Examensarbeit, 2010
102 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Textilien und Kleidung als Material in der Kunst
2.1 Der Vergleich von Textilien zu den klassischen Materialien der Kunst
2.2 Soft Sculptures und die Soft-Art Bewegung
3 Kulturhistorischer Überblick des 20. Jahrhunderts
3.1 Das Reformkleid der deutschen Jugendstilkünstler
3.2 Die Wiener Werkstätten
3.3 Die Kleidung der Futuristen
3.4 Die russischen Konstruktivisten
3.5 Sonia Delaunay und die Simultan-Kleider
3.6 Das Bauhaus und seine Webwerkstatt
3.7 Dadaismus und Surrealismus
3.8 Kleidung und Textilien in der Kunst ab 1940
3.9 Der transatlantische Austausch ab dem Zweiten Weltkrieg
3.10 Pop Art, Andy Warhol und das Suppenkleid
3.11 Fluxus-Bewegung: Yoko Ono’s „Cut Piece“
3.12 Filz als zentrales Material bei Joseph Beuys
3.13 Stoffobjekte in der Prozesskunst von Franz Erhard Walther
3.14 Rosemarie Trockel und die Gender-Debatte
3.15 Resümee
4 Umsetzungspotenziale für den fächerverbindenden Unterricht an der Realschule
4.1 Ästhetische Bildung im Textil- und Kunstunterricht
4.2 Die Verankerung im Bildungsplan
4.3 Fächerverbindung in der Schulpraxis
4.4 Umsetzungsbeispiele für den Unterricht
4.4.1 Das Thema Mode als ästhetisch-relevantes Phänomen
4.4.2 „Tüten-Taschen“ als Stationenarbeit im Kunst- und Textilunterricht
5 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und zeitgenössische Rolle von Textilien und Kleidung in der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, diese kunstwissenschaftlichen Erkenntnisse didaktisch aufzubereiten, um neue Impulse für einen fächerverbindenden Unterricht in den Fächern Kunst und Textilgestaltung an Realschulen zu geben und veraltete Rollenklischees in der Schulpraxis zu überwinden.
3.1 Das Reformkleid der deutschen Jugendstilkünstler
Um die Jahrhundertwende setzte sich in Europa die Reformierung der Frauenkleidung in Gange. Der erste Widerstand gegen das Pariser Modediktat, welches das Tragen eines engen Korsetts vorschrieb, kam 1897 in Deutschland auf. Zu dieser Zeit war die Damenkleidung besonders vom schmalen Umfang der weiblichen Taille geprägt. Eine schmale Taille, die langgestreckte Figur der Frau und die nach oben geschobenen Brüste galten als modern. Die Forderungen nach einer körperfreundlicheren, gesünderen und bequemeren Kleidung für die Frau wurden immer lauter. Diese entwickelten sich im Zuge der Industrialisierung, weil die häuslichen Aufgaben der Frau vereinfacht wurden und ihr damit auch mehr Aktivitäten im außerfamiliären Kontext offen standen. Besonders Mediziner warnten vor dem gefährlichen, gesundheitsschädigenden und deformierenden Korsett. So sollte das neue Reformkleid für die berufstätige Frau angemessen und nicht gesundheitsschädlich sein.
Das Reformkleid wurde auch in den Kreisen der Jugendstilkünstler zum Thema. Künstler wie Henry van de Velde (1863-1957), Alfred Mohrbutter (1867-1916), Richard Riemerschmid (1868-1957), Peter Behrens (1968-1940) oder Gustav Klimt (1862-1918) suchten nach einer zeitgemäßen Kleidung für die Frau, die nicht nur praktisch und gesund, sondern auch ihren künstlerisch-ästhetischen Ansprüchen gerecht werden sollte. Vielen von ihnen war das Gestalten von Kleidern zu wichtig, um dieses Gebiet allein den Modeschöpfern zu überlassen. Sie fanden in der Umgestaltung der Frauenmode ein neues Betätigungsfeld, das bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht von anderen Künstlern aufgegriffen wurde. Neben dieser Aufgabe verfolgten die Jugendstilkünstler auch das Ziel, ein für alle Lebensbereiche umfassendes Gesamtkunstwerk zu erschaffen, welches besonders die Frauenmode einschließt. So wurde das Kleid also zu einem Teil des Gesamtkunstwerks.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Bedeutung von Textilien als künstlerisches Material im 20. Jahrhundert ein und definiert den fachwissenschaftlichen Schwerpunkt der Arbeit.
2 Textilien und Kleidung als Material in der Kunst: Dieses Kapitel erläutert den Wandel der Bewertung von Textilien weg vom „minderwertigen“ Handwerk hin zu einem anerkannten künstlerischen Material, inklusive der Begriffsbestimmung von „Soft Sculptures“.
3 Kulturhistorischer Überblick des 20. Jahrhunderts: Dieses Kapitel bietet eine chronologische Untersuchung verschiedener Kunstströmungen wie Jugendstil, Futurismus, Dadaismus, Pop Art und Fluxus hinsichtlich ihres Umgangs mit Kleidung und Stoffen.
4 Umsetzungspotenziale für den fächerverbindenden Unterricht an der Realschule: Hier werden fachdidaktische Konzepte zur ästhetischen Bildung vorgestellt und Wege aufgezeigt, wie diese in der Schulpraxis durch eine Verbindung von Kunst und Textil umgesetzt werden können.
5 Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel resümiert die Entwicklung der Textilkunst und betont die Notwendigkeit, den Schulunterricht durch moderne, künstlerisch-orientierte Ansätze von veralteten Rollenklischees zu lösen.
Textilkunst, Kunstunterricht, Kleidung, Jugendstil, Avantgarde, Soft Sculptures, Ästhetische Bildung, Fächerverbindung, Realschule, Modedesign, Objektkunst, Reformkleid, Konstruktivismus, Pop Art, Materialästhetik.
Die Arbeit analysiert die historische Rolle von Textilien und Kleidung in der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts und leitet daraus Ansätze für eine fächerverbindende Didaktik an Realschulen ab.
Die zentralen Themen sind die kunsthistorische Entwicklung von textilen Materialien als Kunstobjekte, die Rolle der Kleidung als Identitätsmerkmal sowie fachdidaktische Reformen im Kunst- und Textilunterricht.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine moderne, ästhetisch-künstlerische Herangehensweise der Unterricht an Realschulen zeitgemäß gestaltet und von veralteten Rollenbildern befreit werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten kulturhistorischen Recherche und der Analyse existierender fachdidaktischer Konzeptionen zur ästhetischen Bildung.
Der Hauptteil gliedert sich in einen wissenschaftlichen Rückblick auf relevante Kunstströmungen und einen fachdidaktischen Teil, der konkrete Umsetzungsvorschläge für den Schulalltag präsentiert.
Wichtige Begriffe sind Textilkunst, Ästhetische Bildung, Fächerverbindung, Materialästhetik und die Überwindung traditioneller Rollenklischees im schulischen Textilunterricht.
Die Arbeit zeigt auf, dass der Bruch mit traditionellen Materialhierarchien durch Bewegungen wie den Dadaismus oder die Avantgarde erst den Weg für zeitgenössische Konzepte freimachte.
Der Begriff markiert die künstlerische Aufwertung weicher, verformbarer Materialien und stellt eine direkte Gegenposition zur harten, statischen traditionellen Skulptur dar.
Das Thema eignet sich hervorragend als "soziales Totalphänomen", um Schüler durch praktische Projektarbeit wie Collagen oder Performance-Aktionen an eine kritische und künstlerische Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt heranzuführen.
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