des Autors und definiert die Forschungsfrage bezüglich der interdisziplinären Zusammenarbeit bei AD(H)S-Kindern.
2. AD(H)S – Theoretische Annahmen und deren Bedeutung für die interdisziplinäre Zusammenarbeit: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Klassifikationssysteme, Ätiologie-Modelle und die unterschiedlichen wissenschaftlichen Sichtweisen auf AD(H)S.
3. Diagnostik: Die diagnostischen Verfahren und deren Auswirkungen auf die Zusammenarbeit verschiedener Professionen werden hier kritisch hinterfragt.
4. Interventionen: Es werden medikamentöse, verhaltenstherapeutische und psychoedukative Ansätze im Kontext der Interdisziplinarität diskutiert.
5. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion über die gewonnenen Erkenntnisse und die Grenzen der Kooperation in der Praxis.
AD(H)S, Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Förderpädagogik, Diagnostik, Ätiologie, DSM-IV-TR, ICD-10, Medikamentöse Intervention, Verhaltenstherapie, Psychoedukation, Biopsychosoziales Modell, Verhaltensstörungen, Grundschulalter, Kooperation, Inklusion.
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Barrieren der interdisziplinären Kooperation zwischen Pädagogen, Medizinern und anderen Fachkräften bei der Betreuung von Grundschulkindern mit der Diagnose AD(H)S.
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen der Störung, diagnostische Standards sowie verschiedene Interventionsmaßnahmen und deren Verankerung in unterschiedlichen fachlichen Modellen.
Ziel ist es, Schnittmengen und Divergenzen in den Sichtweisen der beteiligten Disziplinen aufzudecken, um ein tieferes Verständnis für die Notwendigkeit vernetzten Handelns im Sinne einer ganzheitlichen Förderung zu entwickeln.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der kritischen Auseinandersetzung mit theoretischen Modellen, Klassifikationssystemen und einschlägigen Fachpublikationen.
Der Fokus liegt auf dem Spannungsfeld zwischen biophysisch-medizinischen Ansätzen und pädagogisch-integrativen Konzepten sowie deren Auswirkungen auf die konkrete Fallbetreuung.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Interdisziplinarität, Ätiologie-Diskurs, diagnostische Grenzziehung, multimodale Behandlung und pädagogisches Handeln.
Der Autor kritisiert, dass Diagnosen oft auf einer einseitig medizinischen Sichtweise basieren und dabei wichtige psychosoziale Faktoren oder die spezifischen Bedürfnisse im schulischen Alltag vernachlässigt werden könnten.
Medikamente werden als ein in der Fachliteratur diskutierter, aber umstrittener Baustein gesehen, dessen Anwendung ohne flankierende pädagogische Maßnahmen häufig als unzureichend kritisiert wird.
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