Bachelorarbeit, 2012
58 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Begriffsklärungen
2.1 Nostalgie
2.2 Zeitkulturzitat
2.3 Retro
3 Das Retro-Jahrzehnt – Vorgeschichte und Ursachen
3.1 Retro in der Vergangenheit
3.2 Retromania heute
3.3 Die Übermacht des Archivs
4 Stand der Jugendkulturforschung – Cultural Studies
5 Kulturrecycling und Identitäten
5.1 Subkulturen, Gegenkulturen, Jugendkulturen und Jugend(sub)kulturen
5.2 Kulturrecycling
5.3 Ästhetik, Distinktion und Geschmack
5.4 Jugendliche im Web 2.0
6 Zwischenbetrachtung
7 Retromania und jugend(sub)kulturelle Identität
7.1 Das Ende der Jugendkulturen
7.2 Neue Nischen
8 Neue Jugend(sub)kulturen?
8.1 Fallbeispiel 1: Emo
8.2 Fallbeispiel 2: Zeitgenössische Hipster
9 Ergebnisse, Ausblick und Fazit
Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht das Phänomen der "Retromania" in Jugend(sub)kulturen der 2000er Jahre. Ziel ist es zu analysieren, wie Retrophänomene und Kulturrecycling die jugendliche Identitätsbildung beeinflussen und ob diese Prozesse auf ein Ende klassischer Jugendkulturen hindeuten oder als neue Formen der Vergemeinschaftung zu verstehen sind.
3.1 Retro in der Vergangenheit
Die erste Hälfte der 60er-Jahre habe laut Reynolds noch den Geist der Moderne geatmet und sei durch einen festen Glauben an den Fortschritt gekennzeichnet gewesen, was die futuristischen, von der Raumfahrt inspirierten Mode-Kollektionen von André Courrèges, Pierre Cardin und Paco Rabanne zeigen würden, indem sie streng geometrische Formen und Materialien wie weißes und silbernes PVC verwendeten (2011, S. 183). Der Bruch mit dem Fortschritt und der Zukunft habe sich etwa in den Jahren 1966 und 1967 angedeutet, in denen sich der Fokus der Popkultur zum ersten Mal auf andere Zeiten und Orte verschob (ebd.). Reynolds sieht den Wendepunkt, an dem der Modernismus der 1960er durch einen Vorläufer des späteren Retro-Chic – dem Vintage-Kult – abgelöst wurde, in einer Szene des Films Blowup von Michelangelo Antonioni aus dem Jahr 1966 festgehalten: Die Hauptfigur des Films, ein am Puls der Zeit lebender Modefotograf, kauft in dieser Szene einen nutzlosen alten Propeller aus einem Londoner Antiquitätengeschäft, nachdem er zwei junge Hippies (in denen er eine Stil-Avantgarde sieht) aus dem Geschäft kommen sieht (a.a.O., S. 184 ff).
Die Hippies haben – dem Vorbild der Feministinnen und Feministen folgend, die durch Secondhandkleidung modischen Ausdruck außerhalb des Diktats der männlich dominierten Modeindustrie finden konnten – mit dem Tabu gebrochen, Altes wieder zu verwerten, was zu dieser Zeit ein Stigma ökonomisch benachteiligter Gruppen dargestellt habe (a.a.O., S. 193). Gleichzeitig lehnten die Hippies den Warenfetisch der Konsumgesellschaft ab und sahen im Kunststoff Plastik ein Sinnbild für das Schädliche und Unechte in der spätmodernen, kapitalistischen Gesellschaft. Einen Gegenentwurf dazu fanden sie, den Ausführungen des Jugendforschers Klaus Farin zufolge, in der „Idealisierung und Mystifizierung“ weit entfernt lebender, ausgebeuteter und stigmatisierter Völker der Dritten Welt, deren Kleidung die Mode der Hippies inspiriert habe (2011, S. 43).
1 Einleitung: Hinführung zum Thema des "Retro-Jahrzehnts" basierend auf den Thesen von Simon Reynolds.
2 Begriffsklärungen: Definition und Abgrenzung von Nostalgie, Retro und Zeitkulturzitat als theoretische Basis.
3 Das Retro-Jahrzehnt – Vorgeschichte und Ursachen: Analyse früherer Retrowellen und der Rolle digitaler Archive als Ursache für die heutige "Retromania".
4 Stand der Jugendkulturforschung – Cultural Studies: Überblick über die Entwicklung der Jugendsoziologie und die Relevanz der Cultural Studies.
5 Kulturrecycling und Identitäten: Untersuchung der Identitätsbildung durch "Re-use" und den Umgang Jugendlicher im Web 2.0.
6 Zwischenbetrachtung: Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse zur Vorbereitung der Fallbeispiele.
7 Retromania und jugend(sub)kulturelle Identität: Diskussion über das mögliche Ende klassischer Jugendkulturen und die Bedeutung neuer Nischen.
8 Neue Jugend(sub)kulturen?: Detaillierte Analyse der Fallbeispiele Emo und Hipster.
9 Ergebnisse, Ausblick und Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsansätze.
Retromania, Jugend(sub)kultur, Kulturrecycling, Zeitkulturzitat, Simon Reynolds, Nostalgie, Identität, Web 2.0, Digital Natives, Emo, Hipster, Pop-Mythos, Bricolage, Distinktion, Cultural Studies.
Die Arbeit befasst sich mit der Beobachtung, dass die Popkultur der 2000er Jahre exzessiv auf ihre eigene Vergangenheit zurückgriff (Retromania) und untersucht deren Auswirkungen auf jugendliche Identitäten.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis zwischen Retro-Trends und Originalität, die Rolle des Internets als digitales Kulturarchiv sowie die Veränderung von Jugendkulturen durch Kulturrecycling.
Das Ziel ist herauszufinden, ob Retrophänomene ein "Ende der Jugendkulturen" markieren oder ob sich darin neue, spezifisch postmoderne Formen der Vergemeinschaftung ausdrücken.
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die Ansätze der Cultural Studies, soziologische Theorien (u.a. von Bourdieu) und poptheoretische Analysen kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Begriffsbestimmungen), die Analyse der Ursachen (Archive, Internet), die soziologische Einordnung und die praktische Veranschaulichung anhand der Beispiele Emo und Hipster.
Die wichtigsten Schlagworte sind Retromania, Kulturrecycling, Zeitkulturzitat, Emo, Hipster und Identitätsbildung.
Die Digitalisierung ermöglicht eine permanente Verfügbarkeit kultureller Archive. Dies führt zu einer "Übermacht des Archivs", in der Vergangenes sofort abrufbar und für heutige Generationen als "Requisit" nutzbar ist.
Im Gegensatz zu klassischen Jugendkulturen verweigern sich Hipster weitgehend einer bewussten Selbstidentifikation. Sie zeichnen sich eher durch eine Lebensphilosophie des Individualismus und nonkonformistisches Konsumverhalten aus.
Emos nutzen "Kulturrecycling", indem sie Stilelemente aus verschiedensten anderen Subkulturen kombinieren. Dies dient ihnen dazu, sich eine eigene Identität in einem eklektischen Zeitalter zusammenzustellen.
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